Was vom Tage übrig blieb

Chinas Winnie the Pooh, Rittern um JEDI und politische Lügen

Chinas Regierung möchte mit ihrem zwiebelförmigen Zensurapparat jeden organisierten Widerstand im Netz behindern, Amazon könnte bald der größte Geschäftspartner der US-Sicherheitskräfte sein und TechCrunch ruft nach einem Verbot von politischer Werbung auf Facebook. Die besten Reste des Tages.

Berlin Fernsehturm
Das Erntefeld erscheint, auf Höhen schimmert / Der hellen Wolke Pracht, indes am weiten Himmel

Document Number Nine (London Review of Books)
Chinas eigenes Internet ist eine Art verzerrtes Spiegelbild des globalen Netzes. Es gibt große Digitalkonzerne, hunderte Millionen an Social-Media-Nutzenden und einen datenhungrigen Staat. Der chinesische Staat strebt über das Netz eine absolute Kontrolle der Gesellschaft an, wie sie im Westen (noch) undenkbar scheint, schreibt der Autor John Lanchester. Sein Bericht umfasst nicht nur das Social-Credit-System, das China 2020 landesweit ausrollen will, sondern erzählt auch vom zwiebelförmigen Zensurapparat, der darauf abzielt, jegliche Organisation gesellschaftlichen Widerstandes zu verhindern. In dem Text erfährt man auch lustige Details: So wurde im chinesischen Twitter-Klon Sina Weibo jeglicher Verweis auf Winnie the Pooh geblockt, da manche Spötter:innen die Comicfigur mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping identifizierten.

Meet America’s newest military giant: Amazon (MIT Technology Review)
Amazon verkauft Sachen übers Netz und Jedis sind Ritter mit Lichtschwertern, die die Galaxie retten. Könnte man meinen. Der Artikel erzählt davon, wie Amazon mit seinem Clouddienst AWS in den USA um große Aufträge des Militärs und der Geheimdienste rittert – und damit auf dem besten Weg ist, der größte Geschäftspartner des Sicherheitsapparats zu werden. Eine Schlüsselrolle dabei spielt JEDI, die Joint Enterprise Defense Infrastructure, für deren Aufbau das Pentagon zehn Milliarden Dollar ausgeben möchte. Aussichtsreichster Kandidat für den Auftrag ist Amazon – wenn da nicht die persönliche Animosität zwischen Amazon-Chef Jeff Bezos und Präsident Donald Trump wäre …

Facebook should ban campaign ads. End the lies. (TechCrunch)
Das Silicon-Valley-Nachrichtenportal TechCrunch positioniert sich im Streit um politische Werbung im Netz eindeutig. Wenn Facebook, Twitter, Snapchat und Youtube nicht zu Entscheidern über die Frage wahr oder falsch werden wollen, dann müssten sie schlicht politische Werbung auf ihren Plattformen verbieten. Facebook hatte zuvor angekündigt, Lügen von Politikern im Gegensatz zu anderen Formen der Desinformation nicht zu löschen. „Wenn sie [Werbung] nicht auf sichere Art verbreiten können, dann sollten sie sie überhaupt nicht verbreiten“, schreibt TechCrunch-Autor Josh Constine.

Warum Huawei für 5G so wichtig ist (Spiegel Online)
Dazu nur ein Stichwort: Pfadabhängigkeit. Der chinesische Telekom-Anbieter lieferte bereits wichtige Teile der bestehenden LTE-Infrastruktur im Mobilfunk. Würde nun Huawei vom Ausbau des Zukunftsnetzes 5G ausgeschlossen, könnte das den Roll-out von 5G in Deutschland entscheidend verzögern, heißt es. Doch zugleich fürchten die EU-Staaten, allen voran Deutschland, eine zu große Abhängigkeit vom chinesischen Hersteller.

Die Psycho-Tricks der App-Entwickler (Heise/c’t)
Es gibt viele Tricks, mit denen App-Entwickler unsere Aufmerksamkeit binden wollen. Die c’t bietet eine Übersicht der gängigen Praktiken und Strategien.

Jeden Tag bleiben im Chat der Redaktion zahlreiche Links und Themen liegen. Doch die sind viel zu spannend, um sie nicht zu teilen. Deswegen gibt es jetzt die Rubrik „Was vom Tage übrig blieb“, in der die Redakteurinnen und Redakteure gemeinschaftlich solche Links kuratieren und sie unter der Woche um 18 Uhr samt einem aktuellen Ausblick aus unserem Büro veröffentlichen. Wir freuen uns über weitere spannende Links und kurze Beschreibungen der verlinkten Inhalte, die ihr unter dieser Sammlung ergänzen könnt.

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