DigitalzwangIn zweifacher Hinsicht abgehängt

Drei Millionen Menschen sind hierzulande dauerhaft offline. Sie sind damit doppelt benachteiligt: Denn erstens sind „Offliner*innen“ meist auch im Analogen weniger privilegiert. Und zweitens gibt es mehr und mehr Service-Angebote nur noch im digitalen Raum. Doch auch für alle anderen bietet die Zwangsdigitalisierung nicht nur Vorteile.

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Drei Millionen Menschen sind hierzulande dauerhaft offline, – Alle Rechte vorbehalten IMAGO / Design Pics

All jene, denen das Smartphone schon mal ins Klo gefallen ist, kennen vermutlich das Gefühl, von der digitalen Welt abgeschnitten zu sein. 49-Euro-Ticket: weg. TAN-App fürs Online-Banking: weg. Zweiter Faktor, um sich sicher in die Social-Media-Accounts einzuloggen: weg.

Dauerhaft offline sind hierzulande drei Millionen Menschen, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag für das Jahr 2023 mitteilte. Sie sind damit gleich in doppelter Hinsicht abgehängt: Denn offline sind vor allem Menschen, die weniger privilegiert sind. Und zugleich gibt es mehr und mehr Service-Angebote nur noch im digitalen Raum.

Mehr als 5 Prozent sind dauerhaft offline

Drei Millionen „Offliner*innen“ sind etwas mehr als fünf Prozent der Gesamtbevölkerung im Alter zwischen 16 und 74 Jahren. Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich etwas unter dem Durchschnitt von sechs Prozent. Immerhin haben sich die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr um je einen Prozentpunkt verbessert: Für 2022 meldete das Bundesamt sechs Prozent Offliner*innen in Deutschland und sieben Prozent im europäischen Durchschnitt.

Karte Europas zur Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnik in Haushalten und durch Einzelpersonen
Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnik in Haushalten und durch Einzelpersonen - Alle Rechte vorbehalten Eurostat

Grundsätzlich gibt es verschiedene Gründe, warum Menschen nicht online sind. Manchen mangelt es an Geld für die dafür erforderlichen Geräte und/oder den Zugang. Oder es fehlt an Barrierefreiheit. Manche ziehen die „klassischen“ Medien vor und vermissen darüber hinaus nichts. Und manche würden zwar gerne online gehen, trauen sich den Umgang mit dem Internet aber nicht zu. Nicht zuletzt gibt es auch die – oftmals berechtigte – Skepsis, dass die eigenen Daten digital wirklich sicher sind.

Laut Statistischem Bundesamt variiert der Anteil der Offliner*innen je nach Altersgruppe, Geschlecht, Bildungsgrad und Einkommen. So waren in der Altersgruppe der 65- bis 74-Jährigen rund 15 Prozent noch nie online. Für die noch Älteren erfasst Eurostat keine Daten. Die Studie „Hohes Alter in Deutschland“ (D80+) stellt allerdings fest, dass im Jahr 2022 nur 37 Prozent der Menschen ab 80 Jahren das Internet nutzten. Und unter ihnen waren deutlich mehr Männer (52 Prozent) als Frauen (29 Prozent).

Noch deutlicher sind laut Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend die Unterschiede in der Altersgruppe der „Hochaltrigen“ beim Einkommen:

Während die Mehrheit der hochgebildeten (59 Prozent) und einkommensstarken (67 Prozent) Hochaltrigen online ist, sind es bei den Niedriggebildeten (16 Prozent) und Einkommensschwachen (22 Prozent) signifikant weniger.

Ältere Menschen stehen der Internetnutzung – anders als einige meinen – mehrheitlich aber nicht skeptisch oder ablehnend gegenüber. Das sagt zwar ein Drittel der Befragten, ebenso viele stehen der Nutzung moderner Technik jedoch aufgeschlossen gegenüber.

Ähnliche demographische Unterschiede gibt es auch bei den jüngeren Altersgruppen. So stellte der D21-Digitalindex 2021/22 fest, dass 70 Prozent der befragten Offliner*innen Frauen waren, 76 Prozent niedrige und 13 Prozent mittlere Bildung hatten sowie mehr als die Hälfte über ein Haushaltsnettoeinkommen von weniger als 2.000 Euro verfügte. Und der Paritätische Gesamtverband wies in einer Kurzexpertise im vergangenen Jahr darauf hin, dass ein Fünftel der armutsbetroffenen Menschen keinen eigenen Internetanschluss hat.

