Was vom Tage übrig bliebVon Quellcode und Querulanten

Eine österreichische Ministerin wünscht sich eine Stopptaste für Regierungstransparenz, Programmierer:innen diskutieren über die Abschaffung von „Master“ und „Slave“ und Facebook möchte Slack mit Beschäftigtenunterdrückung Konkurrenz machen. Die besten Reste des Tages.

Dunkle Wolken
Wie dichtete einst ein großer deutscher Poet: „Ich möchte mich nicht in Köpfen befinden mit Gedanken / die unter Einfluss des Axel-Springer-Verlages entstanden“. WVTÜB heute garantiert springerfrei. CC-BY 4.0 netzpolitik.org

Edtstadler zum Amtsgeheimnis: „Irgendwo muss man eine Grenze ziehen“ (Der Standard)
Österreichs Koalition zwischen Konservativen und Grünen arbeitet an einem Informationsfreiheitsgesetz, das die amtliche Heimlichtuerei beenden und Transparenz beim Handeln der Behörden schaffen soll. Für das Gesetz zuständig ist eigentlich die grüne Ministerin Alma Zadić, die das neue Verfassungsgesetz gemeinsam mit den Oppositionsparteien im Parlament schreiben will. Allerdings mischt sich in das Projekt nun Verfassungsministerin Karoline Edtstadler von der konservativen ÖVP ein. Edtstadler wünscht sich offenkundig kein allzu starkes Transparenzgesetz, wie sie in einem Interview deutlich macht. Dort kritisiert sie „Menschen mit einem sogenannten verdichteten Rechtsverständnis, die in sehr regelmäßigen Abständen Anfragen stellen“. Diese sollten von „querulatorischen“ Anfragen abgehalten werden. Kurzum: Die Behörden sollen eine Stopptaste bekommen. Echte Transparenz sieht anders aus, hoffentlich setzt sich Frau Edtstadler damit nicht durch.

Code ohne Rassismus (Golem.de)
Sprache schafft Realitäten. Darum wird unter Programmierer:innen zunehmend darüber diskutiert, mit Unterdrückung konnotierte Begriffe wie „Master“ und „Slave“ aus der Softwaresprache zu entfernen. Solche Bestrebungen gibt es schon länger, die „Black Lives Matter“-Protestwelle in den USA hat das Thema aber nochmal etwas dringlicher auf die Agenda gesetzt.

Facebook Pitched New Tool Allowing Employers to Suppress Words Like “Unionize” in Workplace Chat Product (The Intercept)
Der Social-Media-Konzern versucht, mit „Facebook Workplace“ etablierten Angeboten wie Slack Konkurrenz machen. Als Kund:innen hat Facebook bereits die Regierung von Singapur und Konzerne wie Walmart und Starbucks für sich gewonnen. Das Kollaborationsplattform von Facebook hat allerdings auch eher ekelhafte Features, etwa eines, das der Führungsetage erlaubt, die Gespräche zwischen Beschäftigten zu zensieren. In einer internen Präsentation bewarb Facebook sein Workplace-Tool sogar mit der Möglichkeit, Begriffe wie „gewerkschaftliche Organisierung“ zu unterdrücken. Ein Versehen, wie der Konzern jetzt betont.

Jeden Tag bleiben im Chat der Redaktion zahlreiche Links und Themen liegen. Doch die sind viel zu spannend, um sie nicht zu teilen. Deswegen gibt es jetzt die Rubrik „Was vom Tage übrig blieb“, in der die Redakteurinnen und Redakteure gemeinschaftlich solche Links kuratieren und sie unter der Woche um 18 Uhr samt einem aktuellen Ausblick aus unserem Büro veröffentlichen. Wir freuen uns über weitere spannende Links und kurze Beschreibungen der verlinkten Inhalte, die ihr unter dieser Sammlung ergänzen könnt.

3 Ergänzungen

    1. Amthor ist stellvertretendes Mitglied in jenem Untersuchungsausschuss, der den Terroranschlag auf den Berliner Breitscheidplatz vom Dezember 2016 aufarbeiten soll.

      Der Ausschuss befasst sich auch mit der Rolle der zuständigen Behörden, mit dem Verfassungsschutz etwa – und damit natürlich auch mit Maaßen, der den Geheimdienst zum Zeitpunkt des Anschlags führte.

      Im Herbst soll Maaßen persönlich als Zeuge vor den Ausschuss treten. Stand jetzt könnte ihm dann auch Amthor Fragen stellen.

      Quelle ohne Paywall: https://www.spiegel.de/politik/deutschland/philipp-amthor-kontakt-zu-hans-georg-maassen-koennte-fuer-cdu-politiker-zum-problem-werden-a-b8e0bd28-1053-4ee4-9e66-9f7437732e75

  1. Danke für die tollen Updates! Mein Favorit sind die „ununionize“ Bestrebungen von Facebook. Das wird sicher noch interessant. Was mir von dieser Woche fehlt, ist das Einlenken von Microsoft pro „Open Source“ (siehe: Hamburg und München: Microsoft will Open-Source-Umstieg nicht im Weg stehen). Das ist wohl der erste Schritt in die richtige Richtung. Next step: ein klares Bekenntnis von europäische Behörden (steuerlich finanziert) pro EU Tech Startups (Grape, MyPrivacy, Butleroy…)

Wir freuen uns auf Deine Anmerkungen, Fragen, Korrekturen und inhaltlichen Ergänzungen zum Artikel. Unsere Regeln zur Veröffentlichung von Ergänzungen findest Du unter netzpolitik.org/kommentare. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.