Interessante Entwicklung: britische Firmen stellen sich gegen eine womöglich bevorstehende Regulierung von neuen Medien (was immer da tatsächlich kommen mag) im Zuge der Novelle der Fernsehrichtlinie. Meine erste falsche und launische Lesart der Kritik vor dem ersten Kaffee war, dass die Regulierung (im Sinne der Provider) gestärkt werden müsse, auf dass nur noch die Firmen über z.B. ihre Massenhostingangebote etc pp den Markt bestimmen helfen können – und nur die Größen am Markt dürften mitspielen. Aber:
Die von der EU-Kommission vorgeschlagene Novelle der Fernsehrichtlinie kommt in Großbritannien von Branchengrößen wie Cisco, Intel, T‑Mobile, Vodafone oder Yahoo unter Beschuss. Sie befürchten einen Innovationsstopp und das Aus für neue Medienformen.
Tatsächlich, da steht sinngemäß ein „so nicht“. Es geht also um neue Medienformen, „Bürgermedien wie Blogs, Videocasts und vergleichbare Angebote“, die aufregend und neu sind. So, so. Immerhin hier wurde das Potential bereits erkannt. Aber natürlich geht es doch bloß um Innovation dort, wo die genannten Firmen und die zweckmäßig gegründete Allianz der Lobbyisten das Geld wittern: um den potentiellen Werbemarkt (was sonst). Die Mitglieder sollen sich natürlich ausbreiten können dürfen, technisch wie faktisch. Nicht etwa inhaltlich. Und keine Einnahmequelle darf ihnen versagt werden, noch bevor sie zu sprudeln angefangen hat.
Die britische Kritikerformation wendet dagegen ein, dass der Gesetzesentwurf „neue und bestehende Akteure in den neuen Medien vom Markt abschrecken und Investitionen sowie Innovation von der EU fernhalten“ könnte.
Welche Innovationen gemeint sind wird auch erkennbar: Product Placement und Schleichwerbung, genau das, was der hiesige BITKOM auch qua herber Kritik an der Novelle gewahrt wissen wollte: Werbung als Basis für alles, was neu ist. Konsumentensouveränität wird kleingehalten, und das Geld, was bisher schon eingestrichen wird, ist unumstößlich unantastbar. Mehr muss ran, das darf nicht verhindert werden.
An dieser Stelle eine Werbeunterbrechung: Philips würde gerne u.a. Settop-Box-Geräte auf den Markt bringen, die über eine Art Broadcast-Flag verhindern, dass in Werbepausen das Programm gewechselt wird. Oder man drückt die Bezahltaste auf der Fernbedienung, um die Werbung zu verhindern. Entmündigung total, wie knülle ist denn das bitte??
Hier sehe ich Regulierungsbedarf, der eben das zu verhindern hat. Von wegen öffentlicher Auftrag und so. Aber da wird eine üble Welt zusammengebraut. Eigentlich müsste sich die Content-Industrie beschweren und sich gleich daran machen, man möge doch neue und bessere Inhalte fördern und dafür lobbyistisch die Rahmenbedingungen verbessern, nicht für die, die das ersticken können. Oder habe ich da was falsch verstanden?
[via heise et al.]