Rex, Erna und Babe: Gesichtserkennung rückt Tieren auf den Pelz

Gesichtserkennungstechnologien werden nicht nur bei Menschen eingesetzt, sie können auch Tiere voneinander unterscheiden und in Datenbanken wiederfinden. Weltweit entsteht eine Branche, die von der Technologie profitieren will.

Gesichtserkennung geht auch bei Tieren (Symbolbild). Montage: netzpolitik.org Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Charles

Gesichtserkennung ist eine der problematischsten Technologien überhaupt, denn fast nichts gefährdet unsere Privatsphäre so stark wie die sogenannte intelligente Videoüberwachung. Und während Städte wie San Francisco den Einsatz der Technologie erschweren, deutsche Großflughäfen die biometrische Erkennung auf Kinder ausweiten, alle über FaceApp reden, erhitzt das Thema auch in Indien trefflich die Gemüter. Doch darum geht es hier nicht, denn Gesichtserkennung funktioniert auch bei Tieren.

Weltweit entstehen Firmen, die den Einsatz von biometrischen Tierdaten zu Geld machen wollen. Die Webseite und App „Finding Rover“ verspricht, dass sie verlorene Tiere wiederfindet. Das geht so: Wer einen Hund oder eine Katze gefunden hat, kann ein Bild des Tieres auf die Plattform laden. Gleiches gilt für Menschen, die ihr Tier verloren haben. Sie laden das Foto von Rex oder Mauzi hoch. Mittels Gesichtserkennung soll dann eine Datenbank abgeglichen werden. Gegenüber dem Magazin „Slate“ sagt der CEO und Gründer der Firma, John Polimeno, dass schon 700.000 Tiere in der Datenbank seien.

Haustiere wiederfinden

Finding Rover behauptet, dass seine Technologie 138 Punkte auf dem Gesicht eines Tieres zur Identifizierung nutze und eine Genauigkeit von 98 Prozent habe. Konkurrenten auf dem digitalen Haustiererkennungsmarkt geben ähnliche Trefferquoten an: Es gibt mit PiP und Megvii weitere Unternehmen, die an der Gesichtserkennung von Tieren arbeiten. Megvii ist ein chinesisches Unternehmen, das auch an der rassistischen Gesichtserfassung der uigurischen Minderheit in China beteiligt ist.

In China wird Tier-Gesichtserkennung auch für Pandabären genutzt. Die Technologie soll Wildhütern helfen, einzelne Bären in der freien Wildbahn zu identifizieren. Die Tiere werden bislang an typischen Gesichts- und Fellzeichnungen oder an unverkennbaren Merkmalen wie Narben erkannt.

Einsatz in der Landwirtschaft

Auch der Einsatz in der Agrarindustrie, beispielsweise bei der Erkennung von Schweinen in China oder Kühen in Irland steht auf dem Plan. Den Tieren steht die Komplettüberwachung ins Haus. So will das irische Start-Up Cainthus speichern, wieviel die Tiere essen und trinken, wie warm sie sind und wie sie sich verhalten. Ein indisches Unternehmen mit dem Namen MoooFarm ist im gleichen Marktsegment unterwegs, will die Technik aber auch gegen Versicherungsbetrug einsetzen.

Vielleicht kommt 5G nicht bis zur Milchkanne, aber Gesichtserkennung in den letzten Stall.

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