Linkschleuder

Recht auf Vergessen von Plagiaten? Verschwundene Links auf das VroniPlag-Wiki

Debora Weber-Wulff, Professorin an der HTW Berlin und verantwortlich für deren Portal Plagiat, berichtet in ihrem Blog über verschwundene Links in der Google Suche auf die Dokumentationsseite des VroniPlag-Wikis. Dort sind jene Personen namentlich aufgelistet, deren Dissertationen oder Habilitationen einen hohen Anteil an Seiten mit Fremdtextübernahmen aufweisen. Zuvor waren Weber-Wulff zu Folge die Ergebnisse sehr prominent in den Ergebnisseiten aufgetaucht.


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Die HTW-Plagiatsforscherin sieht in der Entfernung der Links aus den Google-Ergebnissen eine Erschwernis für die Forschung:

This is unfortunate for scientific purposes, as it is vital that other scientists are made aware of dissertations, papers, and books that have been withdrawn for plagiarism or other academic misconduct. Otherwise they will try and replicate experiments that were forged, or build on top of wrong material.

Zumindest in diesem Fall stellt sich die Frage, ob wirklich „nur“, wie kürzlich von Googles Expertenbeirat empfohlen, „im Zweifel gelöscht“ wird oder nicht ganz allgemein zu wenig genau geprüft wird, ob ein überwiegendes Informationsinteresse der Allgemeinheit besteht.

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13 Kommentare
  1. Fehlalarm? Der Hinweis auf gelöschte Ergebnisse kommt bei jeder Personensuche. Wenn auf Seite 2 Links zu VroniPlag auftauchen, wurden sie offenkundig nicht gelöscht.

  2. Halte Debora Weber-Wulff für zuverlässig, wundere mich aber, warum sie selber nicht genau auf Ihrem Blog beschreibt was Sie macht, was dabei herum kommt und was sie erwartet (bzw. was vorher passierte).

    Was sagen die „wir haben Ergebnisse entfernt Seiten von Google“ und die Suche über die Such-Seiten anderer Länder. Wurden Einstellungen bei WIkia gemacht/gescheckt?

    1. Ich habe es einem Namen, bei denen auch die Arbeit zurückgezogen wurde, getestet. Da klappt es. Google Meldungen habe ich keine gesehen. Ggf. müsste man einen Test-bot schreiben, könnte mir das beschriebene Vorgehen, gerade aus dem Bereich der (Kommunal)politik/Ärzten aber schon vorstellen. Zumal da die Arbeiten nur Mittel zum Zweck sind und Marketing und sich gut verkaufen dort viel zählt.

  3. Sorry, ich habe die Stichprobe nicht mit veröffentlicht, das habe ich nachgeholt. Für folgende Fälle bekomme ich, wenn ich den vollständigen Name eingebe, die Links auf das VroniPlag-Wiki entweder erst auf der 2. oder weiteren Seite oder gar nicht angezeigt: (AlmBmClNigRhTt). Unten steht dann: „Einige Ergebnisse wurden möglicherweise aufgrund der Bestimmungen des europäischen Datenschutzrechts entfernt.„. Ich habe aber keine vollständige Untersuchung angestellt, vor allem weil manche Namen entweder viele „Namensvettern“ haben oder extrem viele andere Seiten, weil sie z. B. in der Politik tätig sind. Es gibt aber für viele Personen diesen Hinweis nicht, der VPW-Link ist sogar an erster Stelle. Daher ist es kein generelles Phänomen.

    1. Finde ich soweit okay, dafür werden ja auch die Kürzel verwendet. Gibt/gab es da nicht mal eine Policy bei *plag für, betreffend der Klarnamen (> als XX% der Seiten)?

      Einige betreffen aktuell praktizierende Ärzte. Den Fall aus Bielefeld, den ich getestet habe, ist ein Fall der auch zurückgezogen wurden (interessanterweise vermerkt die Uni das nicht auf Ihrem Dokumentenserver).

      Die meisten die Sachen, die ich gerade auf Vroniplag sehe, sind eher Professoren-fail. Man sollte auch deren Namen gut auffindbar machen. Das „Internet als Pranger“ ™ macht sonst bald keinen Sinn mehr (eh schon schwieriges Thema), bei Gutenberg war das okay, aber hier ist das deutlich mehr ein Uniproblem.

