Was vom Tage übrig blieb: Datenschutzunverständlichkeiten, Chinas Verhältnis zu Telegram und Lobbyisten-Feuerei

Datenschutzbestimmungen sind so schwer zu verstehen wie Kant. Demonstranten in Hongkong benutzen Telegram, das daraufhin unbrauchbar gemacht wird. Und Google gibt Millionen für Lobbyarbeit aus, hat aber Angst vor einer Kartelluntersuchung.

Heute Nachmittag bilden sich einige Quellwolken, dabei bleibt es meist trocken.

We Read 150 Privacy Policies. They Were an Incomprehensible Disaster. (New York Times)
Um Sinn in Datenschutzerklärungen zu bringen, muss man sie wohl nach Unverständlichkeit und Länge ordnen. Das hat die New York Times getan und daraus eine nette Grafik gebastelt. Besonders gut kommt dabei die gute „Tante“ BBC weg, besonders schlecht AirBNB und AT&T. Außerdem zeichnen die Autoren die Entwicklung der Komplexität von Googles Bestimmungen seit 1999 nach – und auch da hinterlässt die Datenschutzgrundverordnung ihre Spuren.

Telegram CEO pins cyber-attack on China hackers during Hong Kong extradition unrest (Hong Kong Free Press)
In Hong Kong gehen zur Zeit tausende Menschen auf die Straße, um gegen ein nun verabschiedetes Gesetz zu protestieren, das die Auslieferung von Gefangenen nach China erlaubt. Viele organisieren sich dabei über den Messenger Telegram und andere verschlüsselte Optionen. Dieser wurde nun Ziel eines DDoS-Angriffs „in der Größenordnung eines Staates“, twitterte der CEO von Telegram. Angriffe auf Telegram in dieser Größenordnung seien bisher immer zeitgleich mit Protesten in Hongkong erfolgt. Die IP-Adressen kämen dabei hauptsächlich aus China.

Google is tech’s top spender on lobbying — Facebook and Amazon are also at record levels (CNBC)
Kein Unternehmen in den USA investiert mehr in Lobbyarbeit als Google. 2018 gab die Firma 21,7 Millionen Dollar zu diesem Zweck aus, bei den Technologieunternehmen folgen Amazon mit 14,4 Millionen und Facebook mit 12,6 Millionen Dollar. Gestern feuerte Google aber mehrere seiner Interessenvertreter in Washington. Hintergrund ist wahrscheinlich eine mögliche Kartelluntersuchung durch das US-Justizministerium.

Problemfall Amazon (Kompetenz)
Amazon überwacht seine Arbeitnehmer und setzt sie mit technischen Mitteln unter Druck, immer mehr und mehr zu leisten. Bereits bekannt geworden sind Schilderungen über die Arbeitsbedingungen in Lagerhäusern in den USA und Verstöße gegen Mitarbeiterrechte in Deutschland. Ein österreichisches Gewerkschaftsmagazin berichtet über drastische Beispiele aus einem Standort in der Nähe von Wien: Strafarbeiten bei falscher Bekleidung und Akkordarbeit bis zum Kreislaufkollaps. Wem Rechte von Arbeitnehmer:innen ein Anliegen sind, sollte sich einen Einkauf bei Amazon wohl gut überlegen.

Jeden Tag bleiben im Chat der Redaktion zahlreiche Links und Themen liegen. Doch die sind viel zu spannend, um sie nicht zu teilen. Deswegen gibt es jetzt die Rubrik „Was vom Tage übrig blieb“, in der die Redakteurinnen und Redakteure gemeinschaftlich solche Links kuratieren und sie unter der Woche um 18 Uhr samt einem aktuellen Ausblick aus unserem Büro veröffentlichen. Wir freuen uns über weitere spannende Links und kurze Beschreibungen der verlinkten Inhalte, die ihr unter dieser Sammlung ergänzen könnt.

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