Nach dem letzten Flug der insolventen Air Berlin hat es nicht lange gedauert, bis Fluggäste die Folgen einer Monopolisierung auf dem Flugmarkt zu spüren bekommen haben. Die Preise zogen spürbar an, da auf manchen innerdeutschen Strecken die Lufthansa quasi konkurrenzlos war – von teilweise 30 Prozent Preissteigerung war schon im November die Rede.
Verwunderlich ist das nicht, denn die Preisgestaltung bei Airlines wird von Algorithmen bestimmt, die je nach Nachfrage und Buchungszeitpunkt andere Preise aufrufen. Doch kann sich die Lufthansa hinter diesem Argument verstecken? Der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, bezweifelt das und kritisierte im Dezember gegenüber der Süddeutschen Zeitung:
Solche Algorithmen werden ja nicht im Himmel vom lieben Gott geschrieben.
Das Bundeskartellamt hatte sich entschieden, die Preisgestaltung zu prüfen, nachdem eine ganze Reihe Beschwerden über Deutschlands größte Fluggesellschaft eingegangen waren. Es geht um die Frage, ob die Lufthansa die Marktsituation unangemessen ausnutzt.
Dafür gibt es neue Hinweise: Gegenüber dem Rundfunksender Radioeins äußerte eine Lufthansa-Sprecherin, der Algorithmus beziehe in die Preisstruktur unter anderem „Produkt und Zeitfenster der Flüge, Wettbewerbersituation und Positionierung gegenüber dem Wettbewerber“ mit ein. Das geht über eine bloße Auswertung von Verfügbarkeiten hinaus, rbb24 fasst das zusammen:
Damit gibt die Lufthansa erstmals offen zu, direkt auf die Konkurrenz zu reagieren. Wenn es auf einer Strecke keine anderen Anbieter gibt, wird die Preisstruktur angepasst. Also sorgt nicht nur die höhere Nachfrage bei einem Lufthansa-Flug für höhere Preise – sondern bereits das Fehlen von Konkurrenz.
Die Prüfung des Bundeskartellamts dauert noch an, doch für Kunden zeichnet sich bereits vorher eine Entspannung ab. Da die Billig-Airline Easyjet nun auch innerdeutsche Flüge im Angebot hat, gibt es wieder Konkurrenz. Und die Ticketpreise sind bereits gesunken.
