Kultur

Nachruf auf Michael Bauer: We all stand together if one falls down

Michael Bauer "mihi"
Michael Bauer „mihi“

In tiefer Trauer müssen wir bekannt geben, dass Michael Bauer „Mihi“ letzten Sonntag vollkommen überraschend verstorben ist. Er war eines der Urgesteine der österreichischen Netzpolitik und Netzkultur, Freund, Mentor, Vorbild und Visionär.

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Er war Mitbegründer des CCC in Österreich, des ersten Wiener Hackerspaces Metalab und des freien Community-Netzwerks Funkfeuer. Er war zentral für die derzeitige Renaissance der Netzpolitik in Österreich und half als erster festangestellter netzpolitischer Aktivist in Österreich dabei, die damals größte Bürgerinitiative Österreichs gegen die Vorratsdatenspeicherung auf die Beine zu stellen und jene Verfassungsklage auf den Weg zu bringen, welche zur Abschaffung der Gesetze zur Vorratsdatenspeicherung in der EU und Österreich führte. Mit ihm habe ich meine erste Kampagne geführt und gelernt, wie man als Teil der Zivilgesellschaft Politik beeinflussen kann.

Trotz seines enormen Engagements und seiner vielen Leistungen in unterschiedlichen Disziplinen war Mihi ein Meister des Understatements. Erst nach Jahren habe ich erfahren, dass er ein Medizinstudium und drei Jahre Harvard Post-Doc absolviert hatte. Er hat für die Open Knowledge Foundation das globale Projekt School of Data betreut, hielt Workshops für Journalisten* und Aktivisten* auf fast allen Kontinenten und brachte ihnen Datenkompetenz bei, unterstützte unzählige Open-Source-Projekte, war Core-Developer der Werkzeuge, um auf SaveTheInternet.eu Europa-Abgeordnete zu kontaktieren, und arbeitete in den letzten Monaten als Datenjournalist für die Tageszeitung Standard/DerStandard.at.

Ich zähle mich zu den glücklichen Menschen, die mit Mihi arbeiten und ihn besser kennenlernen durften. Von ihm habe ich mehr Musik- und Science-Fiction-Referenzen gelernt, als von irgendjemand anderes. Er hatte den unbeirrbaren Drang, die Welt zu verbessern und sich selbst alle paar Jahre neu zu erfinden. Wir werden nie erfahren, was er noch alles hätte werden, hätte erreichen können. Ähnlich wie bei Florian Hufsky „oneup“ ist sein schmerzhafter Tod nicht nur für jene, die ihn kannten, ein herber Verlust, sondern auch für uns alle Mahnmal, die wenige Zeit auf dieser Welt in vollen Zügen zu nutzen.

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8 Kommentare
  1. Ach das ist doch Scheiße! hat der Oberarzt in der Klinik immer gesagt. Nur einmal, da habe ich ihn dazu gebracht, rüber zu kommen von der geschlossenen zur offenen Station, vertretungshalber. Und dann hat er sich lange, sehr lange mit einem jungen Mann unterhalten, den die Schwestern vom Balkongelände gezogen hatten, zweites Stockwerk. Sie redeten über den Sinn des Lebens und das, was nach dem Tod kommt. Ich saß dabei und habe zugehört. Was nach dem Tod kommt? Seltsames Gespräch. Doch es war den beiden ernst. Sehr ernst. – Manche Dinge weiß nur der Liebe Gott allein. Tröstliche Erkenntnis.

      1. Normalerweise denken wir, daß ein Blatt im Frühling geboren wird, doch Gautama sah, daß es schon seit langer, langer Zeit da war — in dem Sonnenlicht, den Wolken, dem Baum und in ihm selbst. Da er sah, daß das Blatt niemals geboren worden war, konnte er auch erkennen, daß auch er niemals geboren worden war. Das Blatt — wie er selbst — hatte sich nur manifestiert — es war niemals geboren worden noch würde es jemals sterben. Durch diese Einsicht lösten sich seine Vorstellungen von Geburt und Tod, Erscheinen und Vergehen auf, und das wahre Gesicht des Blattes — und sein eigenes wahres Gesicht — enthüllten sich. Und er erkannte, daß die Gegenwart jeder einzelnen Erscheinung das Dasein aller anderen Erscheinungen möglich machte. Ein Phänomen umfaßte alle, und alle waren in einem enthalten. – Thich Nhat Hanh. Wie Siddharta zum Buddha wurde.

        Danke für das Video!

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