Linkschleuder

Welt am Sonntag: Datenschützer sind U-Bahnschubser und Hooligans

Ausschnitt aus dem Cover der deutschen Erstausgabe von "1984". All rights reserved Diana Verlag Rastatt/Zürich

Die Welt am Sonntag macht in ihrer gestrigen Ausgabe ein bisschen Werbung für mehr Überwachung. Die Deutschen, so der Artikel [Paywall], haben nämlich George Orwells Buch 1984 einfach nicht gelesen oder falsch verstanden. Im Buch gehe es um die Fälschung der Geschichte und gar nicht so sehr um Überwachung.

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Angst vor Kameras hätten in den angelsächsischen Ländern nur die Verschwörungstheoretiker, alle anderen hätten gerne mehr Kameras. Auf der Titelseite von Welt am Sonntag kompakt hat die Redaktion dann noch eine Schippe draufgelegt:

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29 Kommentare
  1. Hm. Never attribute to malice what can be adequately explained by stupidity. Sagt man ja so.

    Wobei ich mich frage, ob man dieses Niveau an Bösartigkeit und Widerlichkeit erreichen kann, ohne eine gewisse Mühe aufzuwenden. Was ja dann doch eher für Bosheit spricht…

    1. never attribute a cover headline to thoughtlessness. it usually involves a lot of thought and discussion among the editorial board.

      .~.

      1. Danke für den Link. Zeigt, dass die Welt 1984 tatsächlich nicht gelesen hat.

        „[…]die „Proles“, die Arbeiter und ihre Familien. Sie vegetieren in stumpfer Einförmigkeit dahin, werden mit Brot und Spielen bei Laune gehalten und dürfen im Wesentlichen sagen und denken, was sie wollen.“

        1. werden die Proles „dumm“ gehalten. Es gibt keine Bildung für sie.
        2. Dürfen sie eben NICHT „sagen und denken was sie wollen“, da die Thought Police ihre Agenten bei den Proles platziert, um problematische Individuen zu identifizieren und „unschädlich“ zu machen.
        3. Sind die Proles dazu da, zu arbeiten und sich zu vermehren. Quasi wie Vieh. Wenn DAS die Lehre ist, die die Welt aus 1984 zieht und die das wirklich als „gar nicht mal so schlimm“ empfinden, dann gute Nacht.

        1. Klingt nach dem realen Parteiprogramm der Unionsparteien (Union, FDP und SPD) vor der Wahl jammern, das mehr in die Bildung investiert werden muss und seid der Wiedervereinigung wird gerade dort gekürzt was das Zeug hält, „auf Naht“ nähen, also wie meine Ex Freundin, die Kleider 2 Nummern zu klein kaufen und dann jammern, das es viel zu Eng wäre!

          Also, Hannes, „Die Welt“ sieht das realistisch, unsere aktuellen Regierungsparteien wollen genau den Bildungsstand, wie er in „1984“ beschrieben wurde!
          Und schau sie dir doch an, viele haben sich doch schon zu solchen Zombis entwickelt!

  2. Die Welt am Sonntag (Springer-Verlag) produziert Hasskommenatare, nicht von den Lesern, sondern von den Journalisten selbst. Dank verschärften Gesetzen gegen Hasskommentare können wir diesen antidemokratischen, freiheits- und verfassungsfeindlichen und als „unabhängigen“, „kritischen“ „Journalismus“ getarnten Hate Speech der Welt am Sonntag einfach vom Rechtsstaat ausradieren lassen. Immer schön den Spieß umdrehen.

    Und als Garnitur oben drauf gibt es noch Kameras in allen Schlaf-, Bade- und Kinderzimmern der Springer-Redakteure und sonstiger für Springer tätigen „Journalisten“. Was soll daran schlimm sein? Die Springer-Leute sind doch keine Ehefrau-Vergewaltiger und Kinderschläger, oder? Dann ist Angst gegen Videoüberwachung in den Wohnungen und Häusern der Springer-Leute doch absurd, oder? Sicherheit geht vor.

    1. > Und als Garnitur oben drauf gibt es noch Kameras in allen Schlaf-, Bade- und
      > Kinderzimmern der Springer-Redakteure und sonstiger für Springer tätigen
      >„Journalisten“.

      Ich möchte mich hier schon mal für die kommenden Live-Streams im Internet
      vormerken lassen… geht das auch mit ’nem normalen WamS+ Account???
      …lechzz!

  3. Dann haben die das Buch nicht verstanden. Es geht nicht um Überwachung oder Geschichtsfälschung, sondern um Kontrolle. Staatliche Kontrolle. Aber das begreifen sie erst, wenn sie selber wegzensiert werden….

    1. > Dann haben die das Buch nicht verstanden.
      Dazu müssten sie ja dann auch noch lesen können, …
      IMHO zuviel verlangt von derartigen „Journalisten“.

  4. Allen Deutschen vorzuwerfen, sie hätten das Buch nicht verstanden, erinnert etwas an den Wahnsinnigen, der behauptet, der einzige Gesunde zu sein.

    1. Ein Schweizer auf der deutschen Autobahn:

      Radio:“Achtung, es kommt ihnen auf der Axx ein Falschfahrer entgegen!“
      Schweizer:“Einer? Hunderte!“

      1. Na ja, eigentlich hab ich eher als Überwachungskritiker das Gefühl. Wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass in diesem Fall die Mehrheit tatsächlich wahnsinnig ist.

