Kultur

Mit Freiheit gegen totalitäre Tendenzen

Jessica Heesen setzt sich mit der Freiheit in unseren allgegenwärtigen informationstechnischen Systemen auseinander, denn digitale Dienste haben eine totalitäre Tendenz, die auch die Privatheit und informationelle Selbstbestimmung betrifft. Was aber sind die Faktoren für den Erhalt und die Garantie von Freiheit bei der Internetnutzung?

Freiheit als politisch-philosophischer Begriff ist einerseits grundlegend für ein demokratisches Gesellschaftsverständnis und andererseits Ausgangspunkt für die anthropologische Verortung des Menschen als selbstbestimmte Existenz. Diese beiden Aspekte – Demokratie und individuelle Freiheit – sind gleichzeitig die Wurzeln des Rechts auf freie Meinungsäußerung.


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Die Freiheit zur Meinungsäußerung ermöglicht die Teilhabe des oder der Einzelnen an Prozessen der öffentlichen Meinungsbildung. Meinungsäußerungsfreiheit ist somit eine Bedingung für die Vereinigung individueller und kollektiver Interessen im Prozess der gesellschaftlichen Selbstregulierung. Die Konzepte von Freiheit und ihre Verwirklichungsweisen müssen sich durch die Praxiswelten einer digitalen Gesellschaft teils neu bewähren.

Dies ist ein Gastbeitrag von Jessica Heesen. Der Beitrag ist eine gekürzte und leicht geänderte Fassung von „Freiheit“ (S. 52–58) im gerade erschienenen „Handbuch Medien- und Informationsethik“. Mit freundlicher Genehmigung des Verlages J. B. Metzler, Stuttgart.

Internet: Freiheit im individualisierten Verständnis

Schon in den 1920er Jahren wurden in die aktive Mediennutzung große Hoffnungen für eine Stärkung der menschlichen Selbstbestimmungsfähigkeit gesetzt. Bertolt Brecht etwa forderte damals, also zur Zeit der breiteren Etablierung des Radios, „eine Art Aufstand des Hörers, seine Aktivisierung und seine Wiedereinsetzung als Produzent“ (Bertolt Brecht: Radiotheorie, 1967). Auf den ersten Blick erscheint das Internet aufgrund seiner zahlreichen Beteiligungsmöglichkeiten als ideales Medium zur größtmöglichen Umsetzung solcher medialen Freiheitsrechte. Die Internetnutzung entspricht der Vorstellung von aktiver Teilhabe und der Freiheit zu umfassender Informationssammlung, Dokumentation und Meinungsäußerung. Die Möglichkeiten zur Produktion eigener Beiträge sind im Internet zwar nicht schrankenlos, aber doch wesentlich erleichtert im Vergleich zu Hörfunk und Fernsehen. Auch im Unterschied zu den Anforderungen, die zur Herstellung eines Presseerzeugnisses notwendig sind, wie Druck und Vertrieb, ist die aktive Internetnutzung mit weniger Aufwand verbunden.

Das Internet vereinigt potenziell alle bis dato existenten Medientypen auf einer digitalen Plattform und ermöglicht zudem die aktive Beteiligung von Einzelpersonen, Gruppen, Organisationen oder Dienstleistern. Gemessen an der Pluralität der Inhalte und Beteiligungsformen ist das Internet somit das Medium mit dem höchsten Grad an Medien- und Meinungsfreiheit. Gleichzeitig aber ist es ein Medium, das die Registrierung und Verwertung der Art seiner Nutzung im Vergleich zu anderen Medien stark erleichtert. Wegen dieser erweiterten Überwachungsmöglichkeiten fühlen sich viele Nutzerinnen und Nutzer in ihren Freiheiten eingeschränkt (vgl. Elizabeth Stoycheff (pdf), PEN (pdf)).

Noch ein weiterer Aspekt relativiert die Wahrnehmung und Umsetzung von Freiheitsrechten im Internet. Meinungsfreiheit impliziert die Freiheit zur Äußerung, sonst endete sie als Verweis auf einen bloß selbstbezüglichen Begriff der Gedankenfreiheit. Wie ist es jedoch in einer auf Pluralisierung und Spezialisierung ausgelegten Medienlandschaft zu gewährleisten, dass Meinungsäußerungen öffentliche Aufmerksamkeit finden? Aus den neu gewonnenen Möglichkeiten zur medialen Meinungsäußerung folgt kein Anspruch auf öffentliche Wahrnehmung. Der neue Superpluralismus der Medien muss als ironische Wendung von Freiheit beschrieben werden, wenn die Masse der Meinungsäußerungen und Medienangebote das Diskurs-, Verständigungs- und Orientierungsangebot der Medien konterkariert und als „Informationsflut“ die Aufnahmekapazitäten der Adressaten und Adressatinnen überfordert.