Laut eGovernment MONITOR 2023 sind 80 Prozent der Menschen mit hoher Bildung in der Lage, das Online-Angebot von Behörden und Ämtern zu nutzen, aber nur gut zwei Drittel mit mittlerer und nur etwas mehr als die Hälfte der Menschen mit niedriger Bildung sind dazu in der Lage.

Tabellarische Darstellung zur eGovernment-Kompetenz nach Bildung
eGovernment-Kompetenz nach Bildung - CC-BY 2.0 Initiative D21

Nicht-digitale Optionen werden rar

Es ist aber nicht allein der Mangel an Bildung oder Geld, der von der Nutzung digitaler Angebote ausschließt. Der Paritätische Gesamtverband kam in der oben erwähnten Studie aus dem Jahr 2023 zu dem Ergebnis, dass digitale Teilhabe auch damit zu tun hat, ob Menschen im Alltag die Gelegenheit zu digitaler Praxis haben.

Während viele Erwerbstätige Gelegenheit haben, über ihren Beruf digitale Kompetenzen auf- und auszubauen, spielen digitale Arbeitsmittel bei von Armut betroffenen Erwerbstätigen kaum eine Rolle. Zwei Drittel der Armutsbetroffenen gaben an, beruflich nie Laptop, Smartphone oder Tablet zu nutzen, über die Hälfte hat auch sonst beruflich nie mit digitalen Anwendungen oder Programmen zu tun.

Wenn es also immer mehr Angebote und Dienstleistungen des täglichen Lebens nur noch digital gibt, dann schließt das Menschen aus – und zwar vor allem jene, die ohnehin weniger privilegiert sind. Noch gibt es für fast alles eine nicht-digitale Option, aber die Richtung ist klar: Die Bank- und Postfilialen verschwinden nach und nach. Dauerfahrkarten und die Bahncard soll es künftig nur noch digital geben. Und immer mehr Service-Angebote setzen auf Chat-Bots statt auf Telefon-Hotlines.

Auch die Bundesregierung schickte im vergangenen Jahr einige rein digitale Testballons los: Für Studierende gab es eine 200-Euro-Einmalzahlung – aber nur für jene, die über ein BundID-Konto verfügten. 18-Jährige erhielten mit dem Kulturpass ebenfalls 200 Euro – but digital only. (Den gibt’s übrigens auch in diesem Jahr. Aber wer zu spät geboren ist, den*die bestraft das Leben. Denn dieses Jahr gibt’s nur die Hälfte.) Und Bundesverkehrsminister Volker Wissing wurde vor einem Jahr nicht müde, bei jeder Gelegenheit zu betonen, dass das 49-Euro-Ticket nur digital zu haben sei.

Die Bahn verkündete kürzlich, dass es auch die Bahncard fortan nur noch digital gibt. Im Kleingedruckten findet sich immerhin der Hinweis, dass es für alle ohne Smartphone auch ein Ersatzdokument gibt – nur: Auch dafür ist ein Online-Kundenkonto nötig. Ebenso gibt es für viele Studierende das Semesterticket nur noch digital. Wer lieber eine physische Karte haben möchte, muss das beispielsweise in Rostock per Antrag schriftlich begründen.

Akku alle? Selber schuld!

Dabei bietet der Digitalzwang keineswegs nur Vorteile, wie auch eine – völlig unwissenschaftliche – anekdotische Umfrage in verschiedenen sozialen Netzwerken ergab.

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Von knapp 80 Reaktionen fand sich etwa ein Viertel schon mal in der Situation wieder, dass sich ihr Smartphone vor einer Ticketkontrolle komplett entladen hatte. 15 weitere beschrieben Schwierigkeiten mit der DB-App: Die zeigte das gültige Ticket nicht an oder loggte Nutzer*innen aus unerfindlichen Gründen aus, und nicht alle hatten ihr Passwort parat. Auch Funklöcher verhindern zuweilen, dass die Bahn-App die Tickets herunterlud – insbesondere im Regionalverkehr, wo es auch nicht immer Steckdosen gibt. Ähnliches wurde über ÖPNV- und Semestertickets berichtet.

