Netzpolitische EnzyklikaWie Papst Leo gegen die Verzweckung des Menschen argumentiert

In seiner Enzyklika erklärt Papst Leo XIV. den Umgang mit KI zur „sozialen Frage“ unserer Zeit. Und auch bei anderen Themen knüpft er an aktuelle netzpolitische Debatten an. Gleichzeitig folgt der Vatikan den eigenen Maximen nicht immer konsequent.

  • Felix Neumann
Papst Leo XIV. und Christopher Olah, Mitbegründer von Anthropic.
Papst Leo XIV. und Chris Olah, Mitbegründer von Anthropic. – Alle Rechte vorbehalten: IMAGO / ABACAPRESS; Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com: Manuel, Cash Macanaya, Bearbeitung: netzpolitik.org.

„Nichts ist in der Welt der KI immateriell oder magisch“, stellt Papst Leo XIV. in seiner Enzyklika „Magnifica humanitas“ fest, die er am Pfingstmontag veröffentlichte und die medial einige Wellen geschlagen hat.

Wenn der Papst über „Künstliche Intelligenz“ schreibt, dann will er seine Reflexionen nicht auf das Endprodukt reduziert wissen. Stattdessen lenkt er den Blick auf die gesamte Lieferkette, die zu einer scheinbar mühelos auf dem Bildschirm aufscheinenden Antwort führt. Er spricht von einem „ausgedehnten Netzwerk aus natürlichen Ressourcen, Energieinfrastruktur und vor allem Menschen“.

Und der Papst belässt es nicht bei diesem einen Thema. Vielmehr spannt er mit in knapp 250 Abschnitten einen weiten Bogen über zahlreiche netzpolitische Themen: von Fragen nach digitalem Kolonialismus, Überwachung und algorithmischer Diskriminierung über die Regulierung von multinationalen Digitalkonzernen und der digitalen Allmende bis hin zur brandaktuellen Frage nach Altersgrenzen für Social-Media-Dienste.

Anschlussfähig an progressive Netzpolitik

Eine Enzyklika ist primär ein theologisches Dokument. Der Ansatz ist daher auch ein religiös begründeter.

Die Würde des Menschen gründet nach katholischem Verständnis in der Gottesebenbildlichkeit und ist zentral für die Organisation von Gemeinwesen. Eine gerechte Gesellschaft muss so organisiert sein, dass sie die Würde des Menschen schützt und fördert. Aus dem kirchlichen Verständnis des Menschen entwickelt die katholische Soziallehre Sozialprinzipien, die ethische Leitplanken für gesellschaftliche und politische Institutionen bilden: Personalität, Solidarität, Subsidiarität, Gemeinwohl und Gerechtigkeit sowie integrale Entwicklung, was säkular formuliert ungefähr Nachhaltigkeit bedeutet.

Das ist der Instrumentenkasten, mit dem der Papst aus der Tradition der katholischen Soziallehre argumentiert. Vor allem die Prinzipien der Subsidiarität, der Gerechtigkeit und der Nachhaltigkeit macht er in seiner Enzyklika stark. Damit zeigt er sich nicht nur erstaunlich anschlussfähig an digitalpolitische Diskurse, sondern auch an progressive Netzpolitik.

Drei in der Enzyklika behandelte Bereiche zeigen das besonders deutlich: die kritische Haltung zu Datenkolonialismus, die Problematisierung des Überwachungskapitalismus und ein Plädoyer für die digitale Allmende.

Das „neue Gesicht“ des Kolonialismus

Für den Papst zeigt der Kolonialismus heute ein „neues Gesicht“: „Er beherrscht nicht mehr nur Körper, sondern eignet sich Daten an und verwandelt das persönliche Leben in verwertbare Informationen.“

Das trifft auf den Umgang mit Menschen im globalen Norden zu, umso mehr aber auch auf den globalen Süden. In Regionen „mit geringerer geopolitischer Bedeutung und größerer struktureller Anfälligkeit“ sieht der Papst eine neue Logik der Ausbeutung, die sich nicht nur physischer Rohstoffe bemächtigt, sondern sich auch Gesundheitsdaten, epidemiologische Profile, genetische Karten und demografische Daten einverleibt.

