Piratenpartei: Nach Serverbeschlagnahmung nun Uni-Sperrung?

Es gibt ein Update zur Razzia bei der bayrischen Piratenpartei. Neben der Hausdurchsuchung beim Pressesprecher wurde auch noch der Server von Jan Huwald beschlagnahmt. Huwald wurde jetzt nach Angaben der Piratenpartei der elektronische Zugang zur Universität gesperrt. Man vermutet aufgrund der zeitlichen Nähe zur Beschlagnahmung seines Servers eine weitere Massnahme der bayrischen Behörden. Huwald wurde wohl bis heute weder über die Beschlagnahmung noch die Sperrung informiert, sondern musste diese erst durch eigene Nachforschungen erfahren. Der Zugang zu den Dokumenten zur Beschlagnahmung und damit dem Mittel, sich juristisch zur Wehr zu setzen, wurde Huwald seitens seines Providers verweigert, so die Piratenpartei. Auch kann er nicht auf seine privaten Mailadressen zurückgreifen, da diese auf dem Server liegen: Repressionen gegen Piratenpartei werden fortgesetzt.

“Bis vor einer Woche habe ich nur abstrakt gegen die allumfassende elektronische Überwachung ekämpft. Jetzt erfahre ich sie am eigenen Leib”, so Huwald. “Durch meinen aktuellen Auslandsaufenthalt kann ich mich mit meinem Anwalt nur elektronisch in Verbindung setzen. Nachdem all meine privaten E-Mail-Adressen gesperrt wurden, musste ich auf einen Freemailer ausweichen. Nur sind die in Deutschland zur Vorhaltung aller E-Mails an die Polizei verpflichtet. Ein vertrauliches Gespräch mit einem Anwalt ist damit unmöglich, und mir bleibt die Möglichkeit zur Verteidigung verwehrt.”

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Datenschutz, Deutschland, Digital Rights und getagged , , , , . Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL. Dieser Beitrag steht unter der Lizenz CC BY-NC-SA: Markus Beckedahl, Netzpolitik.org.

10 Kommentare

  1. fho
    Erstellt am 19. September 2008 um 19:25 | Permanent-Link

    >Nachdem all meine privaten E-Mail-Adressen gesperrt wurden, >musste ich auf einen Freemailer ausweichen. Nur sind die in >Deutschland zur Vorhaltung aller E-Mails an die Polizei >verpflichtet. Ein vertrauliches Gespräch mit einem Anwalt >ist damit unmöglich,

    GPG?

    • Jan
      Erstellt am 19. September 2008 um 23:29 | Permanent-Link

      Schwierig.
      Zunächst einmal ist durch die Distanz ein Abgleich von Fingerabdrücken zur Vermeidung von Man-in-the-Middle Attacken nicht ohne weiters möglich, noch ist sichergestellt dass der Anwalt so technikfähig ist die Anwendung korrekt verwendet.
      Selbst wenn die Behörden nicht an den privaten Schlüssel des Anwalts kommen besteht zumindest die Möglichkeit dass Laptop o.ä. bei Einreise der Betroffenen Person konfisziert werden und die Anwaltsgespräche dann sogar schön elektronisch signiert sind.
      Ab dem Punkt ist es ein Brute-Force-Angriff auf die Passphrase die auch die Bayern schaffen könnten und die Konfiszierung ist nach all den bisher in diesem Fall gelaufenen Sachen kaum noch eine abstrakte Wahnvorstellung.

  2. Erstellt am 19. September 2008 um 22:22 | Permanent-Link

    Das ist schon ein harter schlag. Da sieht man mal was die Regierung alles unternimmt wenn etwas ans Licht kommt.

    LG

  3. bm
    Erstellt am 19. September 2008 um 22:48 | Permanent-Link

    Das sind ja schon richtige DDR Stasi Methoden, Einschüchterung und Repression.
    Mit solchen Mitteln sind bisher nur totalitäre Staaten gegen Oppsitionelle und Gegner vorgegangen.

    In sofern sehe ich die Entwicklung der letzten Jahre sehr sorgenvoll und habe ernste Sorgen um den Fortbestand der Demokratie in Europa.

  4. Torsten
    Erstellt am 19. September 2008 um 23:25 | Permanent-Link

    Was bitte heißt “wurde Huwald auch der elektronische Zugang zur Universität gesperrt”? Kann er vielleicht schlichtweg aus dem Ausland sein Uni-Postfach nicht nutzen?