Bislang tolerieren die Schaffner*innen derlei Probleme mit Smartphones und digitalen Tickets offenbar noch meist. Allerdings sollte sich niemand auf deren Kulanz verlassen. Denn offiziell sehen etwa die Bestimmungen der Deutschen Bahn vor, dass bei technischen Störungen nachgezahlt werden muss.

Auch mutmaßten einige der Befragten, die schon mal ohne gültigen Digital-Fahrschein erwischt worden waren, dass die Schaffner*innen sie vielleicht anders behandelt hätten, wenn sie nicht weiß gewesen wären. Fast alle beschrieben, dass sie (mittlerweile) vorsichtshalber Tickets zusätzlich ausdrucken – was den Sinn der Digitalisierung der Fahrkarten in Frage stellt.

In Zukunft wird es wahrscheinlich viel mehr Angebote und Dienstleistungen geben, die ausschließlich digital verfügbar oder deren nicht-digitale Alternativen schwer zu finden sind. Das wird die digitale Kluft weiter vertiefen, die schon jetzt viele von den digitalen Annehmlichkeiten oder auch Notwendigkeiten ausschließt. Die Bundesregierung täte gut daran, die Entschließung zur Digitalen Kluft vom Dezember 2022 zu berücksichtigen, in der das Europäische Parlament betont:

dass viele tägliche Dienste eine nicht digitale Lösung bieten sollten, um den Bedürfnissen derjenigen Bürger gerecht zu werden, die nicht über die für die Nutzung von Online-Diensten erforderlichen Fähigkeiten oder Kenntnisse verfügen, die Dienste offline nutzen möchten oder die keinen Zugang zu digitalen Geräten und Anwendungen haben.

Apropos Bedürfnisse. Wer diesen Text jetzt zufällig auf der Toilette liest, sollte – falls noch nicht geschehen – ein Backup des eigenen Smartphones erwägen. mobilsicher.de hat dazu gute Tipps.

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26 Ergänzungen

  1. „Ich bin in der Lage, das Online-Angebot von Behörden und Ämtern zu nutzen, sofern es eins gibt.“

    In der Lage dazu wäre ich wohl, aber ich würde das aus guten Gründen niemals tun!

    Welche Umfragemethode könnte das abbilden, wenn es denn wirklich interessieren würde, warum Digitalangebote verschmäht werden?

    Im Übrigen nehme ich an keinen Umfragen mehr teil, weil ich mir nicht sicher sein kann, dass die Ergebnisse doch gegen meine Interessen verwendet werden.

    1. Was ist Menschen die zB in Einrichtungen wie der Lebenshilfe leben? Manche werden immer vom Internet ausgeschlossen bleiben. Da für manche selbst die Pinn eingeben zu schwierig ist, gibt es dort eine Art „Filiale“ in dem Dorfvon der Einrichtung. Es sollte ein Recht auf Analog geben zB für alle Verkehrsverbünde für das Deutschland Ticket eine Chipkarte nach Wunsch. Und warum ist Steuererklärung nur noch über Elster online möglich?es geht doch um gesellschaftliche Teilhabe von allen nach der UN-konventionen

      1. Hallo Kerstin, ich stimme dir sowas von zu. Auch ältere Menschen sind immer auf Hilfe angewiesen, schon alleine beim Ausfüllen von behörtlichen Dokumenten. Ich denke diesbezüglich besonders an meinen 90jährigen Vater.
        Karin mit lieben Grüßen

  2. Diese Entwicklung entstand sicher nicht im luftleeren Raum und dass sie sich erst jetzt so durchsetzt, obwohl sie schon länger technisch möglich gewesen sein dürfte, mag auch Gründe haben.

    Während der Pandemie haben sich jedenfalls erschreckend viele Menschen wie selbstverständlich dazu bereit gezeigt, sich jederzeit digital auszuweisen, dabei sogar ihre intimen Gesundheitsdaten offenzulegen und das Smartphone zu zücken, um Einlass, Zugang und Teilhabe gewährt zu bekommen. Sei es mit der CWA oder der Luca-App, obwohl letztere bekanntermaßen ein Datenschutzdesaster war und erstere zumindest wegen möglicher Gewöhnungseffekte bereits hätte scharf kritisiert werden müssen. Waren diese digitalen Tools in ihrem Beitrag zur Pandemiebekämpfung bestenfalls fragwürdig, so können die daran geknüpften Praktiken vielleicht aber als eine Art erfolgreiches Nudging-Großexperiment im Schockmoment verbucht werden.