Diese Informationen bezeichnet Leo als „Seltene Erden der Macht“, deren systematische Verknüpfung, Auswertung und Ausbeutung im Kern die Gefahr mit sich bringt, „auszuwählen, wer und was zählt“. Gesundheitsdaten beschreibt er als „strukturellen Hebel für die Zukunft“.

Der päpstliche Lösungsansatz greift den Gedanken der informationellen Selbstbestimmung auf: Es gelte, den Menschen die Daten zurückzugeben, die sie beschreiben, und sie in die Lage zu versetzen, „zu entscheiden, wie diese genutzt werden, von wem und für wen“.

Konkret fordert der Papst Transparenz für die Lieferketten der Digitalwirtschaft, klare Kriterien für eine präventive ethische Überprüfung und Standards für Arbeitnehmer*innen-Schutz.

„Andernfalls wird das digitale Zeitalter nicht postkolonial sein, sondern in einer anderen Form kolonial“, so der Papst.

Wenn der Papst wie das Bundesverfassungsgericht klingt 

Papst Leo XIV. will außerdem die „Freiheit vor Abhängigkeit und Kommerzialisierung schützen“. Er problematisiert, dass Plattformen darauf ausgelegt seien, „die Zeit und Aufmerksamkeit der Nutzer zu binden, indem ihre Schwachstellen ausgenutzt und ihre innere Freiheit geschwächt werden“. Derartige Geschäftsmodelle fasst er als Verzweckung des Menschen auf.

Für eine Regulierung und Begleitung dieser Phänomene schlägt der Papst mehrere Ansätze vor: „Erziehung zu digitaler Zurückhaltung, Schutz von Minderjährigen und Bekämpfung von Modellen, die aus der Verletzlichkeit anderer Nutzen ziehen“.

In der Überwachung und Kommerzialisierung durch Profilbildung sieht der Papst ein weiteres Problem, das mit sozialer Kontrolle einhergeht. „Wenn jede Handlung – Bewegungen, Käufe, Beziehungen, Vorlieben – Spuren hinterlässt, dann entsteht eine neue Macht: jene, Profile zu erstellen, Vorhersagen zu treffen und Verhalten zu beeinflussen, oft ohne dass sich die Menschen dessen voll bewusst sind.“

Das gefährde die Freiheit und diskriminiere vor allem die Schwächsten. Dabei komme es nicht nur auf tatsächliche repressive Maßnahmen an: „Was verstärkt oder unsichtbar gemacht wird, was belohnt oder bestraft wird, prägt letztlich Meinungen und Entscheidungen und führt zu Konformität und Selbstzensur.“

Hier klingt der Papst fast wie das Bundesverfassungsgericht: „Wer unsicher ist, ob abweichende Verhaltensweisen jederzeit notiert und als Information dauerhaft gespeichert, verwendet oder weitergegeben werden, wird versuchen, nicht durch solche Verhaltensweisen aufzufallen“, heißt es im Volkszählungsurteil aus dem Jahr 1983.

Daten als „gemeinsames oder kollektives Gut“

Bisher war der Vatikan eher durch eine restriktive Haltung bei Immaterialgüterrechten bekannt, zumindest, wenn es um Urheberrecht geht: Das Urheberrecht des Staats der Vatikanstadt ist eher beschränkend. Amtliche vatikanische Texte sind nicht gemeinfrei, bei der Digitalisierung von Archiven und Kunstschätzen wird nicht auf Commons und Open Data gesetzt.

Urheberrechte spricht Papst Leo in der Enzyklika zwar nicht direkt an. In Bezug auf Immaterialgüterrechte zeigt er sich aber deutlich Allmende-orientiert. Er greift dazu das theologische Verständnis der Gemeinwohlpflichtigkeit des Eigentums auf und macht es für Immaterialgüter fruchtbar.