Für die Beschreibung des Freiheitsbegriffs in der Internetkommunikation muss darüber hinaus noch eine weitere Ebene erwähnt werden. Die Internetnutzung entspricht tendenziell einem Verständnis, das Freiheit als Unabhängigkeit von allen Beschränkungen interpretiert. Dafür spricht der hohe Stellenwert des Individuums im Internet, der sich in der Personalisierung von Diensten, Suchmaschinen und Benutzeroberflächen zeigt, aber auch die generelle Affinität der Online-Kommunikation zu direkter und „unvermittelter“ Kommunikation – etwa mit der Abgeordneten des Wahlbezirks, ohne dass journalistische Medien dazwischen geschaltet wären. Die gesellschaftliche Etablierung des Internets war auch deshalb so erfolgreich, weil es individuelle und freiere Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten abseits der konventionellen Mainstream-Medien versprach.

internet dog
„On the internet, nobody knows you’re a dog“, via flickr/Phil King, CC BY-NC-ND 2.0. Ursprüngliche Version: Cartoon im „New Yorker“, 1993: Fair use, jedoch nur in den Vereinigten Staaten.

Diese individuelle Freiheit im Internet wird dabei häufig auch als Freiheit von leiblichen Erscheinungsformen (wie es beispielsweise der populäre Cartoon von Peter Steiner, „On the internet, nobody knows you’re a dog“) sowie generell lebensweltlichen und institutionellen normativen Rahmungen interpretiert. Dazu gehört die Freiheit von nationalstaatlichen Grenzen ebenso wie die Freiheit zur Erschaffung anonymer oder pseudonymer Identitäten. Entsprechend stand zu Beginn der allgemeinen Internetnutzung der Glaube an die Selbstregulierung einer freien Netzgemeinde, die gesetzliche Vorschriften überflüssig macht, im Vordergrund (vgl. Barlow A Declaration of the Independence of Cyberspace, 1996).

Die Nutzerinnen und Nutzer virtueller Internetkommunikation wären insofern losgelöst von ihrer leiblichen Existenz (disembodiment) und strukturellen Benachteiligungen. Online-Identitäten sind in diesem Sinne als freiere, teils selbst-kreierte Identitäten zu verstehen.

Der Gedanke, den menschlichen Geist als autonom und damit als unabhängig von weltlichen Einschränkungen und Bindungen zu verstehen, ist nicht neu. Ähnliche, jedoch philosophische Begründungsversuche einer bedingungslosen Freiheit wurden in der Aufklärung insbesondere durch Immanuel Kant ausgearbeitet. Der Autonomiebegriff war gleichzeitig Fundament der Französischen Revolution 1789 und prägte insbesondere den Liberalismus.

Für das Cyber-Subjekt zeigen sich allerdings schnell die Bedingungskontexte seiner Identität, wenn man sich vor Augen hält, dass es in seiner Existenz sowohl vom kommunikativen Austausch mit anderen abhängt als auch von Software, Netzinfrastruktur und Elektrizität. Und nicht zuletzt erweist sich aus erkenntnistheoretischer Perspektive die Unterscheidung zwischen virtuellen und realen Identitäten grundsätzlich als brüchig; vielmehr müssen sie als Kontinuitäten in verschiedenen Handlungswelten verstanden werden. Darüber hinaus verweist die Diskussion um die Repräsentation von Körpern in der Internetkommunikation auf das anhaltende Bedürfnis des Menschen, sich über leibliche Repräsentationen zu identifizieren – selbst wenn sie künstlich kreiert sind (vgl. Michele White, 2006).

Was sind die Faktoren für den Erhalt und die Garantie von Freiheit in der Internetnutzung? Einer der weiteren Schlüssel zu einer nicht virtuell, sondern lebensweltlich und praxisorientierten Bestimmung von Freiheit ist die Wahrung von Privatheit und informationeller Selbstbestimmung: Geht es bei der Herstellung von Privatheit doch grundlegend um die Abwehr und Einhegung hegemonialer, totalitärer Ansprüche über individuelle und gesellschaftliche Handlungsbereiche.

