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Rasterfahndung bei Kreditkartenunternehmen

Auf der Jagd nach Konsumenten von Kinderpornographie haben Staatsanwaltschaft und Beamte des Landeskriminalamtes Sachsen-Anhalt zu einer laut Spiegel-Online „bisher beispiellosen Maßnahme“ gegriffen: Die erste richtige Rasterfahndung deutscher Kreditkartenkunden.


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Offenbar ließen sie den Zahlungsverkehr aller deutschen Kreditkartenbesitzer daraufhin überprüfen, ob eine bestimmte Summe in einem festgelegten Zeitraum auf ein verdächtiges Konto im Ausland überwiesen worden ist. Sämtliche um Auskunft ersuchten Unternehmen der Kreditkartenwirtschaft kooperierten offenbar mit den Ermittlern und gaben die Daten ihrer verdächtigen Kunden preis. Die Überprüfung einzelner Kreditkartendaten ist beim Kampf gegen die Verbreitung von Kinderpornografie im Internet Standard. „Dass die Kollegen jedoch bundesweit sämtliche Kreditkarten in die Ermittlungen einbezogen haben, ist ein Novum“, wie ein erfahrener Ermittler sagt.

7 Kommentare
  1. Erklät eventuell auch die vorherige Ankündigung: die Schuldigen können eh nur wenig gegen die Fahndung tun. Außerdem wird mehr Werbung Wind im Vorfeld erzeugt, der mehr Aufmerksamkeit erzeugt. Durch diese gehobene Aufmerksamkeit kann man sich bei Erfolgen besser feiern lassen, und kritische Stimmen, die es gegen Rasterfahndung bei Kinderpornographie eh schon schwer haben, kommen kaum zu Wort.

    Ein kleiner Trost ist trotz allem, dass nur die Treffer an die Polizei weiter gegeben wurden, nicht gleich alle Datenbestände.

    Ich vermisse übrigens bei solchen Nachrichten einen Link auf eine Art „Raster-FAQ“ die noch mal kurz zusammenfasst, warum Rasterfahndung selbst in vermeindlich guten Fällen immer höchst problematisch ist. Ich kann mir das selbst zusammen basteln, aber nicht jeder Leser hier ist ein Wurzelgnom…

  2. Ein solches FAQ-System ist schon geplant und derzeit mangelt es eher an Ressourcen. Ich bräuchte mal einen Praktikanten oder Assistenten für viele liegen gebliebenden Tasks.

  3. Letzten Monat bekam ich eine Anfrage der Commerbank, dass von vielen ihrer Visa-Karten unrechtmässige Beträge abgebucht wurden und ich das bitte überprüfen sollte. Tatsächlich fanden sich auf meiner Abrechnung zwei Posten von insgesamt ca. 25 Euro, die mir erst nicht aufgefallen waren, da ich bei den vielen Buchungen nach einigen Wochen oft vergesse. Aber an eine „Association of Franciscan Sisters“ war ich mir dann doch sicher, nichts überwiesen zu haben.

    Die Bank wollte aber von mir, um mir das Geld zurückbuchen zu können, eine schriftliche Erkärung, dass die anderen Buchungen alle willentlich von mir gemacht wurden. Die wollte ich nun nicht geben, denn wer weiss, wenn darunter noch etwas Illegales gewesen wäre, was gar nicht von mir stammte und ich das für alle Buchungen der letzen Monate eben nicht mehr sicher sagen könnte, da in den Buchungen meist nicht ausführlich drin steht, wer das eigentlich ist. Also habe ich mal auf die 25 Euro verzichtet und mir kostenlos eine neue Visa-Karte geben lassen.

    Laut Commerzbank passiert sowas in letzer Zeit öfters, da unter anderem in den USA mehrere Millionen Kreditkartendaten durch Hacker geklaut wurden in 2006. Wenn ich mir nun überlege, dass die Polizei am Ende mich verdächtigt, wenn jemand mit meinen gestohlenen Kreditkartendaten etwas Illegales kauft, so würde ich mir wünschen, dass es in Deutschland auch anonyme Prepaid-Kreditkarten gäbe, so wie man sie mittlerweile in den USA ähnlich wie Telefonkarten fürs Handy zum Freirubbelln bekommen kann.

    Bei meinen letzten Erlebnissen zusammen mit solchen Nachrichten wie diesen hier, fühle ich mich mit dem VISA-System allmählich nicht mehr sicher, insbesondere wenn am Ende vielleicht nicht nur irgendwelche Gangster, sondern auch noch die Polizei gegen mich ist, mich unter Verdacht stellt, den ICH erst mal entkräften muss statt umgekehrt.

  4. Nach den neuesten Auskünften ist es nicht mehr ganz so einfach, von Rasterfahndung zu sprechen:
    Denn zumindest der mir geläufigen Erklärung des Begriffs nach ist Rasterfahndung vor allen Dingen die verdachtsunabhängige Filterung von Daten.

    Das war hier nicht gegeben: der Verdacht war da, und die Daten, nach denen gefiltert wurden, waren sehr eingrenzend: bestimmter Geldbetrag, Zeitraum, bestimmtes Ziel, siehe auch „Keine Rasterfahndung“ nach Kinderporno-Nutzern und Datenschützer: Weitergabe von Kreditkarten-Daten rechtens auf heise.de

    Naja, wie gesagt, die FAQ fehlt, aber Zeit für ein Praktikum habe ich auch nicht ;)

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