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AOL zieht Konsequenzen aus “Data Valdez”-Affäre

Mit einem Befreiungsschlag hat der Internetdienstleister und Medienkonzern AOL am 1. September einen Schlußstrich unter die Affäre um die Freigabe von Protokollen gezogen, die mit einfachen Mitteln Rückschlüsse auf die Identität von AOL-Kunden zuließen: Die komplette Forschungsabteilung, die für die Veröffentlichung der Daten verantwortlich war, wird nun geschlossen.

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Im Rahmen eines Forschungsprojektes war im August 2006 kurzzeitig auf einem AOL-Wiki ein mehrteiliger Download mit insgesamt 2,2 Gigabyte Größe und 20 Millionen Suchanfragen erschienen. Jede Suchanfrage wurde dabei einer Laufnummer zugeordnet, die für einen AOL-Kunden stand. Stunden nach dem Download erschienen in Weblogs erste vernichtende Kritiken und Beispiele, in denen die Identität des jeweiligen Benutzers aus der Art seiner Suchanfragen rekonstruiert werden konnte. Ausdrücklich als Feature benannt war die ungefilterte Angabe der Suchbegriffe, darunter vielen Variationen von Kinderpornographie-Begriffen.

Wenngleich AOL innerhalb kurzer Zeit den Download einstellte, sprangen Dritte ein. Unter www.gregsadetsky.com/aol-data/ pflegen Nutzer eine Liste aller Bezugsmöglichkeiten der Daten.

Weltweit erregte das – ursprünglich als Forschungsprojekt deklarierte – Projekt das Interesse von Medien, die ausführlich über den sich entfaltenden Skandal berichteten. Die New York Times machte eine AOL-Kundin über ihre Suchanfragen ausfindig, die fassungslos von den Journalisten anhören durfte, welche Rückschlüsse und Vermutungen über den geistigen, finanziellen und gesundheitlichen Zustand aus der Auswertung der Daten möglich sind.

Suchprotokolle gehören in der Regel zu einer der wertvollsten Güter im Suchmaschinengeschäft, an dem auch AOL beteiligt ist. Neben kommerziellen Absichten haben bislang mehrere Regierungen versucht, Zugriff auf die Suchanfragen einzelner oder möglichst vieler Surfer zu erhalten. Für die argumentative Untermauerung eines Gesetzesvorhabens zur Regelung von pornographischen Inhalten ersuchte die US-Regierung amerikanische Suchmaschinenbetreiber um die Bereitstellung von entsprechenden Logfiles. Bekannt wurde dies dann, als sich der per Motto dem Gutsein verpflichte Branchenprimus Google weigerte und zuletzt vor einem Bezirksgericht siegte.

Derweil erfreuen sich die Daten in den Kreisen von “Suchmaschinenoptimierern”, so genannten SEOs, Dienstleistern, die Webseiten mit lauteren und unlauteren Mitteln an die vorderen Ränge bei wichtigen Suchbegriffen bringen sollen, besonderer Beliebtheit, lassen sich doch unschätzbar wertvolle Informationen aus den von AOL bereitgestellten Einträgen gewinnen. In SEO-Foren wird dabei besonderes Augenmerk auf die Verteilung der Klicks auf den ersten, zweiten und die nachfolgenden Ränge innerhalb der Resultatseiten gelegt. Dabei bestätigt sich auch die lange Vermutung, daß so gut wie alle Klicks sich auf die ersten drei Treffer konzentrieren und nachfolgende Seiten nur noch ein schmales Rinnsal der Nutzer abbekommen.

Abgeebbt sind hingegen Schnellschüsse von Politikern, die die Speicherung solcher Daten massiv einschränkten wollten. Die Argumentation lautete, daß eine Firma, die spätestens nach wenigen Monaten alle Logfiles löschen müsse, keine Chance mehr habe, sie später absichtlich oder aus Versehen zu veröffentlichen und damit die Privatsphäre der Nutzer zu beschädigen.

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