    Die Erfahrung dürfte an Staat und Konzernen zumindest nicht vorrüber gegangen sein und sie haben womöglichdie Gelegenheit erkannt, dass sie zukünftig in vielen bereichen nur noch digitale Nachweise akzeptieren können und dafür überwiegend Akzeptanz und Compliance ernten. Der Vorteil für sie ist offensichtlich, weil darüber umso mehr Daten erfasst werden können, die sie aus machtpolitischen und kommerziellen Interessen verwerten können. Und auf dieser Grundlage lassen sich dann natürlich noch invasivere, repressivere, ausbeuterische Infrastrukturen aufbauen.

    1. Die Adjektive “repressiv”, “invasiv” und “ausbeuterisch” beschreiben bereits einen Zustand oder eine Handlung, die in ihrer Natur extrem sind. Sie lassen sich nicht steigern, weil sie schon eine Art Grenze des Verhaltens oder Zustands darstellen. Es gibt keine Grade von “tot” oder “blind”, ähnlich wie es keine Grade von “repressiv”, “invasiv” oder “ausbeuterisch” gibt. Diese Wörter sind also in ihrer Bedeutung absolut und unveränderlich in Bezug auf ihre Intensität. Wer deine Daten will, sammelt doch nur Datenmüll, sry bre.

  3. Dieses digitale Ausschließen von Menschen an der sozialen Teilhabe darf niemals zum Standard werden.

    Auch gesetzlich nicht.

    Es darf nicht sein, dass Menschen in Whatsapp-Gruppen gezwungen werden. Es darf nicht sein, dass das Deutschlandticket nur mit Abgabe deiner persönlichen Daten erhältlich ist.

    Das muss so verboten sein, wie durch die Zahl null zu teilen.

    Aber die Regierung…

  4. „All jene, denen das Smartphone schon mal ins Klo gefallen ist, kennen vermutlich das Gefühl, von der digitalen Welt abgeschnitten zu sein. 49-Euro-Ticket: weg. TAN-App fürs Online-Banking: weg. Zweiter Faktor, um sich sicher in die Social-Media-Accounts einzuloggen: weg.“

    Um das zu korrigieren; das betrifft nur die Leute die nicht gelernt haben, wie man Redundanzen bildet und ihr ganzes Online Leben an ein Gerät binden – das ist so, wie wenn man sich ein Fahrradschloß kauft und absichtlich den Ersatzschlüssel wegwirft.

      1. Wohl eher „Lebe stets so, dass es in deinem Leben keinen Single Point of Failure gibt.“

        Anderes vergleichbares Beispiel: Viele Frauen haben in ihrer Handtasche gerne Smartphone und Portemonnaie, sodass beides weg ist, wenn ihnen die Handtasche gestohlen wird und sie erstmal zig Karten sperren und Dinge wie den Perso etc. neu beantragen müssen. Und wenn ich andererseits jedesmal einen Euro bekommen hätte weil ein Mann sein Portemonnaie in der Gesäßtasche trägt und unironisch sagt „Ich merke das schon.“ obwohl die Kripo schon seit Jahrzehnten vor der klassischen Gruppenstrategie „Vorne einsauen und von hinten anrempeln“ warnt… *seufz*

  5. Der Digitalisierungs-/Smartphone-/Appzwang betrifft ja nicht nur die Bahn.

    Ohne Smartphone mit neuestem Android etc. bekommt man im Katastrophenfall auch keine Warnung mehr. Sirenen gibt es keine mehr, weil „der Russe“ harmlos ist, und die Bürger wären auch angeblich zu blöd, die 3 verschiedenen Signale zu lernen. Lautsprecherdurchsagen? Selten so gelacht.
    Sich in einer *echten* Katastrophe (Flut?), in der Funkmasten zerstört werden, Netze überlastet sind, Elektrizität weg ist, ausschließlich auf ein elektronisches Gerät zu verlassen, grenzt schon an Idiotie. Das funktioniert doch noch nicht einmal unter Testbedingungen.

