EU vs. MetaFacebook und Instagram sollen härter gegen Kinder-Accounts vorgehen

Die EU-Kommission wirft Meta vor, Kinder unter 13 Jahren nicht wirksam von Instagram und Facebook fernzuhalten und damit gegen den Digital Services Act zu verstoßen. Vizepräsidentin Henna Virkkunen stellte heute parallel neue Leitlinien für den Einsatz der Altersverifikations-App der Kommission vor.

  • Chris Köver
Frau mit Brille in weißem Blazer an Pult
EU-Vizepräsidentin Henna Virkkunen bei der Vorstellung der Altersverifikations-App im April 2026. – Alle Rechte vorbehalten: IMAGO / Anadolu Agency

Facebook und Instagram tun zu wenig, um Kinder unter 13 Jahren von ihren Plattformen fernzuhalten. Das hat die Europäische Kommission heute nach zwei Jahren Untersuchung vorläufig festgestellt. Die beiden Plattformen des Mutterkonzerns Meta hätten Risiken für Minderjährige nicht sorgfältig genug identifiziert und damit gegen Auflagen des Gesetzes über Digitale Dienste (DSA) verstoßen.

Die Ansage fällt in eine Zeit, in der die EU-Kommission unter großem Druck steht, EU-weit wirksame Alterskontrollen durchzusetzen. Unter anderem Frankreich, Dänemark und Griechenland haben Social-Media-Verbote für Kinder und Jugendliche angekündigt. Sie fordern von der EU, die Plattformen zu harten Alterskontrollen zu zwingen. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und mehrere deutsche Minister*innen haben Sympathien für ein solches Verbot bekundet. Die Entwicklung hat Fahrt aufgenommen, nachdem Australien als erster Staat weltweit Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren den Zugang zu Social Media verwehrt hatte.

Parallel zu der Ankündigung stellte die EU heute Vormittag neue Leitlinien für den Einsatz ihrer Altersverifikations-App vor. “Unsere Lösung zur Altersverifikation muss Hand in Hand mit der starken Durchsetzung des DSA gehen”, sagte Digitalkommissarin Henna Virkkunen in einem Pressestatement, bevor sie zu den Untersuchungsergebnissen zu Meta überleitete.

Die App soll laut Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen “fertig” sein, wird allerdings von Sicherheitsexpert*innen massiv kritisiert, weil sie unsicher und leicht manipulierbar sei. Fachleute warnen zudem seit Monaten vor den Konsequenzen harter Alterskontrollen im Internet. Die damit geschaffene Infrastruktur sei unsicher und gefährde die Anonymität im Internet.

Vorbeugen, identifizieren, entfernen

Das Gesetz über digitale Dienste sieht keine Pflicht zu Alterskontrollen vor, sondern empfiehlt diese als eine mögliche Maßnahme, mit der Plattformen das Risiko für Kinder und Jugendliche mindern und sich an die Auflagen halten können.

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Konkret wirft die Kommission Meta vor, entgegen der eigenen Geschäftsbedingungen, die ein Mindestalter von 13 Jahren vorsehen, Konten zu lax zu prüfen. Kinder unter 13 Jahren könnten bei der Registrierung einfach ein falsches Geburtsdatum angeben und sich so Zugang verschaffen. Auch seien die Möglichkeiten, Konten von Minderjährigen zu melden, zu kompliziert und die Meldungen würden nicht konsequent verfolgt.

Die Kommission zweifelt auch an der Risikobewertung, die Meta wie alle großen Plattformen im Rahmen des DSA abgeben musste. Die Bewertung widerspreche Erhebungen, die darauf hindeuteten, dass etwa 10 bis 12 Prozent der Kinder unter 13 Jahren auf Instagram oder Facebook zugreifen. Meta müssen seine Maßnahmen “stärken”, um solchen Registrierungen vorzubeugen, entsprechende Konten zu identifizieren und zu entfernen. Die Untersuchungsergebnisse seien vorläufig und keine finale Bewertung, sagte die Kommission.

Meta widerspricht

Meta widerspricht den Feststellungen: „Wir stellen klar, dass Instagram und Facebook für Personen ab 13 Jahren bestimmt sind, und wir haben Maßnahmen getroffen, um Konten von Personen unter diesem Alter zu erkennen und zu löschen“, erklärte ein Sprecher. Das Unternehmen werde weiterhin mit der EU zusammenarbeiten.

Der Konzern kann nun schriftlich auf die Vorwürfe reagieren und Einwände vorbringen. Gelangt die Kommission im nächsten Schritt dennoch zu dem Schluss, dass die Maßnahmen nicht ausreichen, droht eine Geldbuße von maximal 6 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Meta verzeichnete für das Jahr 2025 einen Umsatz von 201 Milliarden US-Dollar.

Die Kommission hat die Untersuchung gegen Meta bereits im Jahr 2024 angestoßen. Parallel zum aktuellen Verfahren zum Schutz von Minderjährigen laufen weitere Untersuchungen, unter anderem zu süchtigmachenden Mustern auf Facebook und Instagram sowie Melde- und Beschwerdesysteme für illegale Inhalte.

Über die Autor:innen

  • Chris Köver
    Darja Preuss

    Chris Köver recherchiert und schreibt über Migration, biometrische Überwachung, digitale Gewalt und Jugendschutz. Recherche-Anregungen und -Hinweise gerne per Mail oder via Signal (ckoever.24). Seit 2018 bei netzpolitik.org. Hat Kulturwissenschaften studiert und bei Zeit Online mit dem Schreiben begonnen, später das Missy Magazine mitgegründet und geleitet. Ihre Arbeit wurde ausgezeichnet mit dem Journalistenpreis Informatik, dem Grimme-Online-Award und dem Rainer-Reichert-Preis zum Tag der Pressefreiheit.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP), BlueSky, Mastodon, Signal: ckoever.24


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Ein Kommentar zu „Facebook und Instagram sollen härter gegen Kinder-Accounts vorgehen“


  1. Netznutzer

    ,

    „Auch seien die Möglichkeiten, Konten von Minderjährigen zu melden, zu kompliziert und die Meldungen würden nicht konsequent verfolgt.“

    Was für eine Denunzierungsideologie muss man eigentlich verfolgen, wenn man öffentlich solche Aussagen tätigt? Was für ein Menschenbild von Minderjährigen als vollkommen hilflosen Wesen ohne eigenen Willen steht dahinter?

    Wenn, dann müsste die Forderung doch lauten, dass es bessere Meldesysteme und Hilfsangebote für Minderjährige selbst, die Probleme haben oder belästigt werden, aber auch für volljährige Nutzer, geben sollte.

    Auch Minderjährige haben ein Recht auf digitale Teilhabe. Die EU sollte sich lieber darauf beschränken, soziale Netzwerke für alle Altersklassen besser zu machen und die Mitgliedsstaaten dazu auffordern, mehr in Bildung, Aufklärung und Prävention zu investieren, um Minderjährigen die Möglichkeit zu geben gestärkt und selbstbestimmt im Netz agieren zu können.

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