Man mag die EU mögen oder nicht, aber sowas klingt nach eher ratloser Anbiederung. Die ungarische Zeitung Népszabadság spöttelt über Informationsmaterial der EU-Kommission, das bei Youtube den jungen, politisch interessierten User ansprechen soll, aber dabei konzeptionell nicht mithalten kann.
„Wer möchte ganze zehn Minuten lang über die Vorteile des Navigationssystems Galileo informiert werden, das später und teurer als geplant realisiert werden soll? Das Stück zum Klimawandel weckt ebenfalls wenig Begeisterung: In einer nachgestellten Reportage, die wohl lebensnah wirken soll, empfiehlt uns ein freundlicher Herr, nur noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln ins Büro zu fahren… Die Filme der EU erinnern an die Filme in der Propaganda-Tagesschau, die während des Sozialismus alle Kinobesucher über sich ergehen lassen mussten. Die Jugendlichen von heute können sich das kaum noch vorstellen. Schön, dass die EU ihnen unfreiwillig eine Reise in die Vergangenheit anbietet.“
Hoffentlich wurden nicht extra für die Youtube-Versionen der Filme (z.B. You Control Climate Change und GALILEO: the countdown has begun) noch Geld ausgegeben. Für mich sehen die wie Filme aus, die in komischen Info- oder Medienzelten von EU-nahen Veranstaltungen gezeigt werden können und unkritische Dauerberieselung darstellen mögen, aber kaum zur Information im Sinne des Erfinders taugen. So bringt man nur auf allerkleinstem Nenner die EU den Bürgern näher.
[via eurotopics]
„Adding comments have been disabled for this video.“ Haha, warum wohl? Der Sprecher des Climate Change-Videos klingt ja auch, als ob er sich mit reichlich Spirituosen auf seinen Job vorbereitet hätte, haha …
Der Telegraph berichtet treffend, dass inhaltliche oder konzeptuelle Nähe zum Bürger durch Comics wohl aussichtsreicher erscheint: „EU pours £3.8bn into ‚brainwashing campaign‘„.
Zu der im Artikel vermuteten, eher geschmacksarmen Linie passen auch diese Videos.
Die scheinen wenig Plan zu haben, wie man Bürger für sich gewinnt.