Was vom Tage übrig blieb: Frösche, Schleppnetze und Whistleblower

Was auch Menschen schwer fällt, hat jetzt eine Maschine gelernt: Wissenschaftler:innen haben ein System programmiert, das seine Entscheidungen selbst erklären kann. Google fischt nach wie vor nach Standortdaten und darauf können in den USA vermehrt auch Fahnder:innen zugreifen. Außerdem läuft heute Abend eine neue ARD-Doku über Deniz Yücel und die Pressefreiheit.

Heute versperrt nur ein Baukran die Sicht auf den „Turm der Signale“. Die Wolken sind weitergezogen.

Scientists Created a ‚Frogger‘-Playing AI That Explains Its Decisions (Motherboard)
Maschinen, die automatisiert Entscheidungen treffen, können sich nicht erklären. Das ist einer der gängigsten Kritikpunkte an KI-Systemen. Denn wenn ein solches System schon darüber entscheidet, ob man eine bestimmte Krebsbehandlung, eine Sozialleistung oder einen Kredit bekommt, würde man doch zumindest gerne mal wissen, warum. Ein Team der Georgia Tech University hat jetzt eine Maschine gebaut, die genau solche Erklärungen liefern kann. Bisher spielt sie leider nur das Computerspiel Frogger, aber das Prinzip ließe sich natürlich auch auf andere Gebiete übertragen.

Tracking Phones, Google Is a Dragnet for the Police (New York Times)
US-Behörden setzen immer öfter auf Schleppnetzfahndung. Die Fahnder fischen dabei in einer Google-intern „Sensorvault“ genannten Datenbank, mit der sich alle Smartphones ausfindig machen lassen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Nähe des Tatortes befanden. Mit einem einzigen Durchsuchungsbeschluss für „Sensorvault“ übergibt Google die Standortdaten von Dutzenden oder gar Hunderten Geräten, berichtet die New York Times.

Niedersachsen: Datenschutzfreie Regierung? [PDF] (datenschutzverein.de)
Ein knappes Jahr nach Wirksamwerden der Datenschutzgrundverordnung hat die niedersächsische Landesregierung vergangene Woche im Bundesrat einen Antrag eingebracht, die deutsche Umsetzung der DSGVO anzupassen. Unter anderem fordert die rot-schwarze Landesregierung „eine deutliche Entlastung von kleinen und mittleren Unternehmen von zusätzlichen Bürokratiekosten, die durch das neue Datenschutzrecht entstehen.“ Gemeint ist unter anderem die Verpflichtung zur Bestellung eines betrieblich Datenschutzbeauftragten. Die Deutsche Vereinigung für Datenschutz kritisiert den Vorstoß scharf. Betriebliche Datenschutzbeauftragte seien kein bürokratischer Aufwand, sondern Selbstschutz: „Die Pflicht abzuschaffen, Datenschutzbeauftragte zu benennen entlastet die KMU und Vereine nur scheinbar. Denn keine der diversen Pflichten, die die DSGVO (zurecht) Verantwortlichen auferlegt, wird dadurch wegrationalisiert. Einzig die Fachkompetenz, die durch Datenschutzbeauftragte üblicherweise bei Verantwortlichen Einzug hält, verschwindet. Zudem gab es die meisten Pflichten, die durch die DSGVO jetzt so viel Prominenz erfahren haben, schon seit vielen Jahren. Nur wurden sie geflissentlich durch die Verantwortlichen ignoriert und auch durch die drastisch unterbesetzten Aufsichtsbehörden regelmäßig nicht im nötigen Umfang geahndet.“

Youtube in der Kritik: Sexistische Kampagne gegen Katie Bouman (DerStandard)
Nachdem es Wissenschaftler*innen vergangene Woche gelungen war, das erste Bild eines schwarzen Lochs zu berechnen, landete der glühend rote Lichtkreis nicht nur auf allen Titelseiten. Auch im Internet öffneten sich Abgründe und empor stiegen Wesen, die es auf die junge Informatikerin Katie Bouman abgesehen hatten. Sie hatte als Teil des internationalen Teams an der Software mitgearbeitet, mit deren Hilfe das Bild möglich wurde. Wer auf YouTube jedoch nach ihrem Namen suchte, fand dort an oberster Stelle Videos, die sie sexistisch diffamierten: „Frau macht 6 Prozent der Arbeit, erhält 100 Prozent Anerkennung“. Der wahre Credit gelte stattdessen einem Mann, Boumans Kollegen Andrew Chael. Die beste Reaktion darauf lieferte der selbst auf Twitter: Hört auf, geht weg und denkt mal über eure Prioritäten nach.

Medienforschung – Deutscher Journalismus: linksgrün und abgehoben (Katapult)
Das Katapult-Magazin ist mal der These nachgegangen, wonach eine Mehrheit der deutschen Journalisten irgendwie links seien. Sie kommen nach Auswertung von vielen Daten zu einem anderen Schluss und finden auch, dass für die Ausgangsthese Studien falsch zitiert werden.

Die Story im Ersten: Deniz Yücel – Wenn Pressefreiheit im Gefängnis landet (ARD)
Heute Abend läuft in der ARD die bereits jetzt im Netz zu findende TV-Dokumentation über den Fall Deniz Yücel, der als deutscher Journalist für ein Jahr für seine investigativen und kritischen Recherchen wegen „Terrorpropaganda“ im Gefängnis saß.

Politologin über Whistleblower: „Große Angst vor Denunziantentum“ (taz)
Die Taz hat Annegret Falter vom Whistleblower Netzwerk zur rechtlichen Situation von Whistleblowern interviewt. Die ist besser geworden, aber es fehlen immer noch optimale Lösungswege für Menschen, die aus öffentlichem Interesse auf Missstände hinweisen wollen.

Jeden Tag bleiben im Chat der Redaktion zahlreiche Links und Themen liegen. Doch die sind viel zu spannend, um sie nicht zu teilen. Deswegen gibt es jetzt die Rubrik „Was vom Tage übrig blieb“, in der die Redakteurinnen und Redakteure gemeinschaftlich solche Links kuratieren und sie unter der Woche um 18 Uhr samt einem aktuellen Ausblick aus unserem Büro veröffentlichen. Wir freuen uns über weitere spannende Links und kurze Beschreibungen der verlinkten Inhalte, die ihr unter dieser Sammlung ergänzen könnt.

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