„Mit dem Begriff des Privaten grenzen wir […] Bereiche oder Dimensionen ab für ein Individuum, die es braucht, um die in modernen Gesellschaften beanspruchte und rechtlich gesicherte individuelle Freiheit leben zu können. Solche Bereiche oder Dimensionen des Privaten substantiieren nämlich die gesicherten Freiheiten, weil mit der bloßen Sicherung von Freiheit […] noch nicht notwendig und zugleich die Bedingungen dafür gesichert sind, dass wir die Freiheiten so leben können, wie wir wirklich wollen.“ (Beate Rössler: Der Wert des Privaten. 2001, S. 138).

jessica heesen
Jessica Heesen. (Foto: S. Icks)

Ein weiteres, komplementäres Element für die Sicherung von Freiheit in der Internetkommunikation ist die Ermöglichung von Pluralität sowohl auf Ebene der Netzinfrastruktur als auch in Hinsicht auf Dienste und Inhalte. In diesen Bereich fallen Diskussionen um Zugangsgerechtigkeit (digital divide), Netzneutralität oder auch die Schaffung von monopolartigen Strukturen durch kostenlose Angebote (zero rating) insbesondere in ärmeren Weltregionen. Nur durch die Schaffung eines breiten Angebotsspektrums ist eine echte Freiheit zur Wahl und damit zu mehr oder weniger Datenschutz, Kontrolle, Partizipation oder Meinungsäußerung gegeben.

Freiheit in allgegenwärtigen informationstechnischen Systemen

Die Internetkommunikation erstreckt sich nicht nur auf die Kommunikation von Menschen mit Menschen. Sie weitet sich zunehmend aus in den Bereich der dinglichen Umgebungen. In einer von Informationstechniken (IT) durchdrungenen Welt (Internet der Dinge, ubiquitous computing, ambient intelligence) treffen Nutzerinnen und Nutzer in fast allen gesellschaftlichen Bereichen auf einen Bestandteil des Gesamtsystems, ob in einem Smart Home, dem Büroalltag oder dem eigenen Smartphone. Im Hintergrund der Anwendungen steht stets die Vorstellung einer allgegenwärtigen Assistenz. Umfassende IT-Systeme machen die Welt in einem hohen Maße verfügbar, erfassbar und kontrollierbar.

Aus verschiedenen Gründen, nicht nur aufgrund ihrer Allgegenwart und Personalisierungseigenschaften, haben digitale Dienste eine totalitäre Tendenz. Eine allgegenwärtige IT-Infrastruktur erzeugt zudem hybride Formen von Öffentlichkeit und stellt ihre Nutzerinnen und Nutzer immerwährend in einen Kontext von sozialer Kontrolle und allgemeinen Normvorgaben (vgl. Ramón Reichert Digitale Selbstvermessung, 2015). Dafür spricht auch, dass sie wie namentlich im calm oder pervasive computing häufig unsichtbar und damit der Wahrnehmung der Nutzerinnen und Nutzer und ihren aktiven Entscheidungsprozessen entzogen sind.

Gerade der letztgenannte Punkt ist von Bedeutung, wenn es um Big-Data-Analysen geht. Die Nutzung von Big Data baut auf den zahlreichen direkten und indirekten Spuren des individuellen Handelns auf, die durch die Durchdringung der Alltagswelt mit Informationstechniken vorliegen. Eine allgemeine „Datafizierung“ ist somit eine der Bedingungen für die erfolgreiche Durchführung von Big-Data-Analysen. In solchen Analysen findet eine Erfassung der öffentlichen, aber auch der alltäglichen und privaten Verhaltensweisen statt. Alle Personen, die (unwillkürlich) Daten generieren, wirken mit an der Herstellung eines allgemeinen Datenpools. Fast jede Aktivität mit digitaler Unterstützung, wie Kommunikation, Konsum oder Reiseentscheidungen, kann unter Beobachtung stehen und zum Gegenstand strategischer Entscheidungen in Wirtschaft, Versicherungswesen und Politik werden. In einer solchen Situation der umfassenden Verhaltensanalyse durch IT-Systeme, gibt es entsprechend kaum noch nicht-politische Handlungsweisen. Auf diese Weise ist dem Eindringen einer politischen bzw. ideologischen Komponente in den privaten Bereich, der technische Weg gebahnt (vgl. Big Data for a Fairer Democracy? (pdf), 2016). Jede Handlung kann als Baustein für die Messung von Vorlieben und Einstellungen dienen.

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CC BY-ND 2.0 via flickr/Dirk Marwede

Das Aufkommen von Medientechniken, die in den Alltag einwandern, die Grenze zwischen Privat- und Arbeitswelt aufweichen und über mobile Endgeräte wie Smartphones oder Wearables unsere ständigen Begleiter werden, beleuchtet somit wiederum einen weiteren Aspekt des Freiheitsverständnisses: Nun kann die Person als frei gelten, die nicht von Medientechniken belagert wird.

