Was vom Tage übrig blieb

Kirche, Kolumnen und KIKIriKI

So naheliegend: Der Vatikan hat die Künstliche Intelligenz für sich entdeckt. Google verzichtet auf Geschlechtszuschreibungen bei Gesichtserkennung und Julia Reda hat eine Kolumne bei Heise Online. Die besten Reste des Tages.

Funkwellenverteilanlage Berlin
Ein Vorschlag beim Architekturwettbewerb für den Turm der Signale war ein Turmschaft „aus drei konkav gekrümmten und mit weiß-goldenem Mosaik belegten Schalen“.

Rome Call for AI ethics (Pontifical Academy for Life)
Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, aber diesen plot twist haben selbst wir nicht kommen sehen: Der Vatikan hat heute seinen eigenen Aufruf für Ethik in der KI veröffentlicht und damit den existierenden rund 100 Ethik-Guidelines für KI eine weitere hinzugefügt. Der „Rome Call for AI Ethics“ wurde von der Pontifical Academy for Life angestoßen, die unter anderem bereits die Positionen der katholischen Kirche zu In-Vitro-Fertilisation, Gen-Therapie und Euthanasie entwickelte. Und zu den Erstunterzeichner:innen gehören unter anderem Brad Smith, Präsident von Microsoft, und John Kelly III, Vizepräsident von IBM. Falls ihr was knallen hört, sind das entweder unsere Illusionen oder die Sektkorken in der PR-Abteilung der genannten Unternehmen.

Edit Policy: Uploadfilter mit KI – EU-Pläne bergen große Risiken (Heise)
Die ehemalige EU-Abgeordnete Julia Reda ist zurück in Berlin – und hat jetzt eine Kolumne bei Heise Online. In ihrer ersten Ausgabe warnt die langjährige Netzpolitikerin vor dem blinden Vertrauen in automatisierte Filtersysteme, die sich zunehmender Beliebtheit als Wundermittel im Kampf gegen unerwünschte Inhalte im Netz erfreuen. Die Urheberrechtsreform mit ihren Uploadfiltern ist ja bekanntlich durch, der sich gegen mutmaßlich terroristische Online-Inhalte richtende Gesetzentwurf mit noch schärferen Bestimmungen biegt langsam in die Zielgerade ein – und vor der Tür steht der Digital Services Act, den die EU-Kommission noch in diesem Jahr vorstellen will. Bei Warnungen bleibt Reda aber nicht: Sie liefert gleich einige alternative Hebel, etwa eine Regulierung der toxischen Empfehlungsalgorithmen großer Plattformen, mit der sich die Probleme vermutlich effektiver bewältigen lassen.

Amazon, Microsoft, and IBM are under pressure to follow Google and drop gender labels like ‚man‘ and ‚woman‘ from their AI (Business Insider)
Bisher gehörte es zum Standard, dass Anbieter kommerzieller Gesichtserkennungs-Systeme auch Labels für das Geschlecht anboten. Sie sortierten die Abgebildeten in die Kategorien „Mann“ oder „Frau“, andere Geschlechter kannten die Systeme nicht. Jetzt kommt langsam Bewegung in die Szene, denn nachdem Aktivist:innen bereits seit Jahren auf die Gefahren einer solchen äußeren Zuschreibung von Geschlecht hindeuten, ist Mitte Februar ein kleines Wunder geschehen: Google hat bekannt gegeben, auf die binären Labels in Zukunft zu verzichten. Ein Erfolg, der vor allem auf das Konto von Wissenschaftlerinnen/Aktivistinnen wie Joy Buolamwini geht. Und nun stehen auch Amazon, Microsoft und andere unter Druck nachzuziehen.

Clearview: Zeig mir dein Bild und ich sage dir, wie du bist (Breitband)
Die Sendung Breitband auf Deutschlandfunk Kultur hat am Samstag ein Gespräch über Gesichtserkennung und automatisierte Überwachungssysteme im öffentlichen Raum gesendet. Zu Gast im Studio beim Moderator Philip Banse waren Constanze Kurz und Tobias Matzner.

Jeden Tag bleiben im Chat der Redaktion zahlreiche Links und Themen liegen. Doch die sind viel zu spannend, um sie nicht zu teilen. Deswegen gibt es jetzt die Rubrik „Was vom Tage übrig blieb“, in der die Redakteurinnen und Redakteure gemeinschaftlich solche Links kuratieren und sie unter der Woche um 18 Uhr samt einem aktuellen Ausblick aus unserem Büro veröffentlichen. Wir freuen uns über weitere spannende Links und kurze Beschreibungen der verlinkten Inhalte, die ihr unter dieser Sammlung ergänzen könnt.

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