Prototype Fund

Projekte rund um Vertrauen durch und in Technologien gesucht

Der Prototype Fund fördert Menschen bei der Umsetzung ihrer Ideen für Software, die der Gesellschaft nützt. Noch bis Ende September werden Projekte gesucht, die sich rund um das Thema Vertrauen und Technologien drehen. Wir stellen euch drei bereits geförderte Ideen vor.

Logo Prototype Fund mit Herz
Das Projekt der Open Knowledge Foundation geht bereits in die 7. Runde. Alle Rechte vorbehalten Prototype Fund

Seit 2016 unterstützt der Prototype Fund Open-Source-Vorhaben, die der Gesellschaft nützen. So konnten bisher 118 Projekte gefördert werden, fast 5 Millionen Euro Förderung gingen an Softwareentwickler:innen, Hacker:innen und Datenjournalist:innen. Sie konnten so sechs Monate lang einen Prototypen ihrer Software entwickeln und bekamen zusätzlich Unterstützung durch Coachings und Beratung.

„Engineering Trust – Vertrauen bauen“

Nun geht die Förderung in die siebte und vorletzte Runde. Der Themenschwerpunkt: „Engineering Trust – Vertrauen bauen“. Gesucht werden also vor allem, aber nicht ausschließlich, Ideen rund um Vertrauen durch und Vertrauen in Technologien. „Wie kann man etwas vertrauen, das zum Großteil unsichtbar ist und aus abstrakten Bits und Bytes besteht? Und welche Technologien haben das Potenzial, für mehr Vertrauen zu sorgen?“ – Ideen, die sich unter anderem mit Antworten auf diese Fragen beschäftigen, können in dieser Runde mit bis zu 47.500 Euro gefördert werden.

Die Bewerbungsfrist läuft noch bis zum 30. September. Bewerben können sich selbständige Programmierer:innen oder kleine Teams, die ihren Wohnsitz in Deutschland haben. Zwei weitere Bedingungen: Unabhängig davon, wie weit die Idee bisher ist, haben Bewerber:innen bis zum Prototyp sechs Monate Zeit und die Ergebnisse müssen unter einer Open-Source-Lizenz öffentlich zugänglich gemacht werden.

Die bisher geförderten Projekte „bewegen sich stets zwischen Civic Tech, Data Literacy, Security und Software-Infrastruktur“. Drei davon möchten wir hier vorstellen. Auch, um zu zeigen, wie vielfältig die Bewerber:innen, Teams, Ideen und deren Umsetzung sein können.

Open Green Web: Saubere Energie für das Internet

Chris Adams und René Post (Gründer der Green Web Foundation)
Chris Adams und René Post (Gründer der Green Web Foundation) Alle Rechte vorbehalten Chris Adams

In Runde 5 des Prototype Fund hieß das Thema „Maschinen lernen lassen – Technologien für die Zukunft“. Eines der eingereichten Projekte war das Open Green Web. Hinter der Bewerbung stand Chris Adams, der das Internet grüner machen will, indem er über Energiequellen informiert, aus denen das Netz sich speist.

Die Idee: Die Datensätze der Green Web Foundation mit genau diesen Informationen und den Code dahinter so frei zugänglich und nutzerfreundlich wie möglich zu machen. So soll „ein offener Datensatz mit Informationen über Millionen von Webseiten über den Stand der Energieversorgung des Webs“ entstehen.

Das „Independent Solar Energy Mesh System“

Blockschaltbild des ISEMS
So setzt sich ein ISEMS zusammen. Alle Rechte vorbehalten Elektra Wagenrad, Knut Hühne

In der dritten Runde nahm sich ein Dreierteam vor, eine Software zu bauen, die es vor allem „Nicht-Expert:innen ermöglicht, eigene und vom Stromnetz unabhängige Kommunikationsnetze aufzubauen“. Die Idee wurde gefördert und es entstand eine Open-Source-Software für einen solarbetrieben Router, der im Eigenbau etwa 200 bis 250 Euro kostet.

Nun mögen 250 Euro zunächst nicht viel erscheinen, wenn damit eine gut funktionierende, „unabhängige Ad-Hoc-Kommunikationsinfrastruktur dort aufgebaut und gemanaged werden kann, wo sie am Dringendsten gebraucht wird“. Allerdings erhöht der Mangel an Kommunikation soziale Ungleichheiten am meisten genau dort, wo Menschen weniger Ressourcen haben. Deswegen bewarb sich das Teammitglied Elektra Wagenrad in der sechsten Runde erneut: Sie wollte eine Firmware entwickeln, um „Material- und Kostenaufwand für den Selbstbau eines solarbetrieben Netzknotens auf etwa ein Viertel der bisherigen Kosten zu senken“.

Das Syrian Archive: Verlässliche Informationen über den Syrienkonflikt

Syrian Archive
Das Syrian Archive sammelt visuelle Berichte über den syrischen Konflikt. Alle Rechte vorbehalten The Syrian Archive

Mit ihrer Idee des Syrian Archive bewarben sich Hadi Al-Khatib, Jeff Deutsch und Nikolas Para in der ersten Runde. Ihr Ziel: der Öffentlichkeit verlässliche, visuelle Beweise aus syrischen Konfliktzonen zur Verfügung stellen. „Das Syrian Archive ist eine Plattform, die es möglich macht, visuelle Beweisstücke in sozialen Netzwerken zu finden, zu sammeln, zu archivieren und sie gemeinschaftlich zu überprüfen“, beschreibt das Team seine Arbeit. Sie wollen „Tools, Methoden und Prozesse dokumentieren, mit denen sich Inhalte aus Konfliktzonen sammeln, verifizieren und archivieren lassen“ und diese etwa Journalist:innen oder Menschenrechtsverteidiger:innen offen zur Verfügung stellen.

Mittlerweile ist das Team gewachsen und arbeitet unter anderem mit Amnesty International, Human Rights Watch und einem Netzwerk syrischer Organisationen zusammen. Wichtig: Die Berichte aller Seiten des Konflikts werden überprüft und zur Verfügung gestellt.

Bewerbt euch!

Eines haben diese drei und die anderen 115 geförderten Projekte gemeinsam: Mit Hilfe von Technologie wollen sie gesellschaftliche Probleme kreativ angehen. Doch welche Fähigkeiten Bewerber:innen mitbringen, aus welchem Bereich sie kommen, wie weit die Ideen bereits sind und welche Probleme sie wie lösen wollen, bleibt ihnen selbst überlassen.

Also: Bewerbt euch!

2 Ergänzungen
    1. @Duck and Cover Today

      Es gab schon Einreichungen für beispielsweise Coreboot und damit natürlich die Möglichkeit für trusted boot. Wurde aber leider nicht angenommen.

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