Vor knapp einem Monat hat NDR Info rund 27.000 Datensätze des Finanzdienstleisters AWD zugespielt bekommen. Nun gibt es einen neuen Datenskandal bei AWD, den wiederum NDR Info aufgedeckt hat. Im Rahmen einer Software-Entwicklung haben externe IT-Berater mit echten Kundendatenbanken gearbeitet. Diese konnten auch von den externen Dienstleistern kopiert und manipuliert werden.
Der NDR Info hat wohl eine Datenbank erhalten und einzelne Samples daraus auf Echtheit überprüft.
Der Leiter des Unabhängigen Datenschutzzentrums Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, kommentierte den erneuten Fall bei AWD gegenüber NDR Info. Er sprach von einem „Daten-Gau“ und erklärte, dass externe Entwickler nicht mit Kundendaten arbeiten dürften, dafür würden Testdaten ausreichen. „Alles andere ist fahrlässig, schludrig und ignorant im Hinblick auf das Datenschutzrecht“.
Update: Hier ist die Originalmeldung von NDR Info: Offenbar weitere große Sicherheitslücken bei AWD.
Die AWD-Konzernzentrale in Hannover – eine Glasfestung, in der sensible Daten von über vier Millionen Kunden gespeichert sind. 27.000 von ihnen ahnen seit dem Bericht von NDR Info vor vier Wochen, dass ihre persönlichen Angaben alles andere als sicher sind. Trotzdem betonte AWD-Sprecher Béla Anda nach dem Bekanntwerden der Panne: „Wir haben den höchstmöglichen Sicherheitsstandard. Wir sind im entsprechenden Verband des Gesamtverbandes für Datenschutz.“ AWD-Insider sind da anderer Meinung. Der Sicherheitsstandard für personenbezogene Kundendaten liege weit unter dem einer Bank oder Sparkasse, sagen sie. So arbeiteten externe IT-Berater bei der Softwareentwicklung mit echten Kundendaten. Aussage eines Insiders, der namentlich nicht genannt werden möchte: „Bei der Entwicklung wird mit echten Kundendatensätzen gearbeitet. Dabei wäre es völlig ausreichend, mit Testpersonen zu arbeiten. Der Zugang zur eigentlichen Kundendatenbank dürfte aus Sicherheitsgründen auf keinen Fall möglich sein.“