        Auch in 1984, das ich übrigens mehrmals gelesen und auf mehr als nur plakativ-oberflächliche Weise verstanden habe (was die Hofschranzen pauschal unterstellen), denkt Winston Smith sich einmal, die Wahrheit sei nun mal keine statistische Angelegenheit.

        Bevor das Ministerium für Wahrheit ihn einnordet.

        So eines hätte De Misère sicher auch gern. Datenschutz ist dann Fake News und seine Angstmache, seine nicht existenten Statistiken, seine Einlassung „Drohnen seien ethisch neutral“, die Wahrheit …

  5. Besteht die Redaktion jenes überflüssigen Hofschranzen-Blatts zufällig aus einem Haufen von notgeilen Böcken, die sich minderjährige Prostituierte gönnen, Gelegenheitsdieben, Erbschleichern, Flachwichsern, Tierquälern und Losern, die sich mit Koks und Amphetaminen den Vestand weggeballert haben?

          1. Die Wunschwelt der durchgeknallten Überwachungsfans: ein Psychopath schubst dich die Treppe herunter. Das wird von einer Scheisskamera gefilmt, anstatt dass dir jemand zur Hilfe eilt … Totalüberwachung wegen eines völlig überzogenen „Sicherheitsgefühls“ ist Erziehung zum unselbständigen Leben. Ich bin nun einmal vor dieser Zeit aufgewachsen und nicht begeistert davon, dass das jetzt alles kippt. Ich glaube, wer sich in diesem Zusammenhang von den angebliche gutartigen Zielen und Zwecken einlullen lässt, verkennt die Tragweite dessen, was gespielt wird.

            Entsprechend begeistert bin ich von koksgetränkten Schmähungen gegen den Datenschutz. Die sind gerade jetzt nötig wie ein Kropf. Wie wäre es, wenn die Boulevardpresse einmal, nur einmal, dagegenhalten würde?

            Was De M. und Konsorten wollen, ist nichts weniger als ein neuer Staat. Einer, in dem ich nicht werde leben können, und viele andere Menschen, die mir lieb sind, auch nicht.

            Verbrechen wird es dort übrigens mehr geben als in der Demokratie. Wenn wir angeblich alle „für unsere eigene Sicherheit“ schleichend für unmündig erklärt werden sollen – der Maschine zum Fraß vorgeworfen, Polizeiwillkür ausgeliefert, dann schrillen bei mir alle Alarmglocken.

            Das tun sie seit vielen Jahren. Jetzt sind die Vorbereitungen fast abgeschlossen. Und was macht die käufliche Presse? Propaganda für den Wahnsinn.

        1. > Q am 30. August 2017 um 05:35
          > Entschuldige mal, kannst du das alles noch lustig finden?
          Nein. Aber wobei sollte mir die Feststellung dazu auch helfen?

          und zu Q am 30. August 2017 um 05:51:
          Ich denke, wir alle wissen irgendwie, dass es keine „Sicherheit“ gibt.

          Und wobei hilft Dir dann:
          > Die Wunschwelt der durchgeknallten Überwachungsfans…
          > …Scheisskamera…
          > …von koksgetränkten Schmähungen…
          > …Wie wäre es, wenn die Boulevardpresse einmal, nur einmal, dagegenhalten würde?
          > Was De M. und Konsorten wollen, ist nichts weniger als ein neuer Staat
          > Und was macht die käufliche Presse? Propaganda für den Wahnsinn.
          ???

          Was machst Du aus Deinem Gefühl von Wut in Deiner täglichen Realität?
          Unterstellen? Schimpfen? Meckern? Mosern? Beleidigungversuche?
          Deine Verantwortung deligieren?
          Was verändert genau das?

  6. In 1984 geht es primär mal um das (unvermeidliche) Scheitern des Individuums am totalitären Staat. Es stimmt schon, es geht eigentlich nicht um Überwachung. Verschiedene Herrschaftstechniken werden in dem Buch ausführlich besprochen. Die Überwachung und Überwachungstechnik ist nicht darunter. Genauso wenig übrigens das Spitzelwesen, obwohl das ja letztlich eher als die Technik für die Verhaftung von Winston und Julia ausschlaggebend war.

    Die Technik ist omnipräsent und schlicht und einfach vorhanden. Orwell hat sehr klar erkannt, dass die allumfassende Überwachung eine notwendige Bedingung für den totalitären Staat ist, deswegen ist die Überwachung im Buch auch nicht extra erläutert. Heute erscheint uns das mit dem historischen Wissen über z.B. die Stasi und die Snowden-Enthüllungen vielleicht trivial. Zur Zeit der Entstehung von 1948 war das aber sicher nicht so klar. Den Zusammenhang von Überwachung und Disziplinierung hat (meines Wissens) erst Foucault 30 Jahre später systematisch aufgearbeitet.

    Der Welt-Autor ist hier meiner Ansicht nach geschichtsvergessen. Sehr passend, denn die Manipulation des kollektiven Gedächtnisses (alles war schon immer so, wie wir es heute kennen) ist ja auch ein zentrales Motiv von 1948.

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