2026-10-16 200 30
Wir suchen noch 300 Brandschutzhelfer:innen
Unterstütze unseren Kampf für Grund- und Freiheitsrechte mit einer Dauerspende.
Jetzt mitmachen

Memes: Elif Eralp springt bei Sanifair übers Drehkreuz

Die Berichterstattung über die mögliche neue linke Berliner Bürgermeisterin Elif Eralp nimmt mittlerweile bizarre Formen an. Jetzt reagieren Nutzer:innen in sozialen Netzwerken und machen sich über FAZ & Co. lustig.

  • Markus Reuter
Elif Eralp zeigt ihre Kette mit der Aufschrift "Mietendeckel" in die Kamera?
Was Elif Eralp hier wohl schon wieder vorhat? – CC-BY-SA 4.0: Roy Zuo

In Sachsen-Anhalt droht eine Regierung unter der rechtsradikalen AfD und die Wahl von Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten. Doch seit dem Wahlsieg der Linken in Berlin hat sich der mediale Fokus von Sachsen-Anhalt zur Linkspartei und auf deren Spitzenkandidatin Elif Eralp verschoben.

Die kampagnenförmige Berichterstattung, über die wir auch im letzten Wochenrückblick geschrieben haben, fällt mittlerweile vielen auf – und sie hat im Netz ein neues Meme ausgelöst, was Elif Eralp schon wieder Böses angestellt habe.

Auf Bluesky, Mastodon, Threads, Instagram und Reddit beteiligen sich zahlreiche Nutzer:innen daran, die derzeitige Berichterstattung mit Humor zu kontern.

Elif Eralp bricht Spaghetti vor dem Kochen. Sie hat die Kehrwoche nicht beachtet und „von meinem Tellerchen gegessen“. Sie hat Weißglas in den Buntglas-Container geschmissen, ist schon einmal bei Rot über die Straße gegangen, hat Bonbonpapier neben den Mülleimer geworfen und teilt ihren Netflix-Account mit haushaltsfremden Personen.

In diesem Stil machen sich Menschen darüber lustig, dass die angeblichen Skandale immer kleiner werden, und zeigen zugleich, was sie von der Berichterstattung halten. Die taz widmete dieser Art von Journalismus sogar die heutige Titelseite.

Titelseite der taz mit Elif Eralp im Dirndl mit Bier und Headline "Berliner Linke war mal Münchnerin"
Echte taz-Titelseite vom 1. Oktober.
Screenshot eines gefälschten Artikels "Immer mehr Berichte: Elif Eralp springt bei Sanifair übers Drehkreuz"
Screenshot eines fiktiven SZ- Artikels, entstanden aus einem Bluesky-Post.
Gefälschter Artikel "Eralp liegt seit 20 Jahren die Socken nicht richtig zusammen"
Screenshot eines fiktiven Artikels.

Jüngster Aufreger in der Berichterstattung über die Berliner Linkspartei ist die ehemalige Mitgliedschaft von Elif Eralp in der Roten Hilfe, den die Frankfurter Allgemeine Zeitung durchs mediale Dorf treibt. Sie möchte der Bürgermeisterkandidatin damit anhängen, linksextrem zu sein. Der Landesverfassungsschutz erwähnt die Rote Hilfe in seinem Jahresbericht als mit „Abstand größte linksextremistische Organisation“ in Berlin. Die Information über die Mitgliedschaft stand transparent auf Eralps Profil-Webseite des Abgeordnetenhauses.

„Hexenjagd“ auf Elif Eralp

Die Rote Hilfe ist eine linke Rechtshilfeorganisation, die Angeklagte in Prozessen beispielsweise unterstützt, indem sie Anwaltskosten übernimmt. Der Verein und seine Vorgängerorganisationen gibt es seit mehr als 100 Jahren, er hat derzeit rund 20.000 Mitglieder. In Berlin ist die Littenstraße nach einem berühmten Anwalt aus dem Umfeld der Roten Hilfe benannt. Einem größeren Publikum wurde ihr Namensgeber Hans Litten durch die Fernsehserie Babylon Berlin bekannt.

Der SZ-Journalist Ronen Steinke nannte den Umgang mit der möglichen Bürgermeisterin von Berlin im ZDF-Morgenmagazin eine „Hexenjagd“. Die Rote Hilfe sei eine Nichtregierungsorganisation, die mittellosen Strafverfolgten eine rechtliche Verteidigung ermögliche.

