Die Geschichte der Zensurversuche

Bei Focus Online gibt es einen recht launigen und lesenswerten Artikel zur Geschichte der Zensur . Er behandelt das Thema von der Majestätsbeleidigung in der Antike über die Karlsbader Beschlüsse bis zur Zensursula-Debatte heute.

Leider sind einige Teile nicht so gut recherchiert, so schreibt der Autor Frieder Leipold z.B.:

Da einige religiöse Eiferer die Schriften der antiken Philosophen allerdings als heidnische Machwerke verdammten und gar nicht wollten, dass sich dieses Wissen verbreitete, kam es zur ersten großen Bücherverbrennung der Geschichte. Dabei wurde die Bibliothek von Alexandria vernichtet – zahlreiche „Zauberbücher“, aber auch die Schriften von christlichen Theologen, die als Ketzer verurteilt wurden.

Die Bibliothek von Alexandria ist allerdings nicht wegen der Inhalte den Flammen zum Opfer gefallen, sondern aufgrund vieler Quellen daher, dass Cäsar an der Seite von Cleopatra im ptolemäischen Thronfolgekonflikt aus militärischen Gründen die Schiffe im Hafen der Stadt abbrennen ließ, was dann zum Feuer in der Stadt führte. Andere Quellen datieren den Tod der Bibliothek sogar noch später.

Dennoch: Der Artikel bietet einen interessanten Überblick über die Versuche, Informationen und Wissen zu kontrollieren – und über deren Scheitern. Dass eine Grand Tour durch die Geschichte nicht immer einfach und 100% faktensicher zu machen ist, wenn man keinen Geschichts-Lehrstuhl hat, habe ich selber schon feststellen müssen.

Dafür gibt es so nette Anekdoten wie diese:

Als ein Lied der Punk-Band Die Ärzte wegen Anspielungen auf Inzest verboten wurde, erkannten die Musiker das Potenzial, aus dem Skandal Profit zu schlagen. Sie veröffentlichten also eine Scheibe mit Titeln, von denen sie überzeugt waren, sie würden auf Widerspruch stoßen. Die Rechnung ging auf. Besonders peinlich für die Bundesprüfstelle, dass sie der Band als entlastend anrechnete, sie habe in einem Lied über Sodomie auf die Gefahr des „Verharzens“ hingewiesen. Tatsächlich besteht diese Gefahr überhaupt nicht. Man hatte das Wort nur als Reim auf „Arzt“ eingebaut.

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