Demokratie

DLF: Blogger beeinflussen die Medienwelt

Der Deutschlandfunk hat gestern in seiner Sendung Hintergrund über „www wie Wahrheit – Blogger beeinflussen die Medienwelt“ berichtet:

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Schnell und direkt: Das Internet bietet völlig neue Wege der Information, jeder kann zum „Reporter“ werden. Doch wer überpüft, wo das gesellschaftliche Engagement aufhört und wo Stimmungsmache beginnt?

Hier ist die MP3.

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10 Kommentare
  1. Die Frage nach der Wahrheit beschäftigt mich immer wieder. Wer oder was war zuerst da – Ei oder Huhn ?

    Die Quellangabe ist sicherlich eine nützliche Sache, zumal der geneigte Leser sich klar ein Bild machen kann. Aber wer ist die Quelle, wer steckt dahin und viel wichtiger – was will er oder sie damit bezwecken; mit einer Veröffentlichung von Informationen?

    Stimmungsmache kann ein Grund sein, um Parteien gegeneinander auszuspielen.

    Wenn ich texte, dann will ich überlegt und sachlich schreiben. Ich hoffe, das mir dies auch immer gelingen möge. Was mir allerdings etwas Bauchschmerzen bereitet ist, das sich immer eine gewissen Gefahr an eine Quelle heftet. Mache ich mich beim Zitat oder dem Verweis zum Handlanger? Bin ich bereits manipuliert? Kommt der Beitrag meiner Einstellung zum Thema nur gelegen, damit ich mich bestätigt fühle?

    Fragen über Fragen. Ich könnte mich auch nur auf eine Meinung zum Thema durchringen und alles andere auf sich beruhen lassen. Dann einfach abhaken.

    Doch so einfach ist es nicht. Als Beispiel Bilderberg. Die Gerüchteküche brodelt doch schon so lange, kaum ein User kann mit Sicherheit den Inhalt der Konferenz und deren Ziele 1:1 präsentieren. Ich habe mich mal intensiver damit beschäftigt und festgestellt, dass um diese Konferenz viel zu ungenaue und auch nicht belegbare Behauptungen im Netz zu finden sind. Trotz aller Verschwörungstheorien bleibt aber ein komischer Geschmack auf der Zunge. Was machen diese “ Wichtigen “ Leute dort so den ganzen lieben Tag ? Nur um sich die Hände zu reichen und ein Kaffee trinken ?

    Themen wie VDS, Filesharing, angeblich erhöhte Cyberattacken sind weiter Beispiele. Wer bringt diese Themen so geschickt und zu bestimmten Zeitpunkten an die Öffentlichkeit? Wer will damit wen beeinflussen – in Deutschland oder der EU ?Vieles ist manchmal nicht eindeutig zu erkennen und deshalb auch mit viel Nachschlagen um der Wahrheit wegen anzugehen. Doch was ist dann die Wahrheit?…

    Soweit von mir. P.S. recaptcha geht wieder….na denn

  2. Anzeigenrückgang und Auflagenschwund, beides durch das Internet mit verursacht

    Kann man so sagen. Oder auch so: „…beides eine Folge mangelnder Anpassungsfähigkeit etablierter Medien“. Letzteres klingt für mich irgendwie richtiger. Aber will man diesen typischen Reflex dem mittelbar ebenfalls betroffenen ÖR-Broadcaster wirklich übelnehmen? Ach doch, man will. Schließlich zahlt man dafür. Und der DLF ist, als einziger von mir für meine Gebühren noch gehörter Sender, auch nicht mehr, was er mal war. Leider.

    War jetzt nur mittel zusammenhängend, sorry.

  3. Ich fand den DLF Hintergrund ziemlich gut. Er hat mehrere Stimmen zu Wort kommen lassen und durchaus berechtigte Kritik geübt. Der Aufruf an die Zuhörer, dass sie beim konsumieren von Blogs kritisch sein sollen, kann ich so unterschreiben. Muss aber für alle Medien gelten und sollte nicht auf Internetseiten begrenzt werden.

    @Gregor P.
    Mir geht es ähnlich. Ich frage mich auch recht häufig nach dem Wahrheitsgehalt, Zusammenhang, Sekundärinteressen usw. und es ist teilweise sehr unbefriedigend, weil es sich häufig als ziemlich zeitaufwendig herausstellt. Bei Themen die mein Berufsumfeld berühren (IT), kann ich deutlich schneller erkennen, wie sich die Zusammenhänge gestallten. Geht es aber zum Beispiel um die Klimapolitik, so ist es für mich schon schwerer zu erfassen und ich bin auch sicher schon dem ein oder anderem Hoax aufgessen.

  4. @Gregor P. u. tm78654:

    Hallo,
    ich meine, dass durch die Kommentarfunktion schon viel gewonnen ist, weil so (1.) zeitnah Fragen, u. a. an bestimmte Personen, die ein anderes soziales Umfeld haben, gestellt werden können und (2.) durch einfache angewandte Logik auf Mehrdeutigkeiten, Widersprüche usw. hingewiesen werden kann – der empirische Gehalt ist hier nicht so entscheidend, denn selbst wenn man auf eine ausgedachte Ente hereinfällt, ist sie dann wenigstens durchdacht, wodurch die Kritikfähigkeit zunimmt.
    Die Kommentarfunktion hat den Vorteil, dass bestimmte rhetorische Tricks der realen Welt (Gestik, Mimik, Tonfall … und natürlich farbiger Schlips mit hübschem Köstum), in der virtuellen Welt nicht funktionieren, sondern da einfach Text, schwarz auf weiss, steht. Wenn die Dialogfähigkeit der Kommentarfunktionen dann noch erhöht wird, z. B. durch die allgemeine Einführung einer Baumstruktur wie bei telepolis.de …
    Aber möglicherweise ist das nur mein ganz persönlicher idealistischer Glaubenssatz.