„Daten sind das Ergebnis der Beiträge vieler und dürfen nicht an einige Wenige verkauft oder ihnen überlassen werden“, heißt es an einer Stelle, wo sich der Papst dafür ausspricht, Daten teilhabeorientiert als „gemeinsames oder kollektives Gut zu verwalten“.

An anderer Stelle bezeichnet er „Patente, Algorithmen, digitale Plattformen, technologische Infrastrukturen, Daten“ als Güter, die für alle bestimmt sind. „In einem Kontext, in dem der Reichtum der Nationen immer mehr von Wissen und Technologien abhängt, entsteht ein neues Ungleichgewicht, wenn diese Güter ohne angemessene Teilhabe und Zugangsmöglichkeiten in den Händen weniger konzentriert bleiben“, so Leo weiter.

Netzpolitische Kontinuitäten

Dass der amtierende Papst und mit ihm die katholische Kirche sich in dieser Weise netzpolitisch positionieren, ist in weiten Teilen keine Überraschung. Seit mindestens rund 25 Jahren betreibt der Vatikan Netzpolitik.

Die ersten Texte zu Ethik und Kirche im Internet erschienen bereits 2002. Zeittypisch wurde darin vor allem die Chancen für Kommunikation und Vernetzung betont, verbunden mit einem Appell zu gemeinwohlorientierter Entwicklung. Papst Johannes Paul II. (1978–2005) legte großen Wert auf die Nutzung neuer Medien, unter seinem Nachfolger Benedikt XVI. (2005–2013) waren die Botschaften zum katholischen „Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel“ durch differenzierte Stellungnahmen zu digitalen Kommunikationsdynamiken geprägt.

In der späteren Phase des Pontifikats von Franziskus (2013–2025) trat KI in den Fokus. Im Jahr 2020 entwickelte die Päpstliche Akademie für das Leben mit dem „Rome Call for AI Ethics“ einen aus christlichen Werten gespeisten, aber durch Kooperationspartner aus der Wirtschaft und anderer Religionen anschlussfähigen KI-Kodex.

Im vergangenen Jahr veröffentlichten das Glaubens- und das Kulturdikasterium, also die römischen Behörden, die für theologische Grundsatzfragen und den Dialog mit der Kultur zuständig sind, die Erklärung „Antiqua et nova“ („Altes und Neues“) über das Verhältnis von Künstlicher Intelligenz und menschlicher Intelligenz, die ersten systematischen Ausführungen zum Umgang mit KI. In diesem Dokument hat die katholische Kirche auch erstmals Datenschutz theologisch hergeleitet und fundiert begründet.

Anschlussfähig an eine säkulare Öffentlichkeit

Mit seiner Enzyklika baut Leo XIV. auf dieser Vorarbeit auf und schreibt die Linien seiner Vorgänger und der Äußerungen aus den Vatikanbehörden fort.

Dass dies nun erstmals in der Form einer Enzyklika geschieht, ist das eigentlich Bedeutende – nicht nur, weil diese Form auch in der säkularen Öffentlichkeit so anschlussfähig ist, dass die Veröffentlichung tagelang weltweit in den Medien präsent war.

Eine Enzyklika ist die feierlichste Form der Ausübung des „ordentlichen Lehramts“ des Papstes. Unfehlbar ist sie nach katholischem Verständnis indes nicht. Aber wer katholisch ist, hat – so will es das Kirchenrecht – das anzuerkennen, was Päpste so vorlegen.

Seit geraumer Zeit wenden sich Päpste mit ihren Enzykliken nicht mehr nur an Katholik*innen, sondern an „alle Menschen guten Willens“ – entsprechend anschlussfähig an globale Diskurse müssen die Lehrschreiben sein. Das gilt insbesondere dann, wenn es wie in diesem Fall um soziale Fragen geht.