    Nun, dafür kann es viele Gründe geben. Ein neues Semester fängt an – ist er vielleicht nicht mehr eingeschrieben? Oder hat er auf seinem Rechner einen simplen Konfigurationsfehler gemacht. Oder liegt es an ganz anderen technischen Problem?

    Was hätte die kollektive Staatsgewalt davon, ihm das Uni-Postfach abzudrehen? Wenn sie seine Mails wollen, dann könne man sie bei der Uni abholen – und ihn nicht durch eine offensichtliche Manipulation abdrehen.

    • Claudia
      Erstellt am 20. September 2008 um 02:32 | Permanent-Link

      @Torsten:
      Wenn Du mal Zeit hast, geh’ doch mal beim Datenschutzbeauftragten Deiner Uni vorbei und frage mal, wie oft im Jahr Mail- oder andere bei der Uni gespeicherte Daten abgefragt werden oder bei wievielen Accounts etwa von Staats wegen das Passwort neu gesetzt wird.

      Aber nicht wundern, wenn der Datenschutzbeauftragte, der jeweils jede einzelne Anfrage zu pruefen hat, ein bisschen lachen muss, wenn Dir der Mund offensteht ob seiner Antwort. Dies ist eine Standardmassnahme der “Sicherheit”sbehoerden, auch bei Verdacht auf weniger schwere Straftaten.

      • Torsten
        Erstellt am 20. September 2008 um 15:53 | Permanent-Link

        Claudia: Was hat Einsicht in E-Mails mit einem neuen Passwort zu tun?

      • Erstellt am 22. September 2008 um 10:39 | Permanent-Link

        @Claudia:
        Der Datenschützer wird sehr wahrscheinlich antworten: Bislang kein einziges mal.

        Dies gilt jedenfalls für mindestens eine Universität in Bayern.

        Wie Torsten aber ausführte: Zu ganz normalen Sperrungen oder Zugangsbeschränkungen im Rahmen der Benutzungsvereinbarungen kommt es dauerend. Da steckt aber keine Verschwörung dahinter.

  5. Erstellt am 20. September 2008 um 22:51 | Permanent-Link

    Mhm. Wie schwierig wäre es, GnuPG zu benutzen?

  6. Trac3R
    Erstellt am 21. September 2008 um 13:40 | Permanent-Link

    So hart es für den Betroffenen auch ist, für die Piratenpartei ist das eine wirklich werbewirksame Maßnahme gewesen. Damit hat sich die CSU mit verbeamteten Wurmfortsatz wohl einen ziemlichen Bärendienst erwiesen.

4 Trackbacks

  1. Von Links 49 [laxu] am 19. September 2008 um 18:20

    [...] Piratenpartei: Nach Serverbeschlagnahmung nun Uni-Sperrung? [...]

  2. Von Der SeeSpatz am 19. September 2008 um 18:23

    Hausdurchsuchung beim Pressesprecher der Piratenpartei – UPDATE: 19.09.2008, 18:20…

    Im Januar wurde bekannt, dass der Piratenpartei ein Brief zugespielt wurde, der nahelegt, dass die bayrische Polizei mit Trojanern gearbeitet hat, bevor es eine Rechtsgrundlage dafür gab.  read more »…

  3. [...] Grog! Ja, Ihr Landratten, Piraten und Freibeuter sind in aller Munde heutzutage, nicht nur weil sie Opfer von Vertuschungsaktionen werden, oder das eine oder andere Kartenspiel kapern, nein – für solch einen Festtag gibt es [...]

  4. [...] 20.09.2008 auf netzpolitik.org: “Nach Serverbeschlagnahmung nun Uni-Sperrung?” September 17, 2008 | abgelegt unter Internet and Computer, Politics, [...]

Ihr Kommentar

Ihre E-Mail wird niemals veröffentlicht oder verteilt. Benötigte Felder sind mit * markiert

*
*

Du kannst diese HTML Tags und Attribute verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Anzeige
Die von uns verfassten Inhalte stehen unter der Lizenz CC BY-NC-SA.
Netzpolitik.org nutzt Wordpress. Das Design ist ein Thematic-Kind von Linus Neumann.