TransparenzberichtTikTok löschte in sechs Monaten fast 90 Millionen Videos

TikTok hat einen umfangreichen Transparenzbericht zur Entfernung von Inhalten veröffentlicht. Er gibt einen Einblick darin, was die Videoplattform löscht und welche Staaten besonders viel Anfragen stellen.

Mit etwa 700 Millionen Nutzer:innen weltweit, gehört TikTok zu den größten Plattformen überhaupt. Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Hello I’m Nik

Die Videoplattform TikTok hat im zweiten Halbjahr 2020 fast 90 Millionen Videos entfernt, was laut dem am Mittwoch veröffentlichten Transparenzbericht weniger als ein Prozent der insgesamt veröffentlichten Videos entspricht. Die meisten Inhalte wurden mit elf Millionen in den Vereinigten Staaten und mit acht Millionen in Pakistan entfernt. Zu Deutschland macht der Bericht keine Angabe.

Interessant ist der hohe Prozentsatz an Videos, die entfernt werden, bevor überhaupt ein:e Nutzer:in dieses gemeldet hat. Etwa 92 Prozent der Videos wurde vor einer Meldung durch Nutzer:innen entfernt, mehr als 80 Prozent sogar, bevor Nutzer:innen das Video überhaupt sehen konnten.

Schon bevor die Nutzer es sehen

Wie so ein hoher Prozentsatz „proaktiver Entfernung“, wie TikTok das nennt, möglich ist, wird im Bericht nicht wirklich erklärt. Bei unserer Recherche zur Moderation bei TikTok Ende 2019 hatte unsere Quelle berichtet, dass viele Videos schon vor Veröffentlichung oder kurz danach von Menschen moderiert werden. Der hohe Prozentsatz könnte aber auch ein Hinweis auf algorithmischen Entscheidungssysteme sein, welche hochgeladene Videos entfernen, bevor sie auf der Plattform erscheinen. 

Auf die Nutzung solcher algorithmischen Systeme gibt der Bericht Hinweise. Es heißt, dass diese „in einigen Märkten“ pandemiebedingt genutzt würden. TikTok spricht in diesem Zusammenhang schon länger von „Technologien“, ohne diese näher zu beschreiben. Automatisierte Systeme haben laut TikTok mehr als acht Millionen Videos entfernt. Sie seien in den Grafiken des Transparenzberichtes nicht enthalten. In etwa 3.000.000 Fällen hat TikTok nach einer Beschwerde von Nutzer:innen ein gelöschtes oder gesperrtes Video wiederhergestellt. 

Grund für die Entfernung von Videos ist nach Angaben von TikTok in mehr als einem Drittel der Fälle das Thema „Sicherheit Minderjähriger“, in mehr als einem Fünftel der Fälle „Nacktheit Erwachsener und sexuelle Handlungen“, in knapp 18 Prozent „Illegale Aktivitäten und reglementierte Waren“, in 8 Prozent „Gewalt und Grausamkeit“ in jeweils etwa 6 Prozent die Themen „Belästigung und Mobbing“ sowie „Suizid, Selbstverletzung und gefährliche Handlungen“. In  etwa 22.000 Fällen wurden Videos wegen Kindesmissbrauchsdarstellungen gelöscht.

Staatliche Anfragen

Insgesamt entfernte TikTok sechs Millionen Konten wegen Verstößen und fast 10 Millionen Spam-Konten. In Deutschland gab es in der zweiten Jahreshälfte 103 Anfragen von Behörden zu TikTok-Konten, hierbei wurden bei 25 so genannten „Notfallanfragen“ Daten an die Behörden weitergegeben. In den USA hingegen wurden sowohl bei Anfragen von Justizbehörden wie auch bei Notfallanfragen in vier von fünf Fällen Daten weitergegeben.

Die meisten Anfragen nach inhaltlichen Einschränkungen hat Russland mit 135 bei TikTok eingereicht, gefolgt von Pakistan und Australien. In Pakistan führten die 97 Anfragen zur Entfernung von mehr als 14.000 Inhalten.

Der Transparenzbericht macht auch Angaben zu Inhalten, die nach dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) gemeldet wurden. Insgesamt wurden bei TikTok zwischen Juli und Dezember 2020 mehr als 245.000 Inhalte nach dem NetzDG gemeldet. Davon knapp 180.000 von Nutzer:innen und etwa 66.000 von Beschwerdestellen. Die meisten Meldungen gehen wegen Beleidigung, dem Verbreiten von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen und Volksverhetzung ein. Etwa 26.000 der insgesamt gemeldeten Fälle führten dann auch zur Löschung oder Sperrung des Inhalts, das sind gut 10 Prozent aller Meldungen nach dem NetzDG. 

Keine Angaben zu China

Keine Angaben macht der Transparenzbericht zu China. TikTok gibt es in China nicht, aber TikToks Mutterkonzern ByteDance betreibt dort eine Plattform unter dem Namen Douyin. Laut Aussagen von Insidern wurden die Moderationstechniken bis mindestens Anfang 2020 für beide Plattformen gleichermaßen von ByteDance entwickelt. Der Insider aus der Technikabteilung berichtet von leistungsstarken Algorithmen, welche die Zensur bei Douyin so effektiv machen würden.

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