„Public Money? Public Code!“ Broschüre zeigt Vorteile Freier Software auf

Rechtzeitig zur bevorstehenden Europawahl veröffentlicht die Free Software Foundation Europe heute eine Fachpublikation mit Antworten zu Fragen rund um Freie Software und öffentlicher Beschaffung. Bürger*innen und Organisationen soll damit ein Werkzeug zur positiven Einflussnahme auf Politik und Verwaltung in die Hand gegeben werden.

Die Kopplung Öffentlicher Gelder an Freie Lizenzen hilft öffentliche Ausgaben transparenter zu gestalten. CC-BY 4.0 fsfe.org & motionensemble.de

Wahlzeiten gehören zu den besseren Zeiten, um auf Politik Einfluss zu nehmen und zumindest kurzzeitig Gehör zu finden. Kandidat*innen sind auf Stimmenfang und suchen Themen, mit denen sie sich sowohl innerparteilich als auch öffentlichkeitswirksam in Position bringen können.

Die Free Software Foundation Europe (FSFE) plant deshalb, mit verschiedenen Aktionen die kommende Europawahl zu nutzen, um Kandidat*innen und Wähler*innen auf die Forderung der Kampagne „Public Money, Public Code“ aufmerksam zu machen: Mit öffentlichen Geldern finanzierte Softwareentwicklungen sollen grundsätzlich unter einer Freie-Software- und Open-Source-Lizenz veröffentlicht werden. Dazu veröffentlicht die FSFE heute die Fachpublikation „Public Money Public Code – Modernising public infrastructure with Free Software“ (Englisch), die helfen soll, Entscheidungsträger*innen in Politik und Verwaltung mit den Vorzügen Freier Lizenzen vertraut zu machen.

Wettbewerbsvorteile durch Freie Lizenzen

Die Broschüre erklärt kurz und prägnant die gewichtigsten Argumente, die für eine Kopplung öffentlicher Gelder an die Veröffentlichung des Quelltextes unter Freier Lizenz sprechen. Neben den Vorteilen internationaler Kooperation, der Unabhängigkeit von Herstellerauflagen und Fragen der IT-Sicherheit zeigt die FSFE auch wirtschaftliche Argumente auf, etwa auf Freier Software aufbauende Geschäftsmodelle und damit einhergehende Wettbewerbsvorteile. Für die praktische Umsetzung werden erfolgreiche Beispiele angeführt sowie erste Schritte und Fallstricke von Richtlinien zur öffentlichen Beschaffung beleuchtet.

Neben der FSFE selbst wurde auch auf das Wissen zahlreicher externer Expert*innen zurückgegriffen. Darunter unter anderem Prof. Dr. Simon Schlauri (Autor einer Studie zu Wettbewerbsimplikationen Freier Software), unsere Autorin Constanze Kurz, Matthias Stürmer (Leiter der Forschungsstelle Digitale Nachhaltigkeit an der Universität Bern), Basanta Thapa (Kompetenzzentrum Öffentliche IT am Fraunhofer FOKUS) und Francesca Bria (CTIO der Stadt Barcelona). Letztere ist mit einem bereits bei netzpolitik.org erschienenen Interview zum Thema „Smart City“ und demokratische Teilhabe der Bürger*innen durch Software vertreten.

Die Broschüre erscheint in digitaler und gedruckter Form und steht unter einer CC BY-SA 4.0 Lizenz. Die zugehörige Kampagne „Public Money Public Code“, die unter anderem vom CCC, EDRi, Wikimedia Deutschland und dem Tor Project unterstützt wird, sammelt zudem Unterstützungsunterschriften für einen offenen Brief, der sich an Parlamentsabgeordnete richtet.

2 Ergänzungen
  1. Sehr guter Artikel eines mir bis dato unbekannten Themas. Jedoch der erste Knackpunkt: Ich wollte die Broschüre lesen, doch leider gibt es sie (wie bei vielen ähnlich gelagerten Fällen) nur in englischer Sprache. OK, ich spreche Englisch, aber es gibt bestimmt viele interessierte Leute, die das nicht tun oder nur sehr rudimentär. Warum also keine deusche Version? So umfangreich ist der Text nun auch nicht, zumal sehr viele Bilder vorhanden sind.
    Zum Thema selbst kann ich nur sagen: Interessante Idee, leider befürchte ich, dass nach der Wahl von der Politik vieles „vergessen“ worden ist und im aktuellen Wahlkampf überwiegend ein Pseudo-Interesse vorliegt…

    1. Vielen Dank für die Ergänzung. Menschen in ihrer Muttersprache zu erreichen ist der FSFE ein wichtiges Anliegen, deshalb sind eine deutsche Version sowie auch andere Sprachen in Vorbereitung. Allerdings wird sich die Veröffentlichung noch etwas hinziehen. Denn weniger als die Länge des Textes sind dabei vor allem Satz & Layout entscheidend und mit jeder Sprachversion neuer Aufwand.

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