    Danke, Bahn. Ich hatte erwogen, mal öfter die Öffis zu nutzen. Vergesst es! Auch Bustickets gibt es bei uns nur noch per App, und für das Share-eBike braucht man auch eine App. Wenn wenigstens sämtliche Funklöcher gestopft wären. Ich müsste also mit dem Bus aus dem Funkloch rausfahren, um eine Fahrkarte zu lösen? Warum wohl fahre ich Auto, solange es irgend geht?

    Es soll übrigens auch Leute geben, die sehbehindert sind, und ungern in aller Öffentlichkeit private Daten laut in eine – in aller Regel fehlerhafte – Spracherfassung schreien wollen.

    1. Sind Sie aus dem Bereich? Sie haben nämlich sowas von Recht, aber haben Sie schon bemerkt, wie schwierig es ist, absoluten (aber von sich überzeugten) „technischen Nichtwissern“ zu erklären, warum Digitales kein Allheilmittel ist?

      Drahtlose Technik ist in einer perfekten Welt (fast) perfekt. Drahtlose Technik ist aber auch supereinfach zu stören. Da nützt mir auch kein noch so gutes Empfangsgerät, wenn jemand böswillig stören will.

      Unter einer Stromleitung stehend funktionierte meine Autofernbedienung nicht oder nur 20cm vom Fenster weg.

      In München bekam ich mit, wie ein User vergeblich versuchte, einen E-Scooter zu mieten. Kriegte wohl keine Verbindung zum Server…

      Und wenn dann demnächst die Bahn (was sie darf, ist ja legitim) die Verantwortung für eine funktionierende Hardware auf den Kunden schiebt (der hat dann keine Chance mehr den „erhöhten Beförderungskosten“ zu entgehen) kann ich nur viel Spass wünschen.

  6. An eine Gruppe, die durch den faktischen Ausschluss vom digitalen Leben diskriminiert wird, ist aus Gründen der üblichen Ignoranz kaum jemand bereit zu denken: Die Schwerbehinderten. Wer wie ich eine gelähmte Hand hat und schlecht sieht, kann meist zu Hause am Schreibtisch mit Licht und einer festen Unterlage den PC und ein Handy bedienen, aber nicht in einen fahrenden Bus. Aber genau dort braucht man z. B. an meinem Wohnort ein Handy, um an die günstigen Kurzstreckentickets zu kommen. Bald gibt es auch keine Bahncard mehr ohne Handy. Ich wünsche allen Entscheidern, die so erwas zu verantworten haben, dass ihnen zumindest für eine Woche eine Hand abfällt, um selbst einmal die Erfahrungen zu machen, die ein Behinderter jeden Tag aushalten muss.

    1. Sie brauchen gar nicht mal soweit zu gehen.
      Auch alte, gar nicht technikaffine Menschen werden benachteiligt.

      Und ich bin der Ansicht, dass selbst heute technisch fitte 30 jährige in einiger Zukunft (wenn sich nicht grundlegend etwas ändert) ebensolche Probleme haben. Fähigkeiten, insbesondere auch die technische Auffassungsgabe, gehen nun mal verloren, das ist ein Problem des Alterns.

  7. Diese Zwangsdigitalisierung gehört verboten. Und überhaupt hätte die ganze Datenverarbeitung dem Bussinbess-Bereich vorbehalten blöeinben sollen. Wäre besser für die gesammte Menschheit. Denn es ist längst nachgewiesen: Mit Zunahme der Digitalisierung ist eine Abnahme von Intelligenz verbunden. Das Gehirn des Menschen wird weniger beansprucht, der Mensch v erlässt Sich immer mehr auf die KI. Ist z.B. schon vor längerer Zeit bei Londoner Taxifahrer nachgewiesen. Seit Die immer mehr mit Navi und Co. arbeiten, verblassen die Londoner Stadtpläne in den Köpfen der Taxifahrer, Was ja bekanntlich vor Navi-Zeiten Pflicht war, um eine Taxi-Lizens zu erhalten, immer mehr. Und Dies ist nur ein einziges Beoispiel von Vielen.
    Abrr auch die ITZ-Kriminalität wird noch in ungeahne Höhen schießen. Glücklich ist, Wer noch ohne Smartophoner ud Co auskommt. Ja Das ist sogar gut möglich. Jedred sollte für Sich Selbst entscheiden können wie weit und mit Was Er digitalisieren will. Dieser Zwang gehört schnellstens gesetzlich verboten. Eigentlich müsste gerade da die Datenschützer gregelrecht auch die Barrikaden gehen. Und Nein, ich bin kein Digitalisierungsgegner, aber die Digitalisierung sollte mit Verstand und nicht, wie leider geschieht, im Unverstand gemacht werden. Es muss nicht jeder „Pippifax“ digitalisiert werden.

