Generell

Journalismus und Schweigegeld in China

Beim China Media Project an der Universität in Hong Kong berichtet die italienische Journalistin Emma Lupano über die herbe Richtung, die Berichterstattung über heikle Themen in China eingeschlagen hat. In Linfen “gag fees” spark media ethics debate in China wird das Verhalten von Journalisten und die Berichterstattung über einen Minenunfall in Shanxi berichtet, bei dem ein Arbeiter starb. Der Unfall selbst geschah am 21. September 2008. „Gag fees“ heißt auf Chinesisch 封口费, ich habe es als „Schweigegeld“ übersetzt – und genau das haben reihenweise Journalisten bezogen, die zum Unglücksort kamen. Und das ist die eigentliche News in all den Artikeln.

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Der Unfall wurde zuerst bei China Youth Daily (中国青年报) berichtet, die eigentlich zu einer staatlichen Jugendorganisation gehört. Der Artikel über die Schlange bei der Geldausgabe ist noch hier: 真假记者排队领“封口费” (Print).

Eine Übersetzung gibt es hier: Shanxi scandal: coal mine „shut up“ cash. Der von Cam MacMurchy übersetzte Bericht schildert neben dem Unfall auch bizarre Einzelheiten zum Verhalten der (echten und falschen) Medienvertreter vor Ort:

Dai has been in the news business for twenty years; still, what he saw shocked him: There were more than ten offices in the building. All the offices were filled with „reporters“ who were chatting with each other. In the hallway, there were other „reporters“ lining up.

Dai took pictures of the most humiliating scene in the news industry in China: this was happening after a coal mine disaster. Real and fake „reporters“ were lining up not to report the disaster, but to collect their „shut up“ money.

Dai received a message from a worker in this coal mine a couple of days ago, which said 41-year old worker Ji Xinhong suffocated to death in the mine. Ji is from Zhenbei village, and was buried on September 22. The coal mine company didn’t report the incident to higher-level leaders. Instead, they handed out „shut up“ money to reporters who arrived. The amount of money varied. At most, it was tens of thousands, at the least, only a few thousand.

Ein Bericht erschien auch bei Hexun.com (sprich „He-schün“), einem Wirtschaftsinformationsdienst für Finanzmärkte: 山西矿难真假记者排队领“封口费”(组图) am 28.10.2008.

Mich machte das erst einmal sprachlos. Offenbar ist das endemisch und schon länger bekannt.
Das Prinzip, positive Nachrichten zu betonen und schlechte Nachrichten zu vermeiden („正面报导为主“) scheint regelmäßig eine total kranke und organisierte Infrastruktur der Vertuschung und Trittbrettfahrerei hervorzubringen, was bei den relativ häufigen Minenunfällen bittere Ausmaße hat. Brrr.

(Ich wollte schon am Donnerstag darüber schreiben, kam aber nicht recht dazu. Derweil berichten u.a. auch die chinablätter)

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3 Kommentare
  1. Hi,

    die chinesischen Zeichen machen leider Probleme in meinen Feed-Reader (Liferea). Kannst du das irgendwie anpassen, oder ist der Reader das Problem?

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