  5. Hi Kapelle,

    ja, die Baumstruktur auf den Heiseseiten ist echt super, da sie eine bessere Kommunikation über die Kommentare ermöglichen. Führt man sowas in seinem Blog ein, kann man sich sicher sein von einigen Besuchern zu hören, dass man kein „echter“ Blog mehr sei. In Blogs denken, schränkt die Betreiber in ihren Möglichkeiten ein. Sieht man häufig an der Diskussion um die techblogs ein Geschäftsmodel haben.

    Aber was nützen mir die Kommentare. DLF behauptet, das man häufig Blogs besucht, die die eigene Meinung wieder spiegeln. Dies kann ich zumindest für mich bestätigen. Wenn das für die meisten Besucher zutrifft, dann werden auch Fehlinformationen durch die Community nicht aufgedeckt, da diese die gleiche Meinung vertreten und gar kein Interesse haben, daran etwas zu ändern. Wenn man sich dann auf Quellensuche begibt und den Links folgt, wird man häufig auf Seiten verlinkt, welche ebenfalls die gleiche Meinung wieder spiegeln.

    Diesen Teufelskreislauf kann man rund um PI sehr gut beobachten. Zwar gibt es auch dafür Watchblogs, doch wenn jemand einmal den Brocken geschluckt hat und den Unsinn „glaubt“, dann wird er die Watchblogs nie zu sehen bekommen, weil aus der PI-Szene verständlicherweise nicht drauf verlinkt wird.

    Somit nimmt zwar die Kritikfähigkeit zu, sie wird aber nicht geübt, weil Blogs die ich Kritisieren würde, besuche ich einfach nicht.

    Gruß Thomas

  6. Hi Thomas,

    korrekt. Darum sollte auch (philosophische/investigative) „Sabotage“ dieser/aller u. a. Blogs betrieben werden (z. B. durch eine „(Inter)National Society Against Bullshit“*) und es sollte eine diskursive/politische Plattform für alle geben („Political Game“**) … das war jetzt eher Freestyle – ich muss los, höre mir später mal die MP3 an …

    Gruß
    Kapelle

    *, ** meine Idee ;-)

  7. Ich fand an der Sendung etwas bedenklich, dass Islam-Kritik (egal ob nun von PI oder anderer Seite) pauschal als „rechtsextrem“ bezeichnet wird. Demnach müsste Henryk M. Broder für Bücher wie Hurra, wir kapitulieren! gleich als Obernazi gelten. Und warum es auf eine Religion beschränken? Bei Richard Dawkins dürfte demnach der Hitler-Vergleich schon nicht weit sein.

    Ich halte das für absurd. Religionskritik ist nicht rechtsradikal.

  8. Als anständiger Demokrat muß man auch extreme Ansichten zumindest als vorhanden und berechtigt hinnehmen (strafrechtlich eindeutig relevantes jetzt mal außen vor). Ich würde mir sogar wünschen, daß auch es hierzulande gar keine derartige Tabuisierung gäbe, so wie im diesbezüglich theoretischen Idealfall (theoretisch, weil die Praxis auch inzwischen bröckelt) USA („blue ribbon“), aber: begleitend wünsche ich mir auch eine deutlich bessere Vorbereitung/Unterstützung junger Menschen bei der selbständigen Beurteilung solcher Positionen.

    Ich weiß leider nicht, wie es heute in Schulen aussieht; aus meiner nun schon eine gute Weile vergangenen Oberstufenzeit weiß ich nur noch, daß dort keineswegs mündige und kritische Geister, sondern eher Schubladenreflexreagierer herangezogen wurden (if $kritikObject == xy {„pfui“} else {„genau!“}). In meinem Gymnasium war das personalbedingt besonders extrem (schon kritisches/skeptisches Rückfragen führte zu schlechteren Noten), aber die Grundlinie gab/gibt? es fürchte ich überall. Und ich behaupte, sie führt auch bis heute zu dem Reflex, sich eben nicht zu fragen „warum schreibt da wer genau sowas und wie gehe ich damit um“, sondern gerne zu fordern, daß sowas verboten gehöre, weil es gefährlich sei. Ich bin kein Freund davon.

    (Schon wieder abgeschwiffen… muß am Wochenende liegen.)

  9. @5 tm78654: Äh, ich meinte natürlich nicht „Thomas“, sondern „tm78654“. Sorry … muss echt an (diesem) Wochenende liegen (Brummschädel) ;-)

    @7 Durden: Nicht alle Religionskritik ist rechtsradikal/-extrem, aber möglicherweise einige. Und PI ist auch im Minimalfall, dass sie nicht rechtsradikal/-extrem ist, keine Plattform für handwerklich gute Kritik, sondern ein Fall des von „tm78654“ beschriebenen Teufelskreis(lauf)es aus Vorurteilen, selektiver Wahrnehmung und (entscheidend) begrenztem sozialen Umfeld.

    @9 David: Genau, keine Tabuisierung und Logik/Argumentationstheorie so schnell wie möglich – ist aber scheinbar nicht gewollt, bewusst oder unbewusst. Dann gäbe es bspw. auch keine „Reductio ad Hitlerum“ mehr – heißt echt so: http://de.wikipedia.org/wiki/Reductio_ad_Hitlerum (lesenswert)

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