Kultur

Visualisierung: Todesopfer rechter Gewalt 1990 – 2010

Ein schönes Beispiel für Datenjournalismus hat Zeit.de mit der Visualisierung einer traurigen Sache geschaffen: Todesopfer rechter Gewalt 1990 – 2010. Ganz ohne Flash, dafür mit HTML5 werden auf einer Deutschlandkarte die Todesopfer rechter Gewalt der letzten 20 Jahre visualisiert. Gleichzeitig kann man in der Zeitachse zurückgehen. Die Rohdaten werden auch zur Verfügung gestellt.


Netzpolitik.org ist unabhängig, werbefrei und fast vollständig durch unsere Leserinnen und Leser finanziert.

Weitersagen und Unterstützen. Danke!
25 Kommentare
  1. Was ist „rechte Gewalt“? Wenn der Täter kurze Haare oder eine Glatze trägt? Wenn er bei der Tatausführung „Heil Hitler!“ ruft? Oder reicht es, wenn das Opfer kein Deutsch sprach?

    Die Karte entlarvt sich sofort, wenn man einige der Filter (z.B. „offiziell anerkannt“) zuschaltet.

    Ich bedanke mich herzlich für den Link, steht für mich jetzt zweifelsfrei fest: Ein großes Problem mit „rechter Gewalt“ existiert in Deutschland nicht.

    Gibt es die Karte eigentlich auch invertiert, also Migranten als Täter und Deutsche als Opfer? Oder reicht dafür die Rechenkapazität der Zeit-Server nicht aus?

  2. PS:

    Es gab es in 20 Jahren zwei offiziell anerkannte Morde mit Motiv „Ausländer“, die von organisierten Faschisten begangen wurden.

    Wahnsinn. Der braune Pöbel kann ja ungestört in Gruppen durch Deutschland marschieren und wahllos Menschen umbringen. Wir brauchen mehr Mittel gegen Rechts!

  3. Gerade die Rohdaten sind echt interessant für weitere Detailergebnisse. Beispiel: wenn ich richtig gezählt habe, sind nur 11 der Taten von Tätern begangen worden, die älter als 30 Jahre waren. Alle anderen waren 30 Jahre oder jünger.

  4. Ich verstehe nicht warum jemand der wegen Notwehr freigesprochen wurde als rechtspolitisch motivierter Täter erfasst ist.

    Überhaupt: Wenn gesagt wird welche Taten von der Justiz als rechtspolitisch motiviert anerkannt wurden, warum wird dann nicht gesagt von wem anderen die Taten als solche anerkannt wurden.

    Ich glaube sehr wohl das ich die Taten wahrscheinlich ebenso einordnen würde, aber so ist diese Präsentation doch irgendwie blödsinnig.

    Wenn’s um „Kinderpornographie“ im Web ginge würde man doch auch wissen wollen ob Zensursula, Hinz oder Kunz die Existenz anerkennt.

  5. Fincut:
    „Rechte Gewalt“, also aus solchen ideologisch und politisch motivierten kreisen, richtet sich, laut strafstatisktik, meist gegen Personen und gegen die Verfassung, ebenso wie sich die Ideologie auch gegen die Verfassung wendet.

    Linke Gewalt richtet sich, laut strafstatistik, gegen Sachgegenstände und die Ideologie gegen das Wirtschaftssystem.

    Das sieht mir nach einem klaren Gefälle von „was ist böser“ aus. Bzw. anders ausgedrückt: Linksextreme werden nicht so aufs Korn vom Verfassungschutz und anderen genommen, weil sie halt legal sind. Ihre Anschauungen sind gesellschaftlich extrem, aber völlig verfassungkonform und mit Demokratie kompatibel.

    Rechtsextremismus ist aber verfassungsfeindlich.

    Ich bin absolut gegen Gewalt aber brennende Autos sind mir lieber als brennende Ausländer.

  6. Das mag jetzt für einige Leute komisch klingen, aber ich finde das ist ein super Ergebnis. Nur 141 Tode in 20 Jahren. Das sind natürlich 141 Tode zu viel, aber trotzdem ein spitzen Ergebnis. Es sterben wahrscheinlich die doppelte oder dreifache Anzahl an Menschen auf den gleichen Zeitraum an Bienenstichen oder an rostigen Nägeln.
    Der Kampf gegen Rechts hat sich eindeutig gelohnt. Ich bin zufrieden!

  7. Ich hätte es sehr hilfreich gefunden, außer den rohen Daten auch ein wenig mehr Hintergrund zu erfahren, z.B. jeweils einen Link auf einen Artikel, der den Fall von Tat bis Verurteilung zusammenfasst. Die reinen Daten reichen für eine Beurteilung nicht wirklich aus, wegen möglicherweise abweichenden Definitionen.

  8. @2. & 3. / Fincut
    Wenn 137 Todesopfer seit 1990 kein Problem für Dich darstellen, dann macht mich das einfach fassungslos… vielleicht ist es angemessen Deine Kommentare einfach zu löschen…
    Die invertierte Karte gibt es meines Wissens nicht. Vielleicht kannst Du eine erstellen um uns von Deine komischen Standpunkte zu erläutern?