Jeder habe das Recht auf eine Strafverteidigung in einem Rechtsstaat. „Und das ist keine Bekämpfung des Systems, sondern das ist das System“, sagte Steinke. Ihm bereite die frühere Mitgliedschaft von Eralp in der Roten Hilfe keine Sorge, sondern vielmehr diejenigen, die die Politikerin zunehmend „unsachlich skandalisieren und auf sie einprügeln“, so Steinke weiter.

Über die Autor:innen

  • Markus Reuter

    Markus Reuter recherchiert und schreibt zu Digitalpolitik, Desinformation, Zensur und Moderation sowie Überwachungstechnologien. Darüber hinaus beschäftigt er sich mit der Polizei, Grund- und Bürgerrechten sowie Protesten und sozialen Bewegungen. Für eine Recherchereihe zur Polizei auf Twitter erhielt er 2018 den Preis des Bayerischen Journalistenverbandes, für eine TikTok-Recherche 2020 den Journalismuspreis Informatik. Bei netzpolitik.org seit März 2016 als Redakteur dabei. Er ist erreichbar unter markus.reuter | ett | netzpolitik.org, sowie auf Mastodon und Bluesky.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP)


Veröffentlicht

Kategorie

Ergänzungen

Wir freuen uns auf Deine Anmerkungen, Fragen, Korrekturen und inhaltlichen Ergänzungen zum Artikel. Bitte keine reinen Meinungsbeiträge. Unsere Regeln zur Veröffentlichung von Ergänzungen findest Du unter netzpolitik.org/kommentare. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

23 Kommentare zu „Elif Eralp springt bei Sanifair übers Drehkreuz“


  1. Ketzer, der Belesene

    ,

    Man hat mir zugeraunt, dass sie auch mal über eine ROTE (!) Ampel gegangen ist.


  2. Hans Georg

    ,

    Auch wenn wir alle gegen den rechten Pöbel gemeinsam kämpfen:

    Die Polemik ist hier fehl am Platz.

    Das nichtzahlen auf der Sanifairtoilette (die ich auch meide!) ist ein Erschleichen von Leistungen nach § 265a StGB. Sowas „macht“ man nicht. Ist einem die Toilette zu teuer, geht man halt eben nicht drauf, und sucht sich eine Alternative.

    Von einer Spitzenpolitkerin, die auch noch entsprechende Diäten bezieht, darf man etwas mehr Einhaltung der rechtlichen Rahmenbediungen erwarten.


    1. Markus Reuter

      ,

      Du hast den Artikel nicht gelesen.


      1. Hans Georg

        ,

        Auch wenn Ihr Kommentar direkt unter meinem steht, dürften Sie mich kaum meinen.

        Wen aber dann?


        1. Markus Reuter

          ,

          Sie natürlich, denn wie aus dem Artikel hervorgeht, ist Frau Eralp nicht über ein Sanifair-Drehkreuz gesprungen. Sie hingegen sagen, dass Frau Eralp das nicht hätte tun sollen.


    2. Schropp

      ,

      Satire muss man als Satire erkennen wollen.


      1. Horst Schlämmers Abklatsch

        ,

        ICH habe ein Video gesehen, da ist sie mit links über das Wasser gegangen.
        .
        Isch schwör.


        1. Anonym

          ,

          „mit links über das Wasser gegangen.“

          Also einbeinig huepfend?


    3. HansGeorg, really?

      ,

      Im Gegensatz zu den meisten anderen DruKos glaube ich, dass Sie die Satire als solche erkannt haben aber den Witz unangebracht finden.

      § 265a StGB ist ein Naziparagraph und als Straftat ziemlich einzigartig auf der Welt. Überall sonst ist das eine Ordnungswidrigkeit.

      Wer sonst irgendwo hinpinkelt begeht nur eine Ordnungswidrigkeit, wenn kein Exhibitionismus oder Sachbeschädigung vorliegt. Andere Alternativen fallen mir an einer Autobahn nicht ein.

      § 265a StGB abschaffen, SaniFair enteignen, kostenlose Toiletten überall und dann reden wir weiter über „was man nicht macht“.


  3. Ist schon unglaublich, wie hier Meinung gemacht werden soll. Ich frage mich, ob es den Medien dabei völlig egal ist, dass sie sich sehr offensichtlich vor ganz bestimmte Karren spannen (lassen) – oder ob sie die Bevölkerung wirklich für so blöd halten, dass es niemandem auffällt. (Abgesehen von den Medien/Journalisten, die wirklich das Ende der Welt heraufziehen sehen, falls eine LINKE!!! ALARM!!! in Berlin an die Regierung kommen sollte.)


  4. Thorsten

    ,

    Rechtsbeistand zu leisten ist legitim. Der Verfassungsschutz weist in seinem Bericht aber darauf hin, dass der Verein Rote Hilfe e.V. darüber hinaus den Rechtsstaat deIegitimiert und *daher* aIs Iinksextremistisch eingestuft wird.

