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ICANN und der „Konsensus von Marrakesch“

icannlogoIm Rahmen der 55. ICANN-Konferenz, die in der vergangenen Woche in Marrakesch in Marokko stattfand, wurde der „Konsensus von Marrakesch“ beschlossen. Dieser liefert nach über zehn Jahren Debatte einen Vorschlag, wie zukünftig ICANN unabhängig von den USA und den Vereinten Nationen in einem Multi-Stakeholder-Dialog betrieben werden kann.

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Wolfgang Kleinwächter beschreibt in einem Gastbeitrag in der FAZ, wie der Konsensus von Marrakesch konkret aussieht: Es geht auch ohne Aufsicht Amerikas.

Nach dem neuen Plan wird die Verwaltung der Internetadressen künftig von einer relativ eigenständigen Tochtergesellschaft der ICANN namens „PTI“ (Post-Transition IANA) ausgeübt. Diese wird von einem unabhängigen Gremium beaufsichtigt und regelmäßig kontrolliert. Sollten Probleme auftreten, kann die Aufgabe neu ausgeschrieben werden. Diese Regelung ist eingebunden in ein Aufsichtsmodell der ICANN, das Machtmissbrauch und Korruption verhindern soll. Dem Gedanken der Gewaltenteilung folgend, entstehen erstaunliche Prozeduren: So kann jetzt die in einem sogenannten „Designatoren-Modell“ organisierte ICANN-Community Entscheidungen des Vorstands zu Budget, Statuten oder strategischen Planungen blockieren, sollten diese im Widerspruch zu den Kernaufgaben stehen.

Um auf der anderen Seite einen Missbrauch der neuen Instrumente zu verhindern, wurde ein Eskalationsprozess eingeführt, der mit Warnschüssen beginnt, zu einem Gerichtsverfahren führen und mit der Entfernung einzelner Vorstandsmitglieder oder der Abberufung des ganzen Vorstands enden kann. Und die Community muss sich auch fragen lassen, wo ihre Legitimität herkommt. Damit entsteht ein System der „Checks and Balances“, das alle Teile von ICANN im Blick behält: Jeder kontrolliert jeden.

Mal schauen, ob das alles so klappt wie geplant. Monika Ermert berichtete auf IP-Watch über die Einigung: ICANN Marrakesh Meeting Reaches Milestone For IANA Transition.

The Board of the Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) at its 55th meeting in Marrakesh today passed a milestone resolution to ship a package of proposals by its stakeholder groups to the US National Telecommunications and Information Administration (NTIA) to end the latter’s role as an oversight body for the internet. If approved, ICANN will be the next manager of Internet Assigned Numbers Authority (IANA), which is a set of registries for domain names, IP addresses and protocol parameters essential for the functioning of the global internet.

Im US-Kongress fand gestern eine Anhörung zum Thema statt, über die ebenfalls Monika Ermert auf IP-Watch berichtet: US Congress Hearing All Positive On IANA Transition Process.

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