Was vom Tage übrig bliebAccounts, Videos und Wikis doch nicht löschen

NGOs fordern von Brüssel mehr Transparenz bei Lobbytreffen, Nutzer setzen bei Twitter einen Lösch-Stopp durch, TikTok beklagt menschliches Versagen bei Zensur und Aktivist:innen geben sich Edit-Wars auf der Wikpedia-Seite der Hongkonger Polizei. Die besten Reste des Tages.

Fernsehturm Berlin bei Nacht
Warum ist der Turm heute so schief? CC-BY 4.0 netzpolitik.org

New European Council President urged to be open on lobbying

(Access Info)
Eine Gruppe aus 30 NGOs bittet den neuen EU-Ratspräsidenten Charles Michel in einem offenen Brief um mehr Transparenz im Umgang mit Lobbying. Die NGOs wünschen sich, dass Michel alle Treffen von ihm und seinem Kabinett mit Interessenvertretern und die besprochenen Themen proaktiv veröffentlicht. Der Rat der EU-Staaten spielt eine Schlüsselrolle bei der Gesetzgebung, die Entscheidungsfindung im Rat ist aber deutlich weniger transparent als im EU-Parlament und der Kommission – die EU-Staaten haben keinerlei Verpflichtung, Treffen mit Lobbyisten offenzulegen. Als Ratspräsident hat Michel hauptsächlich eine koordinierende Rolle und ist wohl nicht der wichtigste Gesprächspartner für Lobbyisten, allerdings könnte mehr Transparenz in seinem Amt im Rat zumindest mal die Türen öffnen und ein wenig durchlüften.

Nach Kritik: Twitter löscht inaktive Accounts vorerst doch nicht (Der Standard)
Halt, Stop! Gestern vermeldeten wir an dieser Stelle, dass Twitter in Kürze inaktive Accounts löschen würde, um belegte Handles wieder freizugeben. Dagegen gab es allerdings Protest, weil dies auch die Accounts von Verstorbenen treffen würde, die als Archive und Orte der Erinnerung einen eigenen Wert haben. Twitter kündigte deshalb die Einführung einer Möglichkeit an, Profile von Verstorbenen in einen Gedenkzustand zu versetzen, wie dies auf Facebook bereits möglich ist. Erst danach soll die Löschaktion beginnen.

Tiktok entschuldigt sich für Löschen eines Videos (FAZ.net)
Die chinesische Plattform TikTok entschuldigt sich für das Löschen eines Videos, das die Menschenrechtslage in der chinesischen Provinz Xinjiang kritsierte. Die Nutzerin hatte die Kritik hinter einem Schminktipp versteckt, das Video ging viral. TikTok teilte mit, das Video sei aufgrund eines „menschlichen Fehlers bei der Moderation“ der Plattform vorübergehend entfernt worden und 50 Minuten später wieder verfügbar gewesen. Zu Zensur und Beschränkungen von politischen Inhalten auf TikTok hatte netzpolitik.org zuletzt eine investigative Recherche vorgelegt.

Wiki wars: Hong Kong’s online frontline (Reuters)
Auf der Wikipedia-Seite der Hongkonger Polizei toben Editwars. Gegner und Befürworter der Polizei sowie um Neutralität bedachte Admin bekriegen sich mit permanenten Änderungen der Seite. Mal wird das Motto der Polizei in „We serve with Terror and Violence“ geändert, mal der Titel der Polizei in „Hong Kong Gang of Murders“.  Ähnliche Schlachten finden auch auf der Wikipedia-Seite zur Protestbewegung oder der von Regierungschefin Carrie Lam statt. Reuters hat die Vorgänge nachgezeichnet und visualisiert.

Wie die !Mediengruppe Bitnik mit dem Internet den Kulturbetrieb hackt
Und noch ein Video aus unserer Reihe mit Kurzinterviews von der Netzpolitik-Konferenz. Dieses Mal mit Carmen und Dome von der !Mediengruppe Bitnik

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Jeden Tag bleiben im Chat der Redaktion zahlreiche Links und Themen liegen. Doch die sind viel zu spannend, um sie nicht zu teilen. Deswegen gibt es jetzt die Rubrik „Was vom Tage übrig blieb“, in der die Redakteurinnen und Redakteure gemeinschaftlich solche Links kuratieren und sie unter der Woche um 18 Uhr samt einem aktuellen Ausblick aus unserem Büro veröffentlichen. Wir freuen uns über weitere spannende Links und kurze Beschreibungen der verlinkten Inhalte, die ihr unter dieser Sammlung ergänzen könnt.

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