Linkschleuder

Massenproduktion aus Plastik

Der neueste Plan der Mobilfunkanbieter sind Verträge mit denen KundInnen automatisch jedes Jahr ein neues Smartphone erhalten. Damit wird der künstlich anerzogene Zwang zum Konsum noch verstärkt. Dass derlei Marketingstrategien jedoch in die dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts zurückreichen, zeigt ein Artikel in der Le Monde diplomatique auf. Güter werden extra in einer Weise hergestellt die sie schneller verschleißen lässt, als sie es eigentlich müssten – Sollbruchstellen, instabile Plastikteile nicht auswechselbare Akkus sind dabei nur einige Beispiele. Geplante Obsoleszenz.

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Sie betreiben das so systematisch, dass Obsoleszenz heute in praktisch jedem Produkt durchgeplant drinsteckt und in erheblichem Maße unseren Alltag und den Umgang mit käuflich erworbenen Gegenständen bestimmt. Die Wirkung der Obsoleszenzstrategien entfaltet sich – durchaus gewollt – meist im Verborgenen beziehungsweise als quasi naturgesetzliche Unausweichlichkeit. Dass bei einem Mixer ein Metallzahnