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Was kostet die Wahrheit? Whistleblower vor Gericht

hr2 – Der Tag“ berichtete gestern über „Was kostet die Wahrheit? Whistleblower vor Gericht“

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Antoine Deltour, 31 Jahre alt, ist der Informant hinter dem als LuxLeaks bekanntgewordenen Steuerskandal. Seit gestern steht er mit zwei Mitangeklagten in Luxemburg vor Gericht. Angeklagt ist er wegen Diebstahls, Verletzung des Betriebs- und Berufsgeheimnisses, Einbruch in ein Informationssystem und wegen Geldwäsche. Er war Mitarbeiter der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers und gab Material an einen Journalisten weiter, das belegt, wie 350 multinationale Konzerne über Jahre hinweg für dutzende Milliarden Euro an Gewinnen so gut wie keine Steuern bezahlten. Während die einen die Moral von Deltour und seinen Gerechtigkeitssinn loben, wollen die anderen ein Exempel an ihm statuieren, um weitere potentielle Whistleblower abzuschrecken? In der kommenden Woche soll das Urteil fallen. Wenn es schlecht läuft für Deltour wird er zu einer Haft von fünf Jahren und 1,25 Millionen Euro Geldstrafe verurteilt.

Hier ist die MP3.

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3 Kommentare
  1. Vielleicht wäre es ganz hilfreich mal zu beleuchten, welche Fehler in dem Fall und in anderen von Whistleblowern und Veröffentlichungsplattformen gemacht wurden und werden.
    Es muß ja nicht sein, daß die Leute fast zwangsläufig in die immer offeneren und schärferen Messer laufen.

  2. Antoine Deltour wurde von keiner staatlichen Institution verklagt, sondern von PricewaterhouseCoopers International Limited.

    PwCIL ist ein globales Netzwerk rechtlich selbständiger und unabhängiger Unternehmen, die auch zum Zweck der Steuer-Optimierung, -Vermeidung und -Verkürzung nachgefragt werden.

    Neben moralisch zweifelhaften aber gerade noch legalen Modellen werden auf Wunsch des Kunden auch weitergehende Modelle „diskutiert“ inklusive einer Risikobewertung was die Entdeckungswahrscheinlichkeit anbelangt und einer Einschätzung des Aufwands nach Aufdeckung einer nicht ganz legalen Konstruktion. Die Beratung erfolgt entlang der Bruchlinie zur Illegalität.

    Firmen wie PricewaterhouseCoopers sind global vernetzte Beratungskonzerne, die auch mit Regierungen bestens vernetzt sind, gelegentlich werden Mitarbeiter an Ministerien „ausgeliehen“.

    Durch die Tätigkeit solcher Firmen entgehen Staaten Steueraufkommen in der Größenordnung von geschätzt zig-Milliarden. Dieses Geld fehlt Staaten aber auch Kommunen auf lokaler Ebene im Sozial-Sektor.

    Wo PricewaterhouseCoopers Firmen berät, kann sich ein Bürgermeister also darauf einstellen, dass ihm Geld etwas für Schulen und Kindergärten fehlen wird. Das sollten auch die Bürger wissen, die sich ihre Stadt mit Firmen teilt, die von PricewaterhouseCoopers beraten werden, insbesondere Familien mit Kindern.

    Der gesellschaftliche Druck auf PricewaterhouseCoopers muss steigen. PricewaterhouseCoopers sollte erkennen, dass der Prozess gegen Antoine Deltour zum Bumerang wird. Kunden von PricewaterhouseCoopers erkennen vereinzelt, dass sie sich mit PricewaterhouseCoopers ein PR-Problem eingehandelt haben.

    Legen wir den Finger in die Wunde von PricewaterhouseCoopers und lassen wir sie nicht aus den Augen.

  3. Jeder ist verpflichtet Gesetzesverstöße anzuzeigen, auch wenn diese von Juncker höchstpersönlich begangen wurden.
    Ich hoffe, die Angeklagten haben excellente Verteidiger!

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