Der Streamingdienst Spotify kämpft mit harten Bandagen gegen eine Gruppe von Wissenschaftlern, die an einem Buch über die schwedische Musikplattform schreiben. Die Methoden des Forscherteams hätten gegen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Anbieters verstoßen und müssten deshalb eingestellt werden, drohte der Rechtsanwalt von Spotify den Forschern.
In einem Interview im Mai hatte der schwedische Wissenschaftler und „Piratbyrån“-Mitbegründer Rasmus Fleischer enthüllt, dass Spotify in seiner Anfangszeit 2007 und 2008 Musikdateien vertrieben habe, an denen das Unternehmen keine Rechte besaß. Zum Teil soll es sich um MP3s gehandelt haben, die es nur auf der Bittorrent-Plattform Pirate Bay gegeben haben soll.
Algorithmus mit Bots untersucht
Doch vordergründig sei dies nicht der Anlass für die Einschüchterungsversuche der Plattform gewesen, berichtet TorrentFreak. Die Wissenschaftler hatten mit hunderten Bot-Accounts probiert, den Algorithmus zu untersuchen. Eines der Experimente war zum Beispiel, ob der Algorithmus Männern und Frauen unterschiedliche Vorschläge ausgibt, selbst wenn sie die gleiche Musik hören. Auch testeten sie, ob sich der Dienst manipulieren lässt. Die Forscher griffen zu diesen Methoden, da der Streamingdienst – wie andere Plattformen in Sachen Algorithmen auch – eine Blackbox ist.
Kurz nach dem Interview über die Piraten-Vergangenheit des Streamingdienstes, der heute 2.000 Mitarbeiter hat und im letzten Jahr 2,9 Milliarden Euro Umsatz machte, erhielten die Wissenschaftler und ihr Geldgeber, das Swedish Research Council, Post von den Anwälten des Unternehmens. Darin beschwerte sich Spotify über die angewandten Methoden und drohte mit rechtlichen Schritten.
Das Swedish Research Council sieht jedoch keinen Grund, das Projekt nicht weiter zu finanzieren. Das Buch „Spotify Teardown – Inside the Black Box of Streaming Music“ soll nächstes Jahr erscheinen.