    1. Es ist schick geworden, jeden zweiten Satz mit dem Wort „Digitalisierung“ zu verzieren, was uns täglich viele Politiker beweisen.

      Digitalisierung hat durchaus Vorteile. Allerdings sollte es in Bereichen passieren wo es einen Sinn ergibt.

      Zum Beispiel:
      – wenn unterschiedliche Behörden, sachbezogen, verschlüsselte digitale Dokumente miteinander austauschen können
      – wenn Verkehrsströme durch entsprechende Sensorik und Programme gesteuert und optimiert werden
      – wenn gefährliche Arbeiten durch Roboter erledigt werden können

      Sinnlos ist es, wenn 84 Millionen Bürger eine Technik vorhalten sollen um gelegentlich den Kontostand abzufragen, Online zu shoppen oder alle 10 Jahre einen neuen Perso zu beantragen, nur, weil sie zu bequem oder faul geworden sind. Das ist außerdem nicht sonderlich nachhaltig in Bezug auf unsere Ressourcen. Dazu gehört Strom, Treibstoff, Bodenschätze, unendlich viele Server, Netzkomponenten, Leitungen, Personal.

      Ich glaube, wir alle müssen unser Konsum- und Sozialverhalten überdenken – und gelegentlich auch das ein oder andere sein lassen.

  8. Ich sehe mich inzwischen durchaus in dieser Gruppe, OBWOHL ich dgitale Dienste nutze. Allerdings bequem zu Hause vom PC mit 24-Zoll-Bildschirm aus. Ich verstehe nicht, warum inzwischen so viele Dienste nur noch via „App“ verfügbar sind? Wir leben im Zeitalter von „Responsive Webdesign“, sprich man kann Webseiten so machen, dass sie sowohl auf PC wie auch auf Mobilen Geräten (und alles dazwischen) funktionable sind! Aber die Firmen programmieren lieber Apps, weil damit Überwachung möglich ist, die im Browser mit Cookie-Zustimmung nicht mehr möglich ist.

    Niemals würde ich Bankgeschäfte von einem mobilen Endgerät machen, wo in der Tat der Verlust des Gerätes durch Unachtsamkeit, Diebstahl o.ä. droht. Mein Smartphone ist für mich Kommunikationsmittel (Messenger!), Kamera, Navigationshilfe, etwas daddeln und ein paar Webseiten zwischendurch. Dementsprechend wenige Apps sind dort drauf. Alles andere mache ich stationär von zu Hause aus.

  9. Wäre es möglich, die Werte auf der Karte zu erläutern? Was bedeutet zum Beispiel „≥0.08 zur 1.1” genau? Wer wurde erfasst, Personen oder Haushalte? Wie wurden die Daten ermittelt? Handelt es sich um geschätzte interpolierte Werte?

    1. Ich schätze, dass „≥0.08 zur 1.1” einer automatischen Übersetzung zum Opfer gefallen ist, in der englischen Version heißt es da „≥0.08 to 1.1” . Das ‚zur‘ müsste also eigentlich ‚bis‘ heißen.

      Das sowie weitere Erläuterungen findest du unter https://ec.europa.eu/eurostat/databrowser/view/ISOC_CI_IFP_IU__custom_2188105/default/map?lang=de&bookmarkId=b444ef96-d0a0-4f8e-8d97-0017fa4e6df5, dem Link zu Eurostat unter der Karte.

  10. Dauernd werden Bankfilialen geschlossen, Die ,die es noch gibt, haben fast nie Parkplätze.Sind also für Gehbehinderte kaum erreichbar.Telefon wird eingespart. Auch Betreuer (Bankangestellte) werden eingespart . Viele Produkte gibt es nur mehr über Internet Versand zu akzeptablen Preisen.Außerdem wird massiv an Kontaktmöglichkeiten gespart. Telefonnummern werden verschwiegen. (z.B. Paßstellen von Botschaften) Einen Ersatzreisepaß gibt es aber nur über ein umständliches Internetformular mit elenden Wartezeiten. Monopolbetriebe und Servicestellen sind hier besonderes schlimm. Bei vielen Anschlüssen hebt gleich gar keiner ab. Emails werden oft nicht behandelt- oder nur mit extremer Zeitverzögerung. Dafür bekommst Du dauernd Umfragen wie du mit dem“Service “ zufrieden bist. Es ist aber egal wie schlecht Du bewertest, besser wird nichts.

