Netzpolitik

Die Netzneutralitätsdebatte von 1996

„Bricht das Internet 1997 zusammen?“ titelte die ZEIT im Jahre 1996 und wenn man den Artikel durchliest, könnte der weitgehend auch 2010 erschienen sein.

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Die neuen Anwendungen sind aber nicht nur datenhungriger, sondern auch rücksichtsloser. Bei einem elektronischen Brief ist es egal, ob er erst nach dreißig Sekunden ankommt. Bei einem InternetTelephonat müssen die Datenpakete dagegen per Expreß versandt werden, weil sonst die Stimmen stocken. Deswegen verwenden die meisten Programme zum Telephonieren im Internet auch ein Übertragungsprotokoll, das die Höflichkeitsregeln im Netz mißachtet. Wenn es dort nicht bald zugehen soll wie auf den ständig verstopften Highways von Los Angeles, hilft nach Meinung der meisten Internet-Ökonomen nur eines: Mautstellen, die ihre Gebühren dem Verkehrsaufkommen anpassen. Dann müßten Vielsurfer für die Überlastung bezahlen, die sie verursachen. Und die Netzbetreiber hätten eine Einnahmequelle, um bei Bedarf breitere Datenstraßen zu bauen.

Jetzt haben wir 2010 und bisher ist ohne Mautstellen nichts zusammen gebrochen.

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9 Kommentare
  1. Soviel Fehlinformation auf einmal tut weh. Zunächst einmal stimmt das Jahr 1996 nicht und dann die Einordnung unter Netzneutralitätsdebatte. Dass das Internet im Jahre 1996 in einer Katastrophe zusammenbrechen wird, war eine Prognose, die Ethernet-Erfinder Bob Metcalfe 1995 in der Infoworld veröffentlichte. Er versprach dabei, seine Worte zu essen, wenn das nicht eintritt. Auf der WWW-Conference 1997 war es dann soweit. Das Internet brummte weiter und Metcalfe musste essen. Die Kolumne war angeblich in einem leckeren Kuchen und alles buhte. Jemand organisierte einen Mixer, der Zeitungsartikel kam hinein, dazu reichlich Milch und Whiskey, was Metcalfe dann geschluckt hat. Ich habe wiederum darüber eine Bulkware-Kolumne in der ZEIT geschrieben. –Detlef

    1. @Detlef Borchers: Ich verstehe gerade nicht, ob Du mich oder den Zeit-Aertikel meinst. Der verlinkte Zeit-Artikel stamtm aus dem Jahr 1996 (Habs nochmal gecheckt) und das mit der Netzneutralitätsdebatte war natürlich ironisch gemeint (Die gab ja damals noch nicht), weil der Aufbau des Textes, der Argumentation und die verwendeten Bilder mehr oder weniger auch aus einem klassischen Artikel über die aktuelle Netzneutralitätsdebatte stammen könnte, wie man ihn dieses Jahr zahlreich in Medien wie der ZEIT lesen konnte.

      Aber die andere Geschichte ist natürlich lustig.

  2. Die Technologiefeindlichkeit gewisser linker Kreise reicht viel weiter zurück.
    Auch der böse PC hatte die Welt schon an den Rand des Abgrunds gebracht. Schwarzsehen galt und gilt als intellektuell.

  3. @Markus: Beides :) Ich versuche heute mal, den auslösenden Artikel von Metcalfe zu finden. Gar nicht so einfach, obwohl das Internet bekanntlich nichts vergisst, wie Ahnungslose behaupten. Die de.soc Newsgroups von damals, in denen der Artikel diskutiert wurde, sind offenbar vom großen Google-Change gefressen worden.

  4. Zwischenstand und Korrektur meiner Erinnerungen: Bob Metcalfes Infoworld-Kolumne habe ich leider nur auf Papier gefunden, in seinem Buch Internet Collapses and other Infoworld Punditry. Was im Netz der Sache am Nächsten kommt, ist die IDG-Presseerklärung zum angekündigten Fressen als PDF-Datei.

    http://www.stevestamates.com/documents/InfoWorld_Metcalfe_Press_Release.pdf

    Im mit vorliegenden Buch habe ich den kompletten Text nochmal nachgelesen und wenn man Metcalfes Gebashe über die „Baby Bells“ heute liest, so kann man durchaus einen Vorläufer der Netzneutralität sehen. Metcalfe meint nämlich.dass die Baby Bells (und AOL als damals größter Player) zu wenig in Internet-Technik investieren und es daher bei weiterem Wachstum knallt. Würden sie für Premium Services mehr verlangen dürfen als die Regulierungsbehörde festsetzt, würden sie auch mehr investieren. –Detlef

  5. Wenn das Netz eines Tages aufgrund des Ansturms zusammenbricht, dann gibt es halt Bezugscheine oder Emails werden von der Post zugestellt.

    ;-)

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