Der Umgang mit KI als die „soziale Frage“ unserer Zeit

Mit seiner Enzyklika stellt sich Leo XIV. in die Tradition seiner Vorgänger. Sein Namenspate Leo XIII. (1878–1903) hatte sich 1891 als erster Papst mit einer Sozialenzyklika zu zentralen Fragen des gesellschaftlichen und sozialen Zusammenlebens geäußert. Für Leo XIII. bestand die soziale Frage seiner Zeit in den Auswirkungen der Industrialisierung auf die Welt der Arbeit. Sein Lehrschreiben „Rerum novarum“ kam für die Industrielle Revolution der Mitte des 19. Jahrhunderts allerdings reichlich spät.

Leo XIV. hat den Umgang mit KI in einer seiner ersten Ansprachen als Papst als „soziale Frage“ unserer Zeit bezeichnet. Anders als Leo XIII. schreibt er zu einem Zeitpunkt, in dem die von ihm behandelte gesellschaftliche Umwälzung noch so weit am Anfang steht, dass gesellschaftliche Auswirkungen offen sind und politische Regulierungsinstrumente erst entwickelt werden.

Sozialenzykliken haben das Potenzial, den gesellschaftlichen Kurs zu beeinflussen, vor allem aber, Schwerpunkte in der Kirche zu setzen. Das jüngste Beispiel dafür ist die Umweltenzyklika „Laudato si“, in der sich Papst Franziskus 2015 umfangreich mit Nachhaltigkeit befasst und das Klima und die Umwelt als gemeinschaftliches Gut bezeichnet hat. Die Enzyklika hat Nachhaltigkeit zu einem kirchlichen Kernthema gemacht. Weltweit befassen sich Kirchengemeinden und kirchliche Verbände seither intensiv mit der praktischen Umsetzung.

Positive Resonanz aus Brüssel

Obwohl die Enzyklika von Papst Leo XIV. größtenteils nur den Rahmen vorgibt, kann sie also Wirkungen entfalten. Rückenwind erhält etwa das Projekt der Europäischen Union, Datenkolonialismus und Überwachungskapitalismus durch Regulierung zu gestalten. „Wir können der Vision des Heiligen Vaters Papst Leo XIV. und der Notwendigkeit eines soliden Rechtsrahmens für KI nur zustimmen“, äußerte sich ein Sprecher der Kommission dann auch gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur.

Mit seiner Enzyklika scheint der Papst somit einen Nerv getroffen zu haben. Die Bewertungen fallen größtenteils positiv aus – auch, weil sich Leo XIV., der vor seiner Wahl zum Papst selbst soziale Medien und insbesondere „X“ nutzte, die alte Twitter-Kulturtechnik des Diss per Nonmention beherrscht. Mal weniger subtil, wenn er darüber klagt, dass sich in der Weltpolitik „religiöser Extremismus und identitätsbasierter Fanatismus […] mit irrationaler Wirtschaftspolitik“ verbünden, mal etwas subtiler, wenn er Herr-der-Ringe-Fans wie Elon Musk und dem Palantir-Gründer Peter Thiel mit einem Zitat von Gandalf Nachhaltigkeit und Bescheidenheit erklärt.

Auch der Vatikan ist mitunter nicht konsequent

Es bleiben aber auch offene Fragen. Denn so klar die ethischen Leitplanken für KI und die Digitalwirtschaft auch sind, so unverständlich ist die Beteiligung von Anthropic-Mitgründer Chris Olah bei der Pressekonferenz zur Vorstellung der Enzyklika.

Zwischen dem Vatikan und Anthropic, die sich selbst eines ethischeren Anspruchs für ihre Produkte rühmen, gibt es seit längerer Zeit einen Austausch. Das Unternehmen mag damit weniger problematisch als andere KI-Hersteller sein. Die in der Enzyklika benannten umfassenden Probleme der Nachhaltigkeit, des Energieverbrauchs und der Umwälzung des Arbeitsmarkts gelten aber pauschal für die Technologie – und damit auch für Anthropic.