    @#5 / Brunini:
    Leider werden viele Taten nicht als rechtspolitisch motiviert anerkannt, obwohl es in vielen Fällen auf der Hand liegt (Mitgliedschaft in entsprechenden Parteien, Aktivismus in entsprechender Szene, eindeutige Beschimpfungen politischer Gegner, vorherige Taten etc.). Natürlich kann man nicht beliebig viele Informationen in das Schaubild packen. Im Zweifelsfall empfehle ich Dir nach den Fällen einfach zu googlen, wenn Dich die Details zu einem bestimmten Fall interessieren.
    Letztendlich ist die Politik auch immer daran interessiert, die Motive als Jugenbandenkriege darzustellen, man gibt ja in der Öffentlichkeit nicht zu ein wirklich bedrohliches Problem mit Rechtsradikalismus zu haben!
    Zum Thema: http://www.youtube.com/watch?v=01Hxq-PFOlc

    @#6 / Nils:
    „Linksextreme Gewalt“ gegen Sachengegenstände ist selbstverständlich illegal und alles andere als erlaubt. Nichtsdestotrotz stimmen wir natürlich überein, dass rechte und linke Gewalt zwei völlig unterschiedliche Sachen sind, die man keinesfalls gleichsetzen darf, wie es manche Populisten gerne tun. „Linksextreme“ werden außerdem genauso vom Verfassungsschutz beobachtet.

    Weiterhin darf man natürlich nicht vergessen, dass diese Karte unvollständig ist, weil es viele Morde gibt, deren Taten niemals aufgeklärt wurden und so eine rechts Motivation weder belegbar noch wederlegbar ist. Als Beispiel ist hier der Lübecker Brandanschlag zu nennen, dem opferreichsten Brandanschlag auf ein Asylantenheim im wiedervereinten Deutschland, der niemals aufgeklärt wurde. Deshalb ist es richtig, die Opfer hier nicht zu listen.

  9. @benni:

    Kein großes Problem, schrieb ich. Und was von den 137 übrig bleibt, kann jeder selbst nachvollziehen. Übrigens sind die ganzen „zweideutigen“ Fälle, die nicht als rechtsextreme Taten anerkannt wurden, in den 137 Fällen mit drin.

    Ja, es gibt kein großes Problem in Deutschland mit rechter Gewalt. Und das ist auch gut so. Packen wor als nächstes den verbreiteten Rassismus gegen Deutsche an.

  10. @12. / Fincut:
    Wenn es für Dich \kein großes Problem\ ist, dass es nahezu TÄGLICH rechtsmotivierte Vorfälle in Deutschland gibt… okay, dann weiß ich, wie ich über Dich denke!
    Sieh Dir mal die Dokumentationen von rechten Vorfällen in den letzten Monaten auf der Homepage Deiner lokalen Antifa an. Oder lies die täglichen Einträge auf dem \Stoerungsmelder\-Blog der Zeit.

    Die dort aufgelisteten Fälle sind definitiv nicht zweideutig. Oder kannst Du mir konkret einen Fall aufzeigen, der nicht eindeutig rechts-motiviert ist?

    \Rassismus gegen Deutsche\… meines Wissens geht es hier nicht lediglich um Rassismus sondern um jegliche rechte Scheiße. Vielleicht ist Dir aufgefallen, dass in der Karte auch Morde an Obdachlosen oder Homosexuellen aufgelistet sind – waren die nicht \deutsch\? Weiterhin sollte klar sein, dass die meisten Menschen mit Migrationshintergrund genauso wie ich seit ihrer Geburt einen deutschen Pass besitzen und ihr gesamtes Leben hier verbracht haben. Ich kenne Dich nicht, aber wahrscheinlich gilt das für Dich auch. Ich wusste übrigens nicht, dass \Rassismus gegen Deutsche\ und \Rassismus gegen Ausländer\ nicht beides unter \Rassismus\ fällt. Erklär mir mal bitte, wo der Unterschied sein soll und warum es Dir so wichtig ist zu unterscheiden.

  11. Ich habe es immer gesagt und bin auch nach der Visualisierung der Ansicht: Solche Statistiken sind für die Tonne. Bestenfalls sagen sie aus, dass das Problem existiert. Schlimmstenfalls verzerren sie die Realität.

    Denn: Was genau unter rechter Gewalt zu verstehen ist, darüber herrscht kaum Konsens. Ob ein Einzelfall als „rechtsmotivierte Straftat“ einzuordnen ist, ist dementsprechend auch schwierig. Natürlich gibt es die mehr oder weniger eindeutigen Fälle, wo Ausländer von Rechtsradikalen zu Tode gehetzt werden, während entsprechende Parolen skandiert werden; Viele Fälle sind aber eben nicht so eindeutig. Wenn ich sehe, dass bei der Zeit viele Fälle als „nicht offiziell anerkannt“ gelten, vereinzelt sogar „Täter nicht ermittelt“ oder „Täter verstorben“ notiert ist (sprich: Nicht einmal ein Verfahren stattgefunden hat), dann kann man die Darstellung wissenschaftlich getrost als unbrauchbar abtun.