      Bald sind die ohne handwerkliche Mängel nur noch die der Ghostwriter, die Zeit und Erfahrung genug haben ;)

      1. Es gibt beim VroniPlag-Wiki keine feste Grenze, sondern wenn genügend Mitstreiter meinen, dass eine Arbeit nicht mehr mit guter wiss. Praxis vereinbar ist, dann wird ein Fall „gehomt“, mit Namensnennung aufgenommen.

        In der Tat, ich halte viele Fälle für ein #fail in der Begutachtung. Wie kann es nicht auffallen, dass eine fast identische Arbeit 1 oder 2 Jahre früher eingereicht wurde? Wie kann es nicht auffallen, dass die eigene Habilitation ausgiebig ausgeschlachtet wird? Und vor allem (wie bei Go), wie können unter anderem 11 Seiten fast wortidentischer Übernahmen aus der Wikipedia und viele weitere Seiten aus einem Lehrbuch und aus Fachartikeln unbemerkt bleiben? Es mag sein, dass ein Experiment durchgeführt worden ist, aber das Gesamtwerk ist kein wissenschaftliches Werk, auch wenn die betreffende Universität keine vorsätzliche Täuschungsabsicht sehen kann. Gerade bei der durchaus überschaubaren Größe vieler Dissertationen in der Medizin sollten die Gutachter sie wenigstens lesen. Dann fallen die Wikipedia-Links vielleicht auf.

      2. @Debora Weber-Wulff: Klar, es sollte auch K. O. Kriterien geben, will da jetzt auch nicht zu sehr ins Detail gehen.

        Persönlicher Tipp: Am besten alles dokumentieren: Name, Google URL, Antwort, Datum 1, Antwort, Datum 2, Google Disclaimer … am besten automatisiert. Ich denke, es kommt aus der Ecke „Arzt“. Die sich einen Juristen zur Hilfe geholt hat. Ich mache da jetzt mal keinen Witz drüber. Es sollte sich mit einer Liste und einer Seite je Namen leicht nachweisen lassen …

        Solange die Titel nicht aberkannt sind … juckt mich das wenig. Und selbst da kocht ja jede Uni ihre eigene Suppe, oder hat sich da was verbessert? Mir ist das mittlerweile alles egal. Den meisten deutschen Uni Professoren ist das Thema egal … solange niemand in Ihre Buchveröffenlichungen guckt, zumal Verlage auch mit Antiplag-Software fixen … und nicht nur prüfen … aber ich finde es gut, dass noch Leute an der Sache dran sind.

    2. Man kann über https://www.google.com/?hl=de den internationalen Index bei gleichzeitiger Verwendung der deutschsprachigen Sprachversion durchsuchen. Da findet keine Filterung gemäß des EuGH-Urteils statt, man kann also direkt vergleichen, ob ein Link aufgrund einer Beschwerde entfernt wurde.

  4. Google sortiert ständig sein Suchergebnisse um. Diese Sortierung hat in der Regel keine erkennbar nachvollziehbaren Gründe. Es muss keine Personenfilterung stattgefunden haben, nur weil vroniplag nicht auf Seite 1 gelistet ist.

    1. Ja. Daher wäre Dokumentation wichtig, um das auszuschließen. Wobei geplantes SEO vermutlich auch eine Strategie wäre, von den vorderen Plätzen weg zukommen … Viel Lärm um nichts … wenn es denn *beiden* Seiten wirklich um Wissenschaft gehen würde … Aber hier sind kämpfen sich sehr „genaue“ Leute an Leuten ab, deren Interesse im Prinzip diese genaue Art von „Wissenschaft“ nie war … alles was die woll(t)en ist ein Dr-Titel für den Beruf.

  5. Es ist nicht ganz so einfach. Unter http://www.korrupt.biz/5358/google-vergissmeinnicht/ hatte ich schon vor einiger Zeit versucht, ein Muster zu finden, es ist offenbar wirklich vom Namen abhängig, ob der Hinweis auf entfernte Ergebnisse angezeigt wird. Es gab noch irgendwo nebenan (G+?) eine Diskussion zum Artikel, wo auch noch der Versuch angesprochen wurde zu checken, ob es damit etwas zu tuin hat, ob es für den Namen einen Wikipediaeintrag gibt, was möglichwerweise zum Default „kein Löschhinweis“ führt (wenn es keinen gibt), während bei allen nicht-Wikipedia-Namen per default dfen Hinweis gibt usw. – ich habs seitdem nicht weiter untersucht, aber ich kann bei einigen der im Beitrag angeführten Namen mit Sicherheit sagen, dass sie nichts entfernen ließen.

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