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Immer größere Datenheuhaufen für die Polizei?

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter nimmt den Telekom-Überwachungsskandal mit erstaunlicher Frechheit zum Anlass, die zentrale Speicherung der Telekommunikations-Vorratsdaten beim Staat zu verlangen. „Es ist doch offensichtlich, dass sensible Kundendaten bei privaten Unternehmen mehr als schlecht aufgehoben sind“, sagte BDK-Vorsitzender Klaus Jansen der Neuen Osnabrücker Zeitung. (…) Jansen forderte laut dpa, sämtliche Verbindungsdaten in einem Sicherheits-Center unter…

  • Ralf Bendrath

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter nimmt den Telekom-Überwachungsskandal mit erstaunlicher Frechheit zum Anlass, die zentrale Speicherung der Telekommunikations-Vorratsdaten beim Staat zu verlangen.

„Es ist doch offensichtlich, dass sensible Kundendaten bei privaten Unternehmen mehr als schlecht aufgehoben sind“, sagte BDK-Vorsitzender Klaus Jansen der Neuen Osnabrücker Zeitung. (…) Jansen forderte laut dpa, sämtliche Verbindungsdaten in einem Sicherheits-Center unter Aufsicht von Datenschützern zu hinterlegen. Darauf könnten dann sowohl Unternehmen zu Abrechnungszwecken als auch der Staat zur Strafverfolgung streng kontrolliert zugreifen.

Beim Staat wären sie dagegen besser aufgehoben? Na klar. Herr Jansen träumt offenbar von der Überwachungsgesellschaft Großbritannien, wo genau das derzeit geplant wird.

Jenseits der ganzen Verweise auf den aktuellen staatlichen Überwachungswahn, auf den immer wieder vorkommenden Missbrauch von Daten und die diversen Skandale um BND und andere gibt es auch das Argument, dass dies sogar aus Sicht der Polizei dumm wäre. Eine Nadel im Heuhaufen findet man nämlich nicht leichter, indem man den Heuhaufen vergrößert.

Spreeblick dokumentiert hierzu gerade sehr schön, welche Schwierigkeiten die Polizeien aktuell schon haben, wenn sie mit Logfiles im Umfang von 4GB und anderen lustigen Sachen umgehen müssen. Ein Technischer Direktor (CTO) eines Internet Service Providers, der ungenannt bleiben wollte, plaudert dort aus dem Nähkästchen:

Es gibt bei keiner mir bekannten Polizeistelle Rechner, die in der Lage wären, ein 4 GB Logfile einzulesen und nach Einträgen zu durchsuchen, oder Software, die Apache-Logfiles auswerten kann oder Sniffer, die IP-Mitschnitte interpretieren und aufbereiten könnten. Besonders die laut Datenvorratshaltung aufzuhebenden IP-Verbindungsdaten sind ja riesige Mengen. Wir reden hier von TERAbyte Daten pro Halbjahr. Wer soll denn 2 Tera IP-Logs eines fraglichen Zeitabschnitts nach einer bestimmten Kommunikation durchsuchen? Selbst wir hätten da im nachhinein durchaus Probleme. Davon, dass irgendeine Polizeistelle das kann (außer dem BKA eventuell) kann überhaupt kein Rede sein. Am Ende wird es ein Ergänzungsgesetz geben, das UNS verpflichtet die Auswertung vorzunehmen. Vermute ich mal. Natürlich kostenlos.

Über die Autor:innen

  • Ralf Bendrath

    Ralf ist seit Jahren in Zusammenhängen wie DigiGes, EDRi, AK Vorrat, AK Zensur aktiv. 2011 wurde er in den Beirat von Privacy International berufen. Nach einer soliden Grundausbildung als Nerd am Commodore C-64 und dem Studium der Politikwissenschaft in Bremen und Berlin hat er zehn Jahre lang zu Datenschutz, Internet-Governance und Cyber-Sicherheit geforscht, u.a. in Berlin, Bremen, Washington und New York City. Von 2002 bis 2005 hat er für die Heinrich-Böll-Stiftung den Weltgipfel Informationsgesellschaft begleitet. Im Hauptberuf arbeitet er seit Sommer 2009 für den Abgeordneten Jan Philipp Albrecht im Europäischen Parlament, ebenfalls zu Themen der Internetfreiheit und der digitalen Bürgerrechte. Wenn er Zeit findet, bloggt er hier auf deutsch oder auf englisch auf http://bendrath.blogspot.com. Häufiger twittert er als @bendrath.


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8 Kommentare zu „Immer größere Datenheuhaufen für die Polizei?“


  1. Torsten

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    Nunja. Ganz so düster steht es denn doch nicht. In NRW gibt es Schwerpunkt-Kommissariate für Internetfragen, die durchaus wissen, was denn in einem solchen Logfile steht und wie man es auswertet.


  2. don287

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    das wissen allein genügt aber nicht um die bearbeitungszeit zu reduzieren
    sei es rechenzeit oder arbeitszeit


  3. […] 2, 28.05., 10.10h netzpolitik.org – Immer größere Datenheuhaufen für die Polizei?: Beim Staat wären sie dagegen besser aufgehoben? Na klar. Herr Jansen träumt offenbar von der […]


  4. […] Mai28th Der Telekomskandal… und die Lösungen · No Comments Den aktuellen Telekomskandal wird wohl mittlerweile jeder mitbekommen haben, kurz zusammengefasst, die Telekom hat ihre […]


  5. zu 1: Gerade in NRW scheinen ganz tolle Spezialisten am Werk zu sein. Habe Gestern eine Strafanzeige gestellt, IP und der (sehr stark zu vermutende) Ort des Täters sind mit angegeben. Denn der ungefähre Ort lässt sich ja anhand der IP relativ gut abschätzen. Und was machen die? Sind wohl zu faul und leiten es weiter ans LKA nach Stuttgart – weil ich in Stuttgart wohne. Der Täter aber offensichtlich in NRW. Na toll: NRW leitet es weiter nach Stuttgart, da gehts dann zum LKA, das holt isch vom Staatsanwalt die Anordnung zur Herausgabe der Daten zur IP, dann wird festgestellt der Täter sitzt in NRW und alles geht wieder zurück. Profis eben …


  6. Wochenrücklinks #3…

    Am Samstag Aktionstag gegen Überwachung in 34 deutschen StädtenIch werd, wenn es zeitlich passt, bei den Kölnern vorbeischauen.
    Werbe- und Piratenkanal gehen auf Nintendos Wii auf Sendung
    Chaosradio 135: Kundenkarten, C…


  7. Sind denn beim Vorhaben in Großbritannien nun Verbindungs- oder Verkehrsdaten gemeint? Weiß das jemand verbindlich?


  8. […] haben? Oder sind alle Unternehmen mit sensiblen Daten verpflichtet, die gleichen verwässerten Standards anzuwenden wie die staatlichen […]

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