Kultur

Die Woche mit Peter Glaser (KW 08)

Mehr oder weniger regelmässig gibt es hier “Die Woche mit Peter Glaser”. Peter Glaser begleitet seit Anfang der 80er Jahre als Schriftsteller und Ehrenmitglied des Chaos Computer Clubs (CCC) die Entwicklung der digitalen Welt. Sein Blog “Glaserei – Bemerkenswertes aus der digitalen Welt” betreibt er bei der Stuttgarter Zeitung.

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Was war gut diese Woche?

Gut war, dass GMail ein paar Stunden ausgefallen ist. Mit Mails ist es heute ja ein bißchen wie im Krieg – es kann einen jederzeit treffen. Wir sollten den guten Menschen von Google für die Feuerpause dankbar sein.

In Schweden hat der Prozess gegen die Pirate Bay begonnen. Was denkst Du dazu?

Ich halte den Ansatz der Pirate Bay-Macher für destruktiv. Das ist keine moderne Alternative zum Urheberrecht, und auch nicht zum Copyright, das bekanntlich stärker die Interessen der Industrie vertritt als die der Künstler. Dass sie der Musikindustrie – den Medien insgesamt – ihre Fehler und Eigennützigkeiten in einem Ton pubertärer Großmannssucht unter die Nase reiben, ist unglaublich eitel und hilft den Künstlern keinen Zentimeter weiter. Es ist eine vertrackte Situation, wie immer, wenn die falschen Leute das Richtige sagen. Ich muß an Jörg Haider denken, der auch damit groß geworden ist, dass er das Bonzentum in Österreich angeprangert hat, das nach Jahrzehnten sozialistischer Regierung einen scheußlichen Filz gebldet hatte.

Berlin bekommt eine Schülerdatei. Zeit zum Boykott?

Aber nein, ich finde das pädagogisch vorbildlich. Die Schüler lernen so frühzeitig und ganz praktisch, wie es ist, schnell und effizient überwacht werden zu können.

12 Kommentare
  1. Naja zum Thema Piratebay fände ich eine Kulturflat am sinvollsten um das Problem für alle beteiligten zu lösen.
    Leider wird diese Option von beiden Seiten nur alzu selten angesprochen.

  2. mhm… irgendwie ist die Verbindung zwischen der Schülerdatei und dem aktuellen Überwachungswahn nicht so richtig aufgegangen. Kann das der Künstler mal erklären?

  3. @Olli: Das ist einerseits ironisch gemeint und bezieht sich auf die Überwachung von Schulschwänzern; andererseits besteht ganz unironisch die Möglichkeit, dass die Daten mißbraucht werden. Sowas soll ja schon vorgekommen sein.

  4. @Gunnar: Wenn man das ständige Beschossenwerden mit E-Mails mit einem Zustand „ein bißchen wie im Krieg“ vergleicht, kann man den Ausfall von GMail, um im Vergleich zu bleiben, als Feuerpause betrachten.

    Ich fordere deshalb den Friedensnobelpreis für den Erfinder der Nicht-E-Mail.

  5. @arne nonymuse: Ich verstehe die Kritik einiger Menschen in dieser Hinsicht nicht. Die Nazi-Zeit war eine Zeit unendlich vieler Fehler. Jetzt darf man auf die nicht referenzieren? Nur weil man den gleichen Fehler macht wie einer aus der Nazi-Zeit, muss man sich jetzt beim Mit-der-Nase-darauf-gestoßen-werden gleich als Holocaust-Befürworter fühlen? Wer’s verstehen will, der verstehts. Alle anderen lassen’s lieber gleich bleiben…

    Wegen der GMail-„Feuerpause“: Ich kann nur zustimmen. Ich selbst war äußerst unruhig, solange ich nicht abrufen kann – zeigt, wie abhängig ich schon geworden bin… Außerdem schwächen derartige Ausfälle die Möglichkeit Googles für eine zukünftige Monopolstellung in diesem Bereich. Vielfältigkeit ist sicherer.

  6. Vielleicht sollte man einen Disclaimer an die Kurzinterviews mit Peter Glaser machen, sowas wie: „gibt nicht unbedingt die Meinung des CCC wieder“ oder „Vorsicht: Ironie und Ernst in einer schwierig zu unterscheidenden Mischung“.

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