Diese Form der Beanspruchung einer negativen Freiheit ist nicht alleine auf den Wunsch einer „guten“ und ruhigen Lebensführung und der Abweisung des Zwangs, immer erreichbar zu sein, zurückzuführen. Sie ist gleichzeitig verknüpft mit dem Wunsch und dem Recht, nicht analysiert und überwacht zu werden. Moderne Informations- und Kommunikationstechniken (vom Fernseher, über das elektronische Buch bis zur Smartwatch) sind immer auch Überwachungstechniken. Das Recht auf kommunikative Selbstbestimmung basiert auf dem Recht auf eine freie Entfaltung der Persönlichkeit. Demzufolge ist nicht nur wie im Fall der informationellen Selbstbestimmung die Freiheit gegeben, über die eigenen Daten zu verfügen, sondern auch die Freiheit, sich fremder Kommunikation zu verweigern.

Darüber hinaus sollte es in einer radikaleren Variante auch möglich sein, sich für eine zumindest partielle Nicht-Nutzung von IT zu entscheiden und trotzdem nicht von relevanten Diensten und Informationen ausgeschlossen zu sein. Diese Option impliziert die Notwendigkeit, neben den häufig unsicheren und störungsanfälligen IT-Systemen eine parallele Offline-Infrastruktur zu erhalten. Auf diese Weise werden nicht nur totalitäre Tendenzen informationstechnischer Systeme zurückgedrängt, sondern gleichzeitig mehr Sicherheit hergestellt, indem die Unabhängigkeit von Systemen gewahrt bleibt, die durch informationstechnische Attacken gefährdet werden.

Aus abstrakterer Perspektive der Informations- und Medienethik geht es im Umgang mit umfassenden informationstechnischen Systemen also immer auch um die Wahrung eines möglichst großen Spektrums von Handlungsoptionen. Diese Wahrung von Handlungsfreiheiten ist eine praktische Voraussetzung zur Vermeidung einer technokratischen Vereinnahmung im Kontext der gesellschaftlichen Digitalisierung. Hierzu gehört einerseits die Entfaltung von Freiheitsrechten durch Abwehr, andererseits aber auch die Schaffung von Rahmenbedingungen für die positive, aktive Umsetzung von Medienfreiheit. Dazu zählen die Zugangsfreiheit zu Informationen wie auch die Grundversorgung mit entsprechenden technischen Geräten und Diensten sowie die gleichberechtigte Nutzung der Kommunikationsinfrastruktur durch alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen (Netzneutralität).

Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Schaffung von Transparenz. Transparenz ist eine Bedingung für die bewusste Entscheidung für oder wider die Akzeptanz einer technischen Anwendung. Die Forderung nach Transparenz bezieht sich insbesondere auf die Systemarchitektur wie auch auf die Form der Verarbeitung personenbezogener und personenbeziehbarer Daten. Transparenz ist eine der Voraussetzungen für die Entwicklung von Kompetenz und schließlich auch einer demokratisch legitimierten Partizipation bei der Entwicklung, Nutzung und Weiterentwicklung informationstechnischer Anwendungen.

Eine solidarische Verwirklichung von Medienfreiheit

Bei der Verwirklichung von Medien- und Informationsfreiheit handelt es sich um einen komplexen Prozess. Weder kann es nur um individuelle Freiheit gehen, noch dürfen die Rahmenbedingungen im Vordergrund stehen. Die Verwirklichung von Freiheiten hängt ab von beidem und vor allem auch davon, dass Medienfreiheit durch Meinungsvielfalt, Anbietervielfalt und einer Vielfalt der Formate – von der politischen Berichterstattung über die Dokumentation bis zur Unterhaltung – mit Leben gefüllt wird.

lick to freedom
CC BY-NC-ND 2.0 via flickr/Ape Lad

Grundsätzlich jedoch können die Pluralität und Unabhängigkeit und somit die Freiheit der Medien und die individuelle Freiheit insgesamt nur dann gewahrt werden, wenn Freiheit einerseits institutionell durch normative Rahmenbedingungen etabliert und andererseits durch das solidarische Handeln von Individuen, Gruppen und Gemeinschaften unterstützt wird. Auch wenn die individuellen Freiheitsrechte im Zentrum einer demokratischen Gesellschaftsordnung stehen, kann eine völlig individualisierte Kommunikation allein die Herstellung einer demokratischen Öffentlichkeit nicht gewährleisten.

„[…] die Aussicht darauf, daß mit Hilfe der Medien in Zukunft jeder zum Produzenten werden kann, bliebe unpolitisch und borniert, sofern diese Produktion auf individuelle Bastelei hinausliefe. […] Die Diapositiv-Serie von der letzten Urlaubsreise kann hierfür als Muster gelten.“ (Hans Magnus Enzensberger: Baukasten zu einer Theorie der Medien, Kursbuch 20, 1970, S. 179).

Zu diesem Fazit kam Hans Magnus Enzensberger 1970 in Bezug auf die individualisierte Medienproduktion mit Fotoapparaten, Super-8-Kameras und Kurzwellensendern, und es gilt gleichermaßen für das Internet. Mediale Öffentlichkeit als Ausdruck und Vollzug individueller und kollektiver Freiheit reflektiert notwendig auf eine solidarische Verwirklichung der Freiheitsidee: Im Unterschied zu einem negativen Freiheitsbegriff, der darauf abzielt, die Freiheitsrechte anderer nicht zu beschneiden, bezeichnet ein solidarischer Freiheitsbegriff komplementär eine positive Pflicht zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Kommunikation in Hinblick auf Gemeinwohlorientierung und die res publica. Hierin steckt die eigentliche ethische Dimension der Medienfreiheit (vgl. Medienethik und Netzkommunikation (pdf), 2008, S. 189f.).

Die Aufgabe der solidarischen Strukturierung von Öffentlichkeit in den herkömmlichen Massenmedien lag beim Gesetzgeber und damit einem demokratisch legitimierten Organ. Der Impuls zu einer solidarischen Verankerung der öffentlichen Kommunikation in den Online-Medien dagegen geht von den einzelnen Medienteilnehmerinnen und -teilnehmern aus.

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30 Kommentare
  1. Eine bedenkenswerte Analyse. Und ein letzter Satz, der wenig hoffnungsfroh stimmt. Wenn es maßgeblich auf den Einzelnen – genauer: die vielen Einzelnen – ankommt, dann sind die bereit, für eine gefällige „user experience“, die Zugehörigkeit zu einer konzerngesteuerten Community oder ein bisschen Game-Gaudi alle Freiheiten hinzugeben; auch deswegen, weil deren Verlust so einfach nicht wahrnehmbar ist.

    Als die Algonquin-Indianer die Insel Manhattan für Waren im Gegenwert von 60 Gulden eintauschten, waren sie zweifellos der Meinung, ein gutes Geschäft zu machen. Die Facebook-Liker, Google-Sucher, Pokemon-Go-Spieler sind auch allesamt der Meinung, bei dem Geschäft auf ihre Kosten zu kommen – was es sie tatsächlich kostet, ist ihnen nicht im geringsten bewusst. Algonquin-Indianer überall.

    1. Von dem Zeug und zahlreichen weiteren „Innovationen“ verwende ich auch nichts. Allerdings glauben die Facebook-Liker, Google-Sucher, Pokemon-Go-Spieler &co., das sind fast ALLE, dass ihre Daten den realen Wert von Glasperlen, oder meinetwegen auch Fusel oder Opium, ich weiß nicht, was deine Indianer bekamen, haben. Damit lägen sie nicht falsch, solange diese Daten nicht eindeutig ihrer Person zugeordnet werden könnten. Das trifft allerdings nicht zu. Viele haben auch mehrere Accounts bei einem Anbieter. Nicht nur das, im Fall vom Fratzenbuch verkaufen sie auch noch ihre anderen Kontakte, die nicht unbedingt was damit zu tun haben wollen.

      Realistisch zeigte sich an den Prognosen zu den Landtagswahlen in D, zur Wahl in Spanien, beim Abstimmungsverhalten zum Brexit und bei den US-Wahlen jedoch, dass nahezu alle „Qualitätsmedien“ komplett falsch lagen. Dann wurden die krachenden Niederlagen der Etablierten einfach umgedeutet. Im Fall der US-Wahlen ging das nicht mehr, das wurde relativiert und weiter regelrechte Hetze verbreitet. Die Nachrichten auf allen Kanälen, Rundfunk, Fernsehen und Internet erwiesen sich als pure Propaganda. Jetzt sind die Qualitätsmedien aufgeflogen, Merkel will sogar noch einmal antreten (das ist Arroganz der Macht und völliger Realitätsverlust) und der Staat will seine Qualitäten als big brother beweisen. Mal abwarten, wo das endet.

  2. Erinnert sich noch jemand?

    So wie man früher als Überwachungskritiker traditionell als Befürworter von Kindesmißbrauch diffamiert wurde… (eine Taktik, welche jedem Bürgerrechts-„Fundi“ noch bestens in Erinnerung sein dürfte. Hat ja letztlich auch funktioniert) läuft die Kampagne diesmal: „Wer gegen eine verschärfte Online-Zensur ist, findet Morddrohungen im Internet auch ganz o.k.“ …

    https://medium.com/@eigentlichHH/hatespeech-ist-immer-der-hatespeech-der-anderen-f846604c741f#.w5sfukvew

  3. Die Zensur nimmt gestalt an. Eine Demokratie muss dies aushalten können. Wir als Bürger halten auch die Waffendeals unserer Regierung aus, darüber regt sich in der Regierung niemand auf. Sind halt gute Geschäfte. Worte töten nicht und Idioten gab es schon immer. Schlimm sind Idioten nur, wenn sie an den Schalthebeln der Macht sitzen.

    1. Enzensberger hat mein Deutschabi ruiniert. So bin ich zum Glück nie Deutschlehrer geworden, aber auch kein Informatiker. Was ich mich frage, wie kann es Freiheit geben in einem binären System, das nur richtig oder falsch, 0 oder 1 kennt? Und warum ist mir als Laie dennoch eine Programmiersprache wie Phyton sympathischer als Rails?

      „Das Prinzip der geringsten Überraschung ist das Prinzip meiner geringsten Überraschung. Und es ist das Prinzip der geringsten Überraschung, nachdem Du Ruby sehr gut gelernt hast.“

      – Yukihiro „Matz“ Matsumoto
      https://de.wikipedia.org/wiki/Ruby_(Programmiersprache)

        1. Nur weil ich mich weder für Lyrik im Besonderen noch für Programmiersprachen im Allgemeinen begeistern kann? Und ich nicht finde, dass Zensur als Ausrede für die eigene Bequemlichkeit herhalten darf.

  4. erscheint das Internet aufgrund seiner zahlreichen Beteiligungsmöglichkeiten als ideales Medium zur größtmöglichen Umsetzung solcher medialen Freiheitsrechte.

    Diese romantischen Zuschreibungen (Kommunikation, Information, Wissen) werden dem Internet unserer Tage nicht mehr gerecht. Das Internet (als Transportmedium) ist vorwiegend zu einem Herrschaftsinstrument geworden, das von Regierungen zur Überwachung benutzt wird. Profitorientierte Unternehmen benutzen seduktive Angebote, um Konsumsklaven zu konditionieren und zu tracken. Politik (und Journalismus?) bedienen sich des Internets zur Verbreitung gefälliger Narrative und zu vielfältiger Manipulation. Individuen haben ihren Spaß daran, die Realität zu faken.

    Die Autorin vermutet, wenn ich es recht verstanden habe, verbliebene Freiheitsräume dort, wo Individuen sich ihren Raum frei von Überwachung, Werbeterror, Fake und Manipulation schaffen bzw. zurück erobern. Es sind die „negativen Freiheiten“ also (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Negative_und_positive_Freiheit) die Linderung (im bewussten Rückzug) versprechen.

    Die positive Freiheit jedoch ist der Kampf gegen staatliche Überwachung, politische Manipulation und gegen die kommerziellen Internet-Giganten. Hier sterben die Mutigen im analogen Raum. Ihre Zeit wird kommen, das eine oder andere Kabel wird dann zerstört sein.

  5. „Was aber sind die Faktoren für den Erhalt und die Garantie von Freiheit bei der Internetnutzung?“

    Der wirksamste Faktor, in einer Demokratie, ist, die Parteien zu wählen, die sich
    REAL dafür einsetzen. Mit dem Kanzlerwahlverein und deren blutleeren roten
    Pendant aka GoKo wird das sichtbar gar nichts.

    1. Zunächst einmal sollte man sich vom Konstrukt der „Garantien“ verabschieden. Es gibt keine Garantien, auf die man sich verlassen darf.

      Wie einfach gestrickt muss man sein, um zu glauben, dass ein alternativer oder sonstiger „Kanzlerwahlverein“ Freiheiten garantieren könnte?

      Individuelle Freiheit kann jeder Nutzer erlangen, indem er sich Teilen des Internets verweigert, die seine Freiheit bedrohen. Und ja, damit sind so manche nützliche Idioten überfordert.

  6. „Was aber sind die Faktoren für den Erhalt und die Garantie von Freiheit bei der Internetnutzung?“

    Der wirksamste Faktor, in einer Demokratie, ist, die Parteien zu wählen, die sich
    REAL dafür einsetzen. Mit dem Kanzlerwahlverein und deren blutleeren roten
    Pendant aka GroKo wird das sichtbar gar nichts.

  7. Ohne Privatsphäre keine Demokratie. Das Internet überhaupt die IT höhlt die Privatsphäre aus da uneingeschränkt persönliche Daten abgeschöpft werden was ansich nix anderes als ein Eigentumsdelikt ist da die persönlichen Daten dem Eigentum der Person unterliegen. Überhaupt macht die IT die Menschen gläsern und damit manipulier- und erpressbar. Die Menschen sind alle abhängig vom Geld(Arbeitsplatz) und den Institutionen die allesamt hinter dem Rücken der Menschen unkontrolliert die persönlichen Daten verarbeiten. Ob das Krankenkasse, Schufa, Bank, Meldeämter, Arbeitsagentur, Arzt usw. ist. Diese Institutionen werden aktuell größtenteils auf Windows 10 und Cloud umgerüstet und von US Firmen wird deren Netzwerk betrieben was die Menschen, Firmen, Politik, einfach alles seit US Gesetz FISA 702 ausspioniert wobei Windows 10 schon in der Lizenz sich den Zugriff auf alle Daten sichert. Daher wird jeder auch jede Firma in der IT Gesellschaft ausspioniert selbst wenn er kein Handy oder Internet oder LInux, Tor nutzt da alle Daten elektronisch verarbeitet werden und der Mensch daher gläsern ist weil er auf Schritt und Tritt verfolgt wird. Im übrigen gab es nie eine Demokratie einfach mal sich mit der Geschichte auseinandersetzten siehe attische Demokratie und römische Republik die besagt das die Demokratie zu jedem Zeitpunkt ein Projekt der Aristokratie war, die die Demokratie schon immer kontrolliert hat und je nach Bedarf wenn die Aristokratie in Gefahr war die Scheindemokratie kutzerhand entdemokratisiert wird durch Pseudogesetzte hin zur Diktatur wie wir es aktuell erleben weil die Politik zugunsten der MInderheit Gesetzte macht da alle abhängig sind vom Geld das von der herrschenden Minderheit gedruckt wird und daher am Gängelband hängen. Das war u. A. schon Bestandteil der römischen Republik wo interessanter weise sich bis heute nichtmal die Namen geändert haben. Siehe USA und Kapitol haben die auch. Hinweis in Deutschland haftet ein Parlamentarier nicht gegenüber dem angeblichen Souverän und die Justiz wird von der Politik kontrolliert also keinerlei Gewaltenteilung.

  8. Macht mal den Lackmus-Test wie lange es dauert, so 10 min surfen mit Tor, auch wenn man Tor nutzt allerdings mit eingeschalteten Javascript bis man bei http://www.vaticanstate.va in seiner Landessprache begrüßt wird. Beim aktuellen Torbrowser sofort nur die älteren funktionieren noch eine weile sicher.

    1. Die Tor-Leute schreiben dazu „There’s a tradeoff here. On the one hand, we should leave JavaScript enabled by default so websites work the way users expect. On the other hand, we should disable JavaScript by default to better protect against browser vulnerabilities (not just a theoretical concern!).“

      Was sagt Ihr Test also im Licht dieses Hinweises aus? Dass wir trotz tor keinesfalls anonym surfen können? Oder dass JavaScript ein bekanntes Einfallstor für User-Tracking ist und es besser deaktiviert werden sollte?

      1. Sicherheit geht vor- immer! Also kein Javascript beim Tor-surfen.

        Wenn man Javascript dennoch braucht für eine spezielle site, der man vertraut, dann mit einem separatem Profil in dem Javascript aktiviert ist. Dieses Profil einzig und allein für diesen Zweck nutzen und nicht zum surfen verwenden. Dabei ist klar, dass man das sorgfältig trennen muss, das ist nix für hongs!

      2. Das sagt vorallem aus das der aktuelle Tor Browser seit Appelbaum weg ist und die Führung bei Tor ausgetauscht wurde eher unsicherer geworden ist. also war der Austausch der Führung und angepasste Leute wie Bruce Schneier(Krytoexperte von wem?) und Shari Steel(Ausbildung Justize, FBI, NSA sagt eigentlich alles) und das weggehen von Appelbaum eher schlecht für die Sicherheit von Tor. Weiterhin sagt es aus das die gestolenen Trackingdaten zentral irgendwo gespeichert werden und diese von Webseiten wie vaticanstate.va abgefragt werden können. Jetzt kann man fabulieren das man mit ausgeschalteten Javascript sich noch sicher sich im internet bewegt aber grundsätzlich kann man es nicht wissen, abgesehen mal davon, das dass Surfen dann nur noch eingeschränkt funktioniert, weil der Normalnutzer nicht auf die Hardware des Internets im Unterschied zu all den Spitzeln zugreifen kann. Ich kann keinem empfehlen sorglos im Internet zu surfen auch nicht mit Tor. WIndows kann man als Betriebssystem höchstens noch zum Spielen nutzen, aber auch da wird man ausgespäht. Windows wird aber von allen Behörden, Institutionen benutzt und somit wird der Mensch gläsern. Private Daten sollten nur noch auf Linux Rechnern liegen die nicht mit dem Internet verbunden sind noch besser abheften wie früher und mit der Hand schreiben.

        Warum befragt netzpolitik Appelbaum nicht mal was er dazu sagt ob Tor heute sicherer ist?

        1. >Das sagt vor allem aus das der aktuelle Tor Browser seit Appelbaum weg ist und >die Führung bei Tor ausgetauscht wurde eher unsicherer geworden ist.

