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Saatgut: Wo bleibt die Vielfalt?

Zum morgigen Start der Grünen Woche (Motto: Sind sie bereit für die Vielfalt?) greift die Berliner Zeitung im Feuilleton-Leitartikel (Was gibts zu essen?) heute das Thema Schutzrechte auf Pflanzen und Saatgut auf. Sehr lesenswert.

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Zu Beginn wird der Streit um die Kartoffelsorte Linda angesprochen: Als die Schutzfrist für die populäre Sorte auslief, zog die Schutzinhaberin, die Firma Europlant, die Anmeldung zurück, um die Sorte nicht Gemeineigentum werden zu lassen, für das keine Lizenzgebühren fällig wären. Nach Antrag beim Bundessortenamt durch den Freundeskreis „Rettet die Linda“, dem auch die Interessengemeinschaft gegen Nachbaugebühren und -gesetze und Greenpeace angehören, wurde vorläufig der lizenzfreie Anbau bis Mitte 2007 genehmigt. Allerdings unter starken Auflagen, die die Firma Europlant auf richterlichem Wege erzwang und sie wieder als Defacto-Monopolistin auftreten lässt. Weiteres ist auf der Seite des Freundeskreises nachzulesen.

Auch wird in dem Artikel der Rückgang der Artenvielfalt von Nutzpflanzen mit seinen ökologischen, wie ökonomischen Folgen thematisiert. Der zweite große Aspekt des Artikel behandelt die Repressionen der USA hinsichtlich der Bauern im Irak: Die Neuaussaat der letzten Ernten steht dort nunmehr unter Strafe. Stattdessen muss gebührenpflichtiges Saatgut aus den Vereinigten Staaten gekauft und angebaut werden.

Und wenn wir noch gegen DRM kämpfen werden, wird ungeachtet unser Essen monopolisiert sein.

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3 Kommentare
  1. Linda ist nicht die einzige, auch Sieglinde geht’s an den Kragen: http://ftd.de/rd/31496.html.

    Die Geschichte ist aber im Grunde nicht neu, wenn man sich alte Kochbücher anschaut (und so weit muß man da nicht zurück gehen), wird man ernüchtert feststellen, wie wenig man davon wirklich noch kochen kann, weil die Zutaten längst verschwunden sind. Der einzige Unterschied ist, dass man heute gezielt macht, was früher aus Nachlässigkeit und Desinteresse passierte.

    OpenSource-ähnliche Modelle für die Landwirtschaft werden schon länger diskutiert, noch bevor es den Begriff OpenSource dafür gab, in Italien zum Beispiel im Umfeld der Slow-Food-Bewegung, aber das ist ein laaanges Thema.

    Kleiner Tipp: Wer mal in die Nähe von Perugia kommt, sollte den Garten von Livio della Ragione anschauen. Der Mann baut Dutzende von alten und fast ausgestorbenen Obstsorten an. Wenn man das ißt, merkt man erst, was einem im Supermarkt so entgeht … http://www.archeologiaarborea.org/inglese.html

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