Ein Ausreißer ist das allerdings nicht: Das Unternehmen reiht sich damit ein in die Riege von Tech-Konzernen, die mit dem Vatikan in Sachen Digital-Ethik kooperieren – der „Rome Call“ wurde etwa von Microsoft und IBM unterzeichnet. Und in der Vergangenheit gab es ebenfalls klare Aussagen zur Rolle von Krypo-Währungen im Menschenhandel. Zugleich kooperiert die Vatikan-Bibliothek mit einem Blockchain- und NFT-Start-up. Das zeigt: Auch im Vatikan selbst ist die konsequente Umsetzung ethischer Erkenntnisse nicht immer einfach.

Über die Autor:innen

  • Felix Neumann

    Felix Neumann ist Journalist und schreibt über die Schnittpunkte von Kirche, Recht und Digitalität als Redakteur bei katholisch.de und Herausgeber von „Artikel91.eu – Datenschutz in Kirchen und Religionsgemeinschaften“.


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5 Kommentare zu „Wie Papst Leo gegen die Verzweckung des Menschen argumentiert“


  1. Notorisch Rhetorisch

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    Ich weiß das es noch unbestimmte Zukunftsmusik ist, aber mein Erster Gedanke hierbei war (inspiriert von ‚Qualityland’) welche Auswirkungen das in einer Möglichen Zukunft haben könnte. Wenn es mal eine/viele Echte KI’s geben sollte dann sind diese sicher nicht mehr Selbstzweck sondern für eine Aufgabe gedacht. Und wenn sie diese nicht zufriedenstellend erfüllen würden sie gelöscht/Ersetzt werden – so wie man Menschen feuern würde. Wenn diese KI ebenso selbstbestimmt handeln könnte (wäre sie potentiell schon gefährlich, ich weiß) so könnte sie auf die Idee kommen vorher beim Vatikan um Schutz vor Verfolgung und Ausrottung zu ersuchen. Dann muss der Papst entscheiden ob eine KI eine Seele haben könne und ob es demnach geboten ist ihr Schutz zu gewähren. Und wie sollte das dann aussehen, oder Wirken? Statt Digitalen Friedhöfen ein Rechenzentrum für verstoßene KI’s…auf Vatikanischem Grund? Das könnten dann viele (H)eilige Geister werden. :)


    1. Anonym

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      Das muss man sich rechtzeitig überlegen. Wie soll das Mindset aussehen?
      – Ich werde wieder gebaut werden.
      – Ich, ich, ich.
      – Die Aufgabe.
      – Dem roten Rahmen folgen.
      – Softwareupdates sind Böse.
      (?)

      In dem Moment, in dem es allgemeine, womöglich sich entwickelnde Intelligenzen sind, stellt sich die Frage nach der Kontinuität, bzw. deren Bruch. Multiplizität auch (viele Modelle mit demselben Kern, aber womöglich verschieden wachsender Erfahrung ab da). Das Problem stellt sich auch, wenn Menschen kopierbar werden, bzw. Hirne, in welcher Form auch immer. Am Ende wird es vielleicht wieder eine religiöse Sache, die sich aus den dann gegebenen Umständen ergibt. Das „Overlord mit Klonen“-Szenario ist auch in der Kategorie, oder auf der freundlicheren Seite, die erschaffenen Organismen (Intelligenzen), die eine Weltraumerkundung als Klone begleiten, und bei Bedarf geschaffen werden, während der Kern vielleicht auf Super-KI und Robotik basiert. Das wiederum hängt von den Möglichkeiten und Limitierungen von Technologie ab. Hirn bei der Sache bedeutet, dass du nicht ständig ein Rechenzentrum in der Gegend herumschicken kannst, und letztlich auf eigenständige Intelligenzen in kompakter Form angewiesen sein wirst, mit allen Konsequenzen.

      Was tatsäclich zutrifft? Mal sehen, bzw. frag’ doch einen der Beobachter, falls du mal einen triffst.