          Sind sie da sicher? Mein obiges Zitat ist (als Teile einer Diskussion bzw. einer Beschreibung der Konfigurationsmöglichkeiten im tor Browser) auf diversen Webseiten zu finden (u.a. stackexchange.com) und entstand mindestens ein Jahr bevor Jacob Appelbaum das tor Projekt verlassen hat. Wo ist also der Zusammenhang zwischen fragwürdigen Default-Einstellungen im tor Browser und dem Ausscheiden von Jacob?

    1. Hab mal kurz Nachgedacht und bin zu folgendem Ergebnis gekommen!!

      Den Völkern wurde das Denken ausgetrieben durch zuletzt 2400 Jahre Inquisition der Römer(Feudalisten, einzelne Familien weltweit mit Söldnerbevölkerungen) bis heute indem die Kultur und Religionen der freien Völker systematisch zerstört und durch die Römische ersetzt wurde. Die Völker die nicht beeinflussbar waren wie indigene Kulturen wurden und werden systematisch ausgerottet indem sie zuvor entmenschlichte werden indem man sie Heiden nennt, heute Entmenschlichung durch Thinktankbegriffe wie Sozialschmarotzer, Terroristen, Verschwörungstheorethiker usw.. Das nennt sich heute freie Welt aufgebaut auf hunderte von Millionen Toten und Milliarden Sklaven dafür trinken wir alle deren Kaffee oder Tee. Unabhängige Menschen wie Jesus heute Kritiker wurden und werden von den Feudalfamiien und deren Söldner bekämpft. Nur ein unabhängiger Mensch kann denken also kein Geheimdienst also Abhängige im Allgemeinen können nicht denken wie Religion, Wissenschaft, Militär, Politik, Justiz(römisches Recht) usw. Beweis siehe die relativ schnelle Wandlung hin zur Diktatur da alle Verantwortlichen entpuppen sich als Eigennützig, programmierte Lemmige wie vor 80 Jahren. Heute glauben die Menschen sie könnten denken und wären frei weil sie so programmiert wurden. Ihre Programmierung ist das, was die meisten denken und sagen. Beispiel das ist so weil ich das so gelernt habe oder in der Studie bzw. Wissenschaft, Quelle steht wobei die meisten das nichtmal genau wissen bzw, können was sie gelernt haben und alles letztendlich von Menschen also Eigennützigen erdacht wurde(Modellvorstellung) und daher keinerlei Wahrheitswert hat. Von Kindheit an werden die Menschen programmiert durch Religion, Schule, Ausbildung wie Studium Beruf und mit Programmen, Glaubenssätzen zusammen Deutungshoheit gefüttert wie Religion, Demokratie, Freiheit, Menschenrechte, Evolutionstheorie, Wissenschaft, Medien, Filme, Werbung usw. Die meisten Menschen sind daher nur in der Lage im Rahmen ihrer Programmierung zu denken. Nur ein unabhängig aufgewachsener Mensch kann denken, was eine Gabe ist, also jemand der sich selbst erzogen oder zufällige Erfahrungen gemacht hat. Siehe Aaron Schwarz(unabhängiger Mensch), hat das Internet mit programmiert und sich später für Informationsfreiheit eingesetzt wofür er ermordet also in den Selbstmord getrieben wurde. In Deutschland gibt es u. A. dafür Hartz4(Siehe auch Code Noir). Aaron Schwarz hat seine Eliteuni geschmissen weil er als unabhängig denkender Mensch schnell gemerkt hat das diese Unis eher das Denken verhindern weil einen Abschluss gibt es nur für die Leute die genau das sagen was man von ihnen erwartet wird also eine klassische Programmierung mittels Konditonierung.

      Schon Jesus hat darauf hingewiesen das nur ein unabhängiger Mensch bedingt nur denken kann da der Mensch an seinem Körper(Überlebenstrieb) gebunden ist und an das Gefühlsleben wie Lust die zusammen Eigennutz ergeben. Die gesamten Machtstrukturen sind ansich nur schlichte Bummerhirachien. Da der Mensch immer Eigennützig ist kann er sowieso keinerlei Systeme(Religion, Politik, Justiz, Wissenschaft, Gesellschaft) aufbauen die nicht zur Ausbeutung führen und schon garnicht richten weil jedes Gericht immer nur ein eigennütziges Gericht sein muss. Heute offensichtlich zugunsten von Minderheiten und Gesetze sind beliebig, siehe BND-Gesetz oder Geschwafel des eigennützigen daher abhängigen Verfassungsgericht zu den NSA-Selektoren.

  9. Ich sehe hier auch die Deutschsprachige Comunity in der Pflicht,
    z.b.
    Tutorials für einfache/kleine Programmierung
    Einstellungen mittels Command Line unter Linux findet man wenig.


    selbst auf Italenisch findet man mehr Content,
    das bremst potentielle OS Umsteiger oder sich selbst helfenden um so mehr.

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