Generell

Dänemark digitalisiert die Nationalbibliothek

Lobenswerte Sache, die da in Dänemark läuft: das Nationallexikon ist digital verfügbar. Die Dänen sind üblicherweise recht forsch, was Digitalisierungen und generell das Dokumentationswesen angeht. In diesem Fall hat aber nicht die Regierung die digitale Ausgabe veranlasst, sondern eine privat gesponserte Initiative, und der Gyldendal-Verlag hat es umgesetzt. Eine Demoversion ist online (nur als .dmg und .exe). Die Kopenhagener Zeitung schimpft:

Wir finanzieren uns fast vollständig aus Spenden von Leserinnen und Lesern. Unterstütze unsere Arbeit mit einer Spende oder einem Dauerauftrag.

Es kann wundern und enttäuschen, dass die Digitalisierung nicht mit der politischen und ökonomischen Unterstützung der Regierung geschieht, die mit ihrem Kulturkanon und ihrem freien Eintritt für die Museen großen Wert auf eine leichtere Zugänglichkeit zu unserer Kulturgeschichte und zu unserem Kulturerbe gelegt hat.

Der Kontext kann wohl sein, dass der rechtsliberal-konservativ geprägten Regierung der „größte der möglichen Demokratisierungsschübe innerhalb der Wissensgesellschaft“ suspekt ist, und die Verfügbarmachung der Store Danske Encyklopædi staatlicherseits nicht oben auf der Prioritätenliste stand/steht. Wer besser dänisch kann als ich (das sind vermutlich alle, die zumindest etwas dänisch gelernt haben) und sich auskennt mag das gerne korrigiereren und ergänzen.

[mit Hilfe des eurotopics-newsletters der Bundeszentrale für Politische Bildung]

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2 Kommentare
  1. In der österreichischen Nationalbibliothek ist bereits alles digitalisiert. Jedoch wurde ein entscheidender Fehler dabei begangen!!

    Es wurde die Zettelkataloge mit nicht sonderlich guter Qualität einfach eingescannt. Jetzt sucht man bei älteren Werken statt nach Text nach Bildern.

    Eine meiner Meinung nach sehr Missglückte Art der digitalisierung.

    Auf dass es die Dänen besser machen!

  2. Naja, manuelle Retrokonvertierung hat schon die dicksten Etats der öffentlichen Hand gesprengt. Will man sich Arbeit sparen und maschinisiert wo nur geht, heraus kommen dennoch nur ca. 20% direkt und fehlerfrei erkannte Karteikarten oder weniger. Das ist ein Problem, auch bei teuer programmierten OCR-Verfahren.

    Meistens wird dann entschieden, dass entweder das ganze kommerziell gelöst wird (nachdem die Doktorarbeiten zum Thema auch nur ergeben können „dass im Bereich der Automatisierung noch viel zu tun ist“) und maschinenlesbar wird, oder eben die Karten nur als TIF o.ä. lesbar wird. Man könnte sagen, immerhin.

    Kompromisse überall. So ist das Wissen in Dänemark doch immerhin für dicke Geldbeutel erschlossen. (Ich werde zynisch.)

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