BKA nutzt veraltete Daten und setzt eigene in die Welt
Die Debatte um das „Darknet“ und die Fehltritte der Behörden gehen weiter. Wir berichteten bereits über eine Aussage des Leiters der Abteilung Cyberkriminalität beim Bundeskriminalamt (BKA), Carsten Meywirth, der behauptete, dass bis zu einer Million Menschen in Deutschland illegale Einkäufe im „Darknet“ tätigen würden.

Auf unsere kritische Nachfrage hin distanzierte sich das BKA von dieser Zahl, konnte aber auch nicht erklären, warum diese Behauptung von ihrem Beamten vor einem Jahr in die Welt gesetzt wurde.
Für die eigenen Statistiken scheinen fragwürdige Daten jedoch durchaus tauglich zu sein. Heute stellte das BKA in Wiesbaden das „Bundeslagebild Cybercrime 2015“ vor, in dem auch das „Darknet“ thematisiert wird. Dabei präsentierte die Behörde auch eine Übersichtsgrafik, die den Unterschied zwischen dem „Surfaceweb“ und dem „Deepweb“ erklären soll. In dieser Grafik wird erwähnt, dass das „Deepweb“ 10–100 mal größer sei als das „Surfaceweb“. Das BKA bezieht sich bei dieser Behauptung jedoch auf eine Studie aus dem Jahr 2003, die sich wiederum auf Datensätze der Jahre 1999–2002 bezieht.
https://twitter.com/bka/status/758279177913167873
Eine Studie aus dem Jahr 2003 als Quelle
Diese Studie weist selbst auf eine mögliche Begrenzung des eigenen Geltungsbereichs hin, da die Befunde auf Daten der vorangegangenen Jahre beruhen:
This study is an attempt to estimate how much new information is created each year. Newly created information is distributed in four storage media print, film, magnetic, and optical – and seen or heard in four information flows – telephone, radio and TV, and the Internet. This study of information storage and flows analyzes the year 2002 in order to estimate the annual size of the stock of new information contained in storage media, and heard or seen each year in information flows. Where reliable data was available we have compared the 2002 findings to those of our 2000 study (which used 1999 data) in order to identify trends – recognizing that 1999–2002 were years of relatively low economic activity.

Besonders der letzte Satz des Abstracts sollte vor einer aktuellen Nutzung der Erkenntnisse der Studie warnen. Die Forscher merken an, dass es zwischen den Jahren 1999 und 2002 relativ wenig Entwicklung im Bezug auf das Wachstum der jährlich produzierten Datenmengen im Internet gibt. Das dürfte für die Jahrtausendwende so stimmen, in Zeiten von mehr als einer Milliarde täglich aktiver Facebooknutzer, die im Schnitt 350 Millionen Fotos pro Tag uploaden, oder der mehr als 400 Stunden Videomaterial, die pro Minute auf YouTube landen, sollten diese Zahlen und Größenverhältnis zwischen „Deepweb“ und „Surfaceweb“ nochmal sorgfältig untersucht werden, anstatt sich auf Daten zu beziehen, die teilweise aus dem letzten Millenium stammen.
Aufgrund unserer heutigen Erfahrung mit Zahlen des BKA empfehlen wir, diese auch in Zukunft mit Vorsicht zu genießen.