    Mal ganz abgesehen davon, dass sich die Frage nach der Dunkelziffer stellt.

  12. Interessant und beunruhigend finde ich, dass es bei weiblichen Opfern in 45% der Fälle das Urteil Lebenslänglich gab, bei männlichen Opfern aber nur in 11%. Oder auch umgekehrt: Strafen von nur <=10 Jahren oder Freispruch gab es bei männlichen Opfern in 67% der Fälle, bei weiblichen Opfern aber gerade mal in 15% der Fälle.

  13. @Daniel du hast ja gesehen das es wesentlich mehr männliche als weibliche Opfer gab.

    Das heisst deine Beobachtung und meine zusammen lässt sich so interpretieren das entweder die Taten gegenüber Frauen zwar seltener aber grausamer ausfallen oder Gerichte Taten gegenüber Frauen als prinzipiell grausamer ansehen oder das die Dunkelziffer von weiblichen Opfern von weniger grausamer Taten größer ist oder oder oder …

    Eigentlich kann man diese Grafik interpretieren wie man will. Ich find sie immer beschissener.

  14. Warum wird der Amoklauf in Bad Reichenhall, wo die Staatsanwaltschaft politische Motive ausschliesst als rechte Gewalt dargestellt?
    Ps.: Ergänzung zum Kommentar vorher, wurde explizit ausgeschlossen. Sorry.. erst zu spät gelesen :)

    http://www.br-online.de/aktuell/amoklauf-bad-reichenhall-lamprecht-ID1256890418764.xml

    Selbst der Tagesspiegel, auf dem ja die Daten beruhen, sieht das in den Analysen so, wird aber trotzdem aufgelistet.

    http://www.tagesspiegel.de/politik/rechtsextremismus/137-todesopfer-rechter-gewalt/1934424.html?p1934424=10

    Ich glaube das wurde so klassifiziert, dass selbst wenn ein Rechtsextremer seine Freundin umbringt, das als rechte Gewalt klassifiziert wird. Man kann ja argumentieren, dass Rechtsextreme eher zu Gewalt gegen Menschen neigen, aber das gleich als rechte Gewalt einzustufen halte ich für etwas undifferenziert. Dass allerdings nicht aufgeklärte Brandanschläge auf Asylantenheime als rechte Gewalt klassifiziert werden, halte ich für eher logisch.

    Also kann man die Datenbasis sicher hinterfragen. In der Erläuterung ist deutlich zu lesen, dass die Taten teilweise kein rechtes Motiv haben, aber anscheinend wurden sie in die Grafik übernommen. Aber jetzt weiß ich wenigstens wie „die Linke“ in den Bundestagsdabatten auf die Zahlen kommt. Übrigens könnte man bei so einer Klassifizierung sicher auch auf eine Grafik mit vielen Einträgen von linker Gewalt kommen.

    Wenn man die Chronologie durchgeht sieht man, dass die Massnahmen gegen Rechtsextremismus anscheinend wirken (oder es ist nur Zufall, dss die Taten weniger werden). Also ein Grund auch gegen Linksextremismus vorzugehen und zwar bevor es bei den Brand-, Sprengböller und sonstigen Anschlägen und Übergriffen zu Todesopfern kommt.

    Übrigens könnte man eine gleiche Karte machen, wo alle Gewalt aufgelistet wird, die von Personen ausgeübt wurden, bei denen nachher „Killerspiele“ gefunden wurden. Aber nicht dass ich hier wen auf dumme Ideen bringe :D

  15. Ich finde die Grafik hat ihren Zweck voll erfüllt. Wenn etwas sozusagen visuell haptisch zum Spielen einlädt, dann beginnt eine schöne Diskussion über die Sinnhaftigkeit der dahinter liegenden Daten und dem Problem des „Erkennen-Könnens“ sowie der Kategorisierung der Realität.
    Das Spielen mit den Grafiken führt zu dem Bedürfnis, nicht nur eine bessere Welt, sondern auch bessere Zahlen über sie haben zu wollen.
    Und auch die Journalisten wollen durch diese „Daten-Visualisierung“ bessere Daten als bisher. Bisher haben Sie eher Zahlen in Texte einfließen lassen um ihre Geschichte zu untermalen. Aber jetzt wird die Statistik eines Themas zu einem eigenständigen Objekt, das gepflegt und verbessert werden will.

  16. IN wie weit fließt in die Grafik die geänderte Erfassung von „rechten“ Straftaten in Sachsen Anhalt mit ein. Hier wurden/werden ja alle Straftaten die nicht „eindeutig“ (Mitgliedschaft, Sieg Heil, usw. zählt alles nicht) Zuweisbar sind, nicht als „rechte“ Gewalt abgelegt. Auch alle Straftaten wo der Täter unbekannt ist werden nicht als solche erfasst.

    An sonsten ist das eine sehr traurige Grafik.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.