Im Landtag des Saarlands sind über 40 Prozent der Abgeordneten Social Bots, in Bremen 37 Prozent und in Baden-Württemberg mehr als ein Drittel. Zu diesen alarmierenden Ergebnissen kommt eine Untersuchung, die auf Grundlage des Analysetools „Botometer“ der Indiana University Bloomington durchgeführt wurde.
Für die Untersuchung nahm der Datenforscher Michael Kreil alle Abgeordneten der Landesparlamente, die auf Twitter sind, und untersuchte deren Twitteraccounts mit dem weithin auch in der Wissenschaft genutzten Analysetool, ob diese Bots sind.
“Die Methoden der Bot-Forschungen sind nie systematisch überprüft worden, sonst wäre aufgefallen, dass sie sehr viele Fehler produzieren. Als kleinen Scherz habe ich deshalb mit dem Botometer geprüft, wieviele deutsche Landtagsabgeordnete auf Twitter angeblich Bots sind”, erklärt Michael Kreil den kleinen Versuch, dessen Rohdaten öffentlich sind.
Hintergrund des Versuchs ist also nicht die Untersuchung, ob es sich bei den Abgeordneten-Accounts tatsächlich um Bots handelt. Es geht darum zu zeigen, dass automatisierte Analysemethoden zur Erkennung von Bots extreme Schwächen haben.
Politikberater Martin Fuchs, der die Twitterlisten der Abgeordneten stellte, kritisiert: „Dieses kleine Experiment zeigt eindrucksvoll, wie schlecht die Analysefähigkeiten beim Thema Social Bots sind und wie wenig man darauf aufbauend irgendeinen Einfluss auf Meinungsbildung ableiten kann.“ Zudem zeige die kleine Analyse sehr schön, wie schnell man auch als Politiker:in zum Social Bot werden könne. Fuchs hofft, dass dies die Politik ein wenig sensibilisiere, die Forderungen nach Regulierung zu überdenken.
Das Thema Social Bots hat in den letzten Jahren immer wieder starke mediale Aufmerksamkeit erhalten, dabei ist mittlerweile klar, dass Social Bots in der politischen Kommunikation in Deutschland irrelevant sind. Schon seit einiger Zeit warnen Computerspezialisten und Datenanalysten vor den Methoden der Bot-Forschung.