    Das gehört zur Wahrheit dazu.


    1. Anonym

      ,

      Wenn ich das richtig verstanden habe, lehnt die Rote Hilfe jede Zusammenarbeit der Unterstützten mit den als Repressivorganen abgesehen Behörden und Gerichten ab, und gewährt nur bei entsprechendem Verhalten Unterstützung.

      Das ist nicht akzeptabel für jemanden, der ein leitendes Amt in der Exekutive anstrebt. Sie ist allerdings ausgetreten, könnte sie ja mal begründen.


      1. Markus Reuter

        ,

        Sie hat ja begründet, dass sie in Teilen die politischen Ideen der Roten Hilfe nicht teilt. Sie ist auch nicht mehr Mitglied. Es ist eine aufgebauschte und durchsichtige Story, um Frau Eralp anzuhängen, sie sei linksextrem. Das genau kritisieren die Leute in dem Meme.


        1. Anonym

          ,

          Das ist mir klar, danke.

          Wird von Eralps Seite und auch in diesem Artikel leider nicht klar kommuniziert, auch nicht mit dem Kontext der eigenen realen wie angestrebten Position. Der Schwerpunkt linker Öffentlichkeitsarbeit in diesem Fall scheint Empörung und Verteidigung der RH zu sein. Damit gewinnt man primär in der eigenen Bubble Punkte, und Eralp will Regierende Bürgermeisterin einer breiteren Koalition werden.


  5. Martina

    ,

    Die LINKE stellt die Eigentumsfrage (im Rahmen des GG). Ist doch klar, dass das Kapital und dessen Lakaien durchdrehen.


    1. Horst Schlemmers Mundgeruch

      ,

      Wenn es dann dein Eigentum betrifft, wirst du anders reagieren.


    2. Anonym

      ,

      Eralps groesstes Problem duerfte die eigene Partei sein, die Regierungsbeteiligung zT aus Prinzip oder aus Kompromisslosigkeit ablehnt. Mit 25% der Stimmen ist man halt nur einer von mehreren Koalitionspartnern, und dann gibt es da noch unbequeme aber als Regierung nicht ignorierbare Realitaeten wie zB die Finanzen.


      1. weil die Linke also eine Regierungsbeteiligung ablehnt stellt sie eine Oberbürgermeisterin auf.
        es ist doch eher die SPD die sich sträubt mit der linken zu koalieren. Man könnte Unternehmer gegen sich aufbringen und Aufsichtsrat Posten verspielen.

        und warum sollten Finanzen unangenehm sein? auf Bundesebene war die Linke die einzige Partei, die ein finanzierbares Konzept aufgestellt hatte. wie das in Berlin ist, hab ich geprüft. aber weniger Finanz kompetenz als die CDU wird die Linke auch dort nicht haben.


  6. Ist euch eigentlich klar, dass Elif Eralp sogar USB-Sticks aus dem Port zieht, ohne sie vorher sicher zu entfernen?


    1. Freidenker

      ,

      Malte: Elif Eralp trinkt sogar Wasser aus der Leitung. Auf ex! xD

      Elif Eralp kennt keine Angst. Die Angst kennt sie!

      Elif Eralp sucht nicht bei Google, Google fragt Elif.

      Und sie trinkt ihren Kaffee schwarz – ohne Wasser. xDDD


  7. Bit-te-1-Bit und das gute XUNIL

    ,

    Herrlich, Humor auf Netzpolitik :) Muss auch sein.

    Nur so am Rande .… Elif kann Hardware downloaden :):)


  8. Anonym

    ,

    In Berlin ist sogar das Oberstufenzentrum für Recht und Wirtschaft nach Hans Litten benannt.
    Fände ich noch eine gute Ergänzung zum Artikel.

    https://www.hans-litten-schule.de/ueber-uns/hans-litten


  9. Ich hoffe nur, Frau Eralp hat ein wirklich dickes Fell und genug emotionale Unterstützung! Diese Hetzkampagne war zwar zu erwarten, aber ich stelle mir das trotzdem sehr beängstigend vor, sich da als Ziel wiederzufinden. Und ich fürchte, da geht noch mehr! Das wird noch richtig eklig werden, was da an Dreck über sie ausgeschüttet wird.
    Wenn man sich anguckt, wer in der Politik wie auf wen reagiert, sieht man ja sehr genau, wessen Geistes Kind die Leute sind. Keine Überraschung, aber trotzdem widerlich.

Schreibe eine Ergänzung!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert