BlueCoat: US-Technologie überwacht syrische Online-Bürger

Dieser Beitrag von Leila Nachawati ist zuerst auf Global Voices Advocacy erschienen, steht unter der CC-BY-Lizenz und wurde von uns übersetzt.

Im Hinblick auf die im Nahen Osten und Nordafrika herrschende Unterdrückung spielten Überwachungstechnologien bei der Bereitstellung von Tools für autoritäre Regime eine wichtige Rolle, die notwendig sind, um Bürger online verfolgen zu können. Unter den Anbieter-Unternehmen hat sich BlueCoat als effizientester Unterstützer des syrischen Regimes herausgestellt, um weitgehend jede Bewegung der Syrier im Internet zu kontrollieren.

Jede online Bewegung der Syrier wird überwacht

Am 5. Oktober veröffentlicht die Initiative Telecomix 54 Gigabyte Log-Dateien syrischer BlueCoat-Geräte, die den Zeitraum vom 22. Juli bis 5. August 2011 abdecken. BlueCoat, ein amerikanisches Unternehmen, stellt Proxy-Geräte her, die Tools für Web-Caching, Virus-Scanning und Content-Filtering anbieten. Solche Geräte können auch zur Überwachung verwendet werden.

Die von Telecomix veröffentlichten Protokolle zeigen, dass die syrischen Telekommunikationsunternehmen BlueCoat-Geräte verwendeten, um HTTP-Verbindungen im Land zu filtern und zu überwachen. BlueCoat bestreitet den Verkauf von Geräten an Syriens Regime, da infolge des US-Handelsembargo Verkäufe an Syrien nicht zulässig sind. Jedoch beweisen diese Protokolle, dass hauptsächlich BlueCoat Produkte zur Überwachung in Syrien verwendet wurden – vielleicht mithilfe von Vertriebspartnern der benachbarten Länder.

Nach der Telecomix-Veröffentlichung beantwortete BlueCoat keine direkten Anfragen bezüglich des Verkaufs ihrer Produkte an die syrische Regierung. Nach mehreren Versuchen, beteuerte ein Sprecher des Unternehmens, dass sie keine Technologie an Syrien verkaufen würden.

Diese Grafik des Forschers Arturo Filastò zeigt die am häufigsten angefragten und geblockten Einträge in verschiedenen Teilen des Landes. Die Protokolle machen deutlich, dass sich die Mehrheit der blockierten Websites auf Software, Werbung, Social Media und Suchmaschinen sowie einige pornografische und andere für Erwachsene bestimmte Inhalte bezieht, von denen einige standardmäßig geblockt sein könnten.

Eingeschlossen in die Liste der blockierten Websites, sind nicht nur Islamsyria.com, Islammemo.cc, Muhammadanism.org und Ikhwanonline.com, die die Besessenheit des syrischen Regimes im Hinblick auf muslimische Schriften aufzeigen, sondern auch TourismEgyptonline und Myvisapassport.com, die Informationen zur Erlangung von Visa für eine Ausreise aus dem Land, bereitstellen.

Laut Tor-Forscher Roger Dingledine zeigt die Veröffentlichung, dass Nutzer der Anonymitätsinfrastruktur in Syrien nicht in den Protokollen auftauchten. Aufgrund der Gefahren durch das herrschende Überwachungsniveau, rät er daher allen Syriern dringend zu der Verwendung von Tor. „Die Überwachung ist nicht gestoppt, nur weil wir diese Protokolle gefunden haben. Wenn Sie daher nicht in einer dieser Listen auftauchen möchten, müssen Sie ein Werkzeug wie Tor nutzen.“

Eine riskante Veröffentlichung

Telecomix, die sich selbst als eine zu „Informationszwecken Guerilla-Kriegführende“ Gruppe bezeichnen, hat den Menschen in Syrien und anderen Ländern dieser Region, im Hinblick auf zensierte und überwachte Web-Zugängen, geholfen. Mit dieser Veröffentlichung soll jedem der Zugang zu den Daten möglich sein, um einen tieferen Einblick in die syrische Zensur zu erhalten und mehr Wissen zu generieren, um weitere Angriffe gegen die Meinungsfreiheit verhindern zu können.

Doch ist das der richtige Weg um dies zu erreichen? Telecomix erklärt, dass die privaten IP-Adressen der Nutzer zum Schutz ihrer Privatsphäre heraus gelöst wurden, merkt jedoch auch an, dass einige persönliche Daten noch in den angeforderten URLs enthalten sind. Dem Forscher Jacob Appelbaum zufolge ist die Veröffentlichung der Daten riskant. „Die Daten waren vermutlich schon in den Händen derer, die der syrischen Bevölkerung schaden wollen, doch nach dieser Veröffentlichung können wir darauf wetten, dass wenn sie vorher keine Kopie hatten, sie diese nun besitzen. Die Veröffentlichung einer Analyse dieser Daten, ohne die Offenlegung von Informationen über bestimmte Nutzer wäre sicherer gewesen. Syrier werden offensichtlich aufgrund kritischer Äußerungen auf Facebook-Seiten getötet – die Behörden werden vor nichts zurückschrecken um Kritik zu unterdrücken.“

Es besteht eindeutig eine direkte Verbindung zwischen der Filter- und Überwachungstechnologie wie BlueCoat sie liefert und Verfolgung, Verhaftung, Folter und Tötung potentieller Gegner in Syrien. Laut Jillian C. York von der Electronic Frontier Foundation „haben wir einige Änderungen im Hinblick auf den Verkauf von Überwachungs- und Filter-Tools an Behörden durch Unternehmen mit Sitz in den Vereinigten Staaten und anderen demokratischen Staaten, feststellen können.“ Für die einigen Quellen zufolge inzwischen 3000 Todesopfer und zehntausend Festgenommenen, Gefolterten und Vermissten, ist diese Veröffentlichung nur ein weiterer Beweis für die Überwachung, der Syrier jede Minute ihres Lebens ausgesetzt sind und die Verwicklung westlicher Technologie in diese Überwachung.

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