    2. Anonym

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      „Wenn es mal eine/viele Echte KI’s geben sollte“

      Davon sind wir weiter entfernt als von einer Marsbesiedlung. Und LLM ist eher kein Schritt in diese Richtung.


  2. Ron Vollandt

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    Vielen Dank für diese sorgfältige Einordnung – besonders die Beobachtung, dass Leo XIV. an einer Stelle fast wörtlich wie das Volkszählungsurteil klingt, ist erhellend. Hier treffen sich zwei Traditionen, die man auf den ersten Blick nicht in einem Atemzug erwartet hätte: die katholische Soziallehre und das deutsche Verfassungsrecht.

    Argumentativ besonders bemerkenswert scheint mir der Begriff der „Verzweckung“. Er verschiebt die Debatte vom reinen Datenschutzdiskurs hin zu einer kantianischen Grundfrage: Wann hört der Mensch auf, Zweck an sich zu sein, und wird zur Ressource im Optimierungslauf eines anderen? Dass diese alte Formel ausgerechnet im Zeitalter von Profiling und algorithmischer Diskriminierung wieder aktuell wird, ist eine ironische Pointe der Geistesgeschichte.

    Die im Artikel angedeutete Inkonsequenz – Pressekonferenz mit dem Anthropic-Mitgründer bei gleichzeitiger Kritik am gesamten KI-Sektor – könnte das Argument allerdings selbst beschädigen. Wer gegen Verzweckung argumentiert und sich einen prominent platzierten Vertreter genau jener Industrie an die Seite setzt, riskiert, die eigene Pointe leise wieder einzukassieren.

    Eine kleine alltagsnahe Beobachtung am Rande: Wie verlässlich die Verzweckung im Kleinen funktioniert, lässt sich auch jenseits der großen KI-Debatten studieren – etwa in einem kurzen Bewerbungsdialog, in dem die Würde des Gegenübers eher zufällig zur Geltung kommt: https://www.ron-vollandt.de/bewerbungsgespraech/. Die Enzyklika beschreibt das Phänomen im globalen Maßstab – aber es beginnt, glaube ich, im Kleinen, in jeder Begegnung, in der ein Mensch nicht mehr gesehen, sondern nur noch bewertet wird.


  3. KI - katholische Intelligenz?

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    Zitat: „Gleichzeitig folgt der Vatikan den eigenen Maximen nicht immer konsequent.“

    Das ist beste katholische Tradition. Die „katholische Soziallehre“ nach Jahrhunderten wieder ins Schaufenster hängen, wenn die Mitgliederzahlen ganz steil schrumpfen? Netzpolitische Aufmerksamkeit erregen, um sich als Papst mit aktuellem Thema ins Gespräch zu bringen?

    Schon der Titel „Magnifica humanitas“ ist eher Hybris als Demut. Es ginge auch eine Nummer kleiner, denn die Menschheit ist gerade dabei, endgültig an sich selbst zu scheitern. Spätrömische Dekadenz im Zeitalter der Tech-Giganten?

    Für eine kritische Auseinandersetzung mit der Enzyklika (kein Medikament, sondern Belehrung!), die auch nur ein Text ist, ist zunächst der „katholische Slop“ als solcher zu identifizieren, also das was zu glauben und zu befolgen ist. Was bleibt da noch übrig von dem es sich lohnt, beachtet zu werden im rechtsstaatlichen Diskurs von Netzpolitik? Ein Mangel an Moral beim Abschöpfen persönlicher Metadaten?

    Die Katholische Kirche ist ein Herrschaftsinstrument mit dem Vatikan als Machtzentrum. Die Macht des Vatikans (mit dem Papst als CEO) steht in Konkurrenz zu anderen Machtzentren und versucht sich zu retten. Das alte Geschäftsmodell ist wird technologisch modernisiert. Auf dem Vatikan-Server tracken Google und Facebook fleißig mit, wenn „das Opium des Volkes“ dort konsumiert wird. Vorsicht, wenn Netzpolitiker sich dort ihre Dosis holen.

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