Soziale Netzwerke bei analyse & kritik (ak)

Die traditionsreiche linke Zeitung analyse & kritik (ak) (Wikipedia) hat in ihrer aktuellen Ausgabe einen Schwerpunkt zu sozialen Netzwerken und Web 2.0.

Bürogemeinschaft 9to5: Alle Menschen werden Freunde – Das politische Potenzial von sozialen Netzwerken:

Eine vergleichbare soziale Dynamik liegt auch vielen aktuellen politischen Auseinandersetzungen zu Grunde: der Bewegung “V de Vivienda”, die von einer anonymen Mail ausgelöst wurde; der Klagewelle gegen Hartz IV, die ohne Internetforen wie chefduzen.de kaum denkbar wäre; dem erfolgreichen Streik der italienischen IBM-Arbeiter, der nicht im Betrieb, sondern innerhalb der digitalen Online-Welt Second Life stattfand; der Online-Petition für ein bedingungsloses Grundeinkommen, die offline nicht zu Stande gekommen wäre; …

Mercedes Bunz: Sozial 2.0: Herr, Knecht, Feind, Freund – Soziale Netzwerke und die Ökonomie der Freundschaft (Original und ungekürzt in De:Bug 120):

Die Sache ist komplizierter. Tatsächlich sind soziale Netzwerke nicht per se böse. Auch wenn sie immer mal wieder den Usern zu nahe treten, ihre Daten für targeted ads verticken und das in all jenen Fällen, in denen sie ihren Usern zu nah auf die Pelle rücken, jedes Mal nach der Welle der Empörung bitter rückrudernd bereuen, werden sie ihre User nicht prinzipiell für ein Appel und ein Ei verkaufen. Denn das vergrault sie. Und damit ist das Businessmodell futsch. Der Herr ist heute eng an den Knecht gebunden, tatsächlich wird er ab und an deshalb eben zum Knecht der User, denn natürlich wollen sie mit den Datenspuren ihrer Kunden Geld machen. Umso dringender muss man sich die Frage stellen, wem heute eigentlich meine Gewohnheiten gehören – mir oder dem Netzwerk.

Klaus Schönberger: Die Debatte erden – Das Internet, soziale Netzwerke und Realität des Web 2.0:

Der Protest von sozialen Bewegungen wird seit der frühbürgerlichen Revolution periodisch mit der Entwicklung von Medientechnologie in Verbindung gebracht. Immer wieder gelten medienkulturelle Entwicklungen als Verursacher und Auslöser von Protest und Widerstand. Dabei ist es umgekehrt. Unter denen, die AktivistInnen sind, protestieren und mobilisieren, finden sich insbesondere auch jene, die willens und qualifiziert sind, sich die neuen Medienformate anzueignen. Insofern macht es Sinn, gesellschaftliche Bereiche wie soziale Gruppen zu unterscheiden.

Meine Daten gehören mir – ein Interview mit Jan Schallaböck vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein zu sozialen Netzwerken, Suchmaschinen und Datenschutz:

Es erscheint notwendig, nochmals grundlegend über diese Fragen nachzudenken. So stellt sich die Frage, ob unser Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung, das 1983 zweifelsohne wegweisend war, heute noch ausreicht. Auf Grund der vielen gesetzlichen Ausnahmeregelungen davon und privaten Datensammlungen ist es für User nicht zu überblicken, was mit den Daten eigentlich passiert. Es wäre viel besser, wenn man zwei oder drei Grundprinzipien hätte, die dafür ohne große Einschränkungen gälten.

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2 Kommentare

  1. Erstellt am 3. September 2009 um 21:54 | Permanent-Link

    Wunderbar, aber das Netz ist wie das Universum. Es breitet sich unaufhaltsam aus und die Materien driften auseinander. Es gibt so viele kleine Foren, Blogs und Communitys. Nur wenige gigantische Sonnen wie youtube, facebook und myspace strahlen da heraus. Ich hoffe, dass die Massen nicht durch ein Überangebot in Zukunft letztlich verkleinert werden.

  2. Erstellt am 14. September 2009 um 14:12 | Permanent-Link

    Die ak-Debatte geht weiter: Armin Medosch zu “Falsche Freunde im Web 2.0″ unter http://www.akweb.de/ak_s/ak542/21.htm

4 Trackbacks

  1. [...] Soziale Netzwerke bei analyse & kritik (ak) – http://netzpolitik.org/2009/soziale-netzwerke-bei-analyse-kritik-ak/ [...]

  2. Von Freude schöner Götterfunken am 4. September 2009 um 08:44

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