Was vom Tage übrig blieb: Opfer-Tichy, Palantir-Kumpel und Salvador Dalí

Roland Tichy fühlt sich als Opfer, Whistleblower könnten es sein, Oracle hat sich verschätzt, Palantir-CEO Karp hängt gern in Berlin ab und Salvador Dali hätte fast in Jodorowsky’s Dune geschauspielert. Dazu hat Wikimedia Probleme mit der EU-Urheberrechtsreform und Facebook macht immer noch alles falsch. Die interessantesten Reste des Tages.

Langsam, aber sicher frühlingt es. Oder die Kamera, die wir genutzt haben, ist lichtstärker.

Cambridge Analytica: Fact-finding over, Italian SA ready to impose sanctions (Garante per la protezione dei dati personali)
Die italienische Datenschutzbehörde untersagt Facebook die Verarbeitung von Daten, die in Zusammenhang mit dem Vote-Button und der „Candidates“-Funktion gesammelt wurden.

Probleme der EU-Urheberrechtsreform bleiben bestehen (Wikimedia)
Wikimedia Deutschland hat den aktuellen Zwischenstand der Urheberrrechtsreform kurz vor Ende der Verhandlungen analysiert und kommt zum Urteil: „Der derzeit vorliegende Reformtext wird den Zugang zu Wissen im Netz bestenfalls geringfügig verbessern, sehr wahrscheinlich aber insgesamt eher einschränken. Er ist auch weit davon entfernt, das eigentliche Ziel der EU-Kommission zu erreichen, „nationale Silos abzubauen“ und das Urheberrecht zeitgemäß anzupassen.“

Kein Kampf: Roland Tichy macht sich zum Opfer (Übermedien)
Stefan Niggemeier analysiert bei Übermedien, wie sich Roland Tichy erst mal mit geraunten Verschwörungstheorien eine Abmahnung einfing, dann in eine Opferrolle verfiel und noch mehr Verschwörungstheorien lieferte, um einen Streisand-Effekt bei seiner Zielgruppe zu organisieren. Leider ein Bärendienst für die Pressefreiheit.

Gefährdet neue EU-Richtlinie Whistleblower? (ZAPP)
Auf EU-Ebene gibt es eine Debatte um Whistleblower. NDR-Zapp berichtet über die letzten Entwicklungen. Einer der großen Bremser ist mal wieder Axel Voss von der CDU. Wenn es nach ihm ginge, würde der Whistleblowerschutz in der EU damit nicht verbessert, sondern sogar noch verschlechtert.

‚Overreacting to failure‘: Facebook’s new Myanmar strategy baffles local activists (Guardian)
Facebook hat in Myanmar viel Schaden angerichtet. Nach vielen Toten und noch mehr schlechter PR möchte man jetzt alles anders machen. Und ist wieder dabei, viel Schaden anzurichten wie der Guardian einordnet.

Jodorowsky’s Dune (ARTE)
Faszinierende Dokumentation bei Arte über einen Film, der leider nie gedreht wurde: Jodorowsky’s Dune. Alejandro Jodorowsky wollte in den 70ern Frank Herberts „Der Wüstenplanet“ drehen und sammelte dafür ein Dream Team ein. Es fanden sich aber leider keine Finanziers in Hollywood, der Film war mehr als ambitioniert, die Technik war längst noch nicht so weit und Salvador Dalí wurde damit nicht zum teuersten Schauspieler der damaligen Zeit.

Oracle Didn’t See the Data Reckoning Coming (Bloomberg)
Schon ein paar Tage älter, aber immer noch interessant: Der digitale Mischkonzern Oracle muss offenbar massiv Stellen im Bereich Adtech-/Datenhandels abbauen. Dass das Unternehmen in den letzten Jahren Milliarden für Zukäufe ausgegeben hat, die es zu einem der größten Player im Tracking-Bereich gemacht haben, könnte sich als grandiose strategische Fehlentscheidung entpuppen, mutmaßt Bloomberg-Journalist Nico Grant. Die Datenschutzgrundverordnung und andere Regulierungen machen das Geschäft mit den persönlichen Daten deutlich weniger lukrativ, als es mal den Anschein machte.

Mathias Döpfner interviews Palantir CEO Alex Karp (Springer-Podcast inside.pod)
Dieser Podcast ist in der vergangenen Woche schon einmal quer durch die deutsche Presselandschaft gereicht worden, aber man versteht auch warum. Springer-Chef Mathias Döpfner interviewt seinen Kumpel Alexander Karp, CEO des Datenanalysten Palantir Technologies, einem der derzeit wertvollsten Start-ups der Welt. Seine Kunden: fast alle Regierungen und Geheimdienste des Westens. Karp schafft es, Palantir, das unter anderem der hessischen Polizei bei der Vereitelung eines Terroranschlags geholfen haben soll, als Wächter der freien Welt zu verkaufen. Ein faszinierender Einblick in das Denken eines Mannes, der sonst ausgesprochen verschwiegen und zurückhaltend lebt – und zu dessen Hobbys Tai Chi, Langlauf und Abhängen in Berlin zählen, wie wir jetzt wissen.

Jeden Tag bleiben im Chat der Redaktion zahlreiche Links und Themen liegen. Doch die sind viel zu spannend, um sie nicht zu teilen. Deswegen gibt es jetzt die Rubrik „Was vom Tage übrig blieb“, in der die Redakteurinnen und Redakteure gemeinschaftlich solche Links kuratieren und sie unter der Woche um 18 Uhr samt einem aktuellen Ausblick aus unserem Büro veröffentlichen. Wir freuen uns über weitere spannende Links & kurze Beschreibungen der verlinkten Inhalte, die ihr unter dieser Sammlung ergänzen könnt.

4 Ergänzungen
  1. Zu Punkt 4 „Gefährdet neue EU-Richtlinie Whistleblower? (ZAPP)“:
    Es gibt einen Appell, den man mitzeichnen kann von „WeMove.EU:

    https://act.wemove.eu/campaigns/whistleblower-schuetzen

    … mit den Forderungen:
    „Wir fordern Sie auf, Whistleblower in der EU zu schützen und einer EU-Richtlinie mit folgenden Inhalten zuzustimmen:
    • das Recht, sich von Gewerkschaften und NGOs beraten zu lassen.
    • das Recht, sich durch eine Gewerkschaft vertreten zu lassen
    • das Recht, sich direkt an die Strafverfolgungsbehörden zu wenden
    • die Möglichkeit, Informationen verschlüsselt an die Presse geben zu können
    • Garantien für bestehende nationale Whistleblower-Gesetze
    • eine umfassende Whistleblower-Definition, ohne zusätzlichen Test, wie die gemeldeten Informationen erfasst wurden.“

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