Das Wall Street Journal hat Auszüge aus einem geleakten Google-Dokument veröffentlicht.
Das Dokument ist ein Vision Statement, in dem viele Ideen unterschiedlicher Menschen über mehrere Monate zusammen getragen wurden, und Teil eines vollständigeren Business Plans, der gerade entwickelt wird.
Dargestellt werden einige Projekte, die Google für die Zukunft (natürlich) mit starker Berücksichtigung der Privatsphäre, gesetzlicher und gewerblicher Erfolgsrezepte ins Auge fasst. Betont wird aber, dass viele der Ideen noch nicht für die tatsächliche Entwicklung abgesegnet seien.
Zielgruppen- und Interessenbezogene Werbung
Das Google Content Network (CGN,die über 1.000.000 Websites, für die Google Werbung verkauft) soll seine Werbung so gut wie möglich auf den Betrachter ausrichten. Die statistischen Methoden zur Optimierung des Interest Targeting sollen ständig weiter verbessert werden, was jetzt schon geschehe. Der Algorithmus von Google solle weit über das übliche „Abstempeln aufgrund von 2 page views in zwei Wochen“ hinausgehen.
Dabei möchte Google sich auch im Retargeting bemühen.
Als Retargeting bezeichnet man das Werben nach einem nicht erfolgten Kauf. Beispiel: Ich breche meine Bestellung bei Amazon aus irgendwelchen Gründen ab. Später entdecke ich dann mehrmals Werbung für genau die Artikel, die ich schon fast gekauft hatte (denn daran scheine ich ja Interesse zu haben). Solche Ansätze sind in der Vergangenheit hauptsächlich daran gescheitert, dass die Anbieter zu kleine Werbenetzwerke hatten. Diesen Fehler will Google nicht wiederholen, und auch die Einbindung in das eigene Angebot vereinfachen.
Suche
Die Verwendung der Such-Daten solle „diskutiert“ werden. Man könne die Interessen der User aggregieren, und zum Beispiel entsprechende Werbung 15–60 Minuten verzögert über das CGN an den User senden, für den sich dadurch die Relevanz erhöhe.
Die anderen Dienste
Die Daten der Tochter-Firmen wie Gmail, YouTube, Orkut, Checkout etc. sollen genutzt werden (natürlich unter entsprechenden Regeln, denen zugestimmt werden muss).
„beknackte“ Ideen
Unter diesem Titel werden ein paar Ideen gesammelt, die man noch nicht so ernst meint. Zusätzliche Brainstorming-Sitzungen sollen in Zukunft abgehalten werden. (Häufig sind es ja gerade die beknackten Ideen…)
Zum Beispiel:
- Den User selbst bestimmte Werber blockieren, bestimmte Werbung oder bestimmte Kategorien wählen lassen
- Bid on yourself: End-User sollen die Möglichkeit bekommen, auf Anzeigen zu bieten, die auf sie selbst ausgerichtet sind. In den Slots, wo sie gewinnen, soll dann eine leere Anzeige dargestellt werden. Sie könnten dann ein monatliches budget setzen, oder öhnliches. Dies ermögliche es Nutzern, indirekt für die Inhalte, die sie sich ansehen zu bezahlen (genaue Übersetzung. Wer das versteht, erkläre es bitte in den Kommentaren. Ich interpretiere es als das „Freikaufen“ von den Anzeigen, wofür dann den Seitenbetreibern Beträge ‚geflattrt’ werden)
- Social Ads: User stellen ihr soziales Netzwerk direkt mit zur Verfügung, und können für ihre Freunde, und „Leute die wie ihre Freunde sind“ werben
- „Get-Paid“ opt-in: Die Bereitschaft, alle persönliche Information mit Google zu „teilen“ soll direkte finanzielle Vorteile, zum Beispiel eine Übernahme der Internet-Rechnung mit sich führen. Die Daten sollen natürlich in Zusammenarbeit mit anderen Anbietern validiert werden.
- Larry-Page-Ad: Eine direkte Ad, die dann bei Larry Page angezeigt wird, wenn er im Internet surft.
AdX (Ad-Exchange)
Alles zur Zielgruppen-Orientierung genutzte Material soll zunächst nur von Google verwaltet werden. Für den Werbe-Anbieter sind die Daten aber natürlich auch von Interesse, und deshalb sollte darüber nachgedacht werden, auch daraus Kapital zu schlagen
Datenaustausch
Angestrebt wird auch eine Austauschplattform für Daten, bei der Einzelpersonen ihre Daten direkt oder indirekt an Höchstbietende verkaufen können. Man sehe da eine Spannbreite von „sicher“ bis „nicht so sicher“. Das steht übrigens nicht mehr unter „bekloppte Ideen.“
Unklar ist, ob die Washington Post dies aus Marketing- und Akzeptanztest-Zwecken direkt von Google zugespielt bekommen hat oder tatsächlich von einem Whistleblower.