  11. Digitalisierung mag ja gut sein wenn es klappt.bin 80 Jahre ,kannkeine Ämter digital befriedigen,alles gut und schö. Mir fehlen auf 2 Ämtern schon die digitalen unterlagen,es geht um Geld.Zum Glück habe ich diese noch schwarz auf weis,sonst würde ich in die Röhre gucken.

  12. Ich bin über die niedrige Anzahl von 3 Mill. Offlinern verwundert. Laut BMBF gibt es über 6 Mill. funktionale Analphabeten (über 3 Mill. deutsche Muttersprachler). Im Umkehrschluß müsste das heißen, dass laut Statistik weit über 3 Mill. dieser funktionalen Analphabeten eine funktionierende Online-Teilhabe haben. Eine saubere Klärung der Begriffe und des Erhebungsansatzes (schriftlich, mündlich, Datenlage) wäre wohl angebracht. Natürlich gibt es teilweise Überschneidungen mit den erwähnten Offline Kategorien aber die Zahlen passen für mich in der Größenordnung irgendwie nicht.

    1. Die Zahl stammt vom Statistischen Bundesamt, dazu gibt’s ja auch einen Link oben. Die schreiben dort: „Die Ergebnisse basieren auf der Erhebung zur Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) in privaten Haushalten. Ab dem Erhebungsjahr 2021 ist diese Erhebung in Deutschland als Unterstichprobe in den Mikrozensus integriert.“ und verweisen selbst auf https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Einkommen-Konsum-Lebensbedingungen/IT-Nutzung/Methoden/IKTPrivateHaushalte.html#626716

  13. Eigentlich wurde schon alles erwähnt was an Schwierigkeiten zu erwarten ist. Nur frage ich mich ernsthaft, ob das alles im Bewusstsein der Menschen ankommt.

    Auch früher schon gab es Versandhandel, jedoch wurde das unternehmerische Risiko nicht auf die Kunden abgewälzt. Heute muss jeder Onlinekunde in der Regel in Vorkasse gehen und bei Nichterfüllung von Verträgen des Händlers zusehen wie er die komplizierte Rückabwicklung hinbekommt.

    Museen oder Konzertveranstalter vergeben Termine nur mit gleichzeitiger Onlinebezahlung. Wer weiß dabei wirklich wie viele Zahlungsdienstleister dazwischengeschaltet sind und was mit den Daten passiert? (Man lese sich mal die Datenschutzbestimmungen von Klarna durch, zu der auch die Sofort GmbH gehört)

    Ein Computer ist ein tolles Werkzeug. Wenn man sie jedoch vernetzt kann man sie als Waffe einsetzen.

    Die Onlinekriminalität nimmt jedenfalls stetig zu.

    Wozu soll dass alles gut sein?

    1. Meine Theorie:
      Wenn alles nur noch begrenzt zur Verfügung steht (Verkehrsmittel und -wege, Konzertsitzplätze, Kitaplätze, Termine bei Ämtern oder Fachärzten, etc.), im Gegensatz dazu eine sehr hohe Nachfrage besteht, muss die Zahl der Nutzenden reduziert werden. Also schließt man diejenigen aus, die sich mit der Technik nicht auskennen, diejenigen denen die Technik zu teuer ist, diejenigen die keine Informatikexperten sind.
      Und alle die das Glück haben und an allem teilhaben können bekommen die „Rechnung“ eventuell später präsentiert.

      Szenario:
      Während du im Onlinehandel deinen Warenkorb füllst und an der virtuellen Kasse deine personenbezogenen Daten eingibst, wird sofort entschieden ob du beliefert wirst oder nicht.

      Irrsinn denkt ihr? Genauso passiert es schon heute bei der Onlinekrediten, Onlineversicherungen, Telefonverträgen. In Sekundenschnelle läuft im Hintergrund die Schufa- oder Bürgelabfrage. Und ein Algorithmus entscheidet sofort über dein Verlangen.

      Und wer weiß schon genau wann und wo genau man in irgendeiner Sperrdatenbank landet.

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