Thema das Tages: Facebook kauft Whatsapp für 13 Milliarden Euro. Damit hat Facebook sich einen Konkurrenten mit 450 Millionen Nutzern vom Leibe geschafft und die eigene 1,2 Milliarden starke Nutzerschaft wieder verjüngt, nachdem das Durchschnittsalter in letzter Zeit gestiegen war. Facebook-Gründer Marc Zuckerberg hat versichert, für die Nutzer werde sich nichts ändern und WhatsApp bliebe als Marke bestehen, genau wie die vormals von Facebook gekaufte Foto-App Instagram. Aber das stimmt nicht, denn wenn sich auch an der Benutzung nichts ändern mag, im Hintergrund vereinen sich jetzt noch mehr Daten von noch mehr Nutzern an einer Stelle.
Spätestens in der derzeitigen Geheimdienst-Ära sollte klar sein, dass das keine gute Idee ist. Deshalb ist die Fusion der beiden Datengiganten ein guter Anlass, um mal über Alternativen nachzudenken.
- Threema: Seit Bekanntwerden der WhatsApp-Übernahme ist Threema die am häufigsten empfohlene Alternative, wenn man sich #threema auf Twitter anschaut. Die App des Schweizer Startups verspricht Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, sodass NSA und Co., aber auch sie selbst nicht mitlesen können. Für mehr Sicherheit gegen eine gefälschte Identität des Gegenüber lassen sich die öffentlichen Schlüssel nicht nur über einen Server austauschen, sondern auch direkt beim persönlichen Kontakt über einen QR-Code auf dem Smartphone scannen. Kostet 1,79 € (iTunes) oder 1,60 € (Google play). Finden wir gut, aber wie immer: Vollständiges Vertrauen ist schwierig, denn auch andere vermeintlich sichere Dienste hatten Sicherheitslücken, wie etwa cryptocat oder whistle.im. Und Threema ist leider nicht Open Source und es gab bereits Meldungen zu im Klartext lesbaren Backups auf iOS.
- Chatsecure: Freie und offene Chat-Software, die früher nur für iOS verfügbar war. Mittlerweile gibt es auch eine Android-Version, die auf dem früheren GibberBot basiert. Was uns freut: Chatsecure benutzt für die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung OTR und die Kommunikation läuft über das XMPP-Protokoll. OTR ermöglicht Verschlüsselung, Authentifizierung eures Gegenübers und plausible Abstreitbarkeit. Das heißt, niemand kann im Nachhinein nachweisen, dass wirklich ihr es wart, der eine Nachricht gesendet hat. Außerdem ist es bei OTR für zurückliegende Nachrichten nicht kritisch, wenn euer privater Schlüssel einem Dritten bekannt geworden ist. ChatSecure ermöglicht die sichere Kommunikation auch mit Nutzern anderer auf XMPP aufbauenden Plattformen: Jabber, GoogleChat, FacebookChat, …
- TextSecure: Open-Source-Lösung für alle, die keine Instant Messages schreiben, sondern per SMS verschlüsselt kommunizieren wollen, aber leider nur für Android-Nutzer verfügbar.
- surespot: Weitere Open Source Ende-zu-Ende-Verschlüsselungsvariante für Instant Messaging, auch für beide großen Plattformen. Bietet aber leider keine Authentifizierung und Abstreitbarkeit wie Dienste, die auf OTR aufbauen.
- Heml.is: „hemlighet“ bedeutet „Geheimnis“ auf Schwedisch und ist ein neuer, noch nicht fertiger Messenger, der Abhörsicherheit bieten will. Er wird von einem der Mitgründer von Pirate Bay entwickelt und soll auf XMPP und PGP aufbauen, nicht wie viele andere auf OTR, um auch Offline-Nachrichten zu ermöglichen. Wir hoffen, dass man Heml.is bald testen kann!
Da XMPP schon ständig erwähnt wurde: Es gibt einen Haufen Clients, mit denen ihr XMPP benutzen könnt, sowohl auf euren Mobilgeräten als auch auf PC und Co. Viele davon unterstützen OTR sowieso schon, bei vielen anderen könnt ihr Plugins nachinstallieren. Also: Es gibt eigentlich keinen Grund mehr, nicht zu wechseln!
Und falls ihr noch mehr Alternativen kennt: In die Kommentare damit.
[Update] Eine schöne Auflistung mit Pro und Contra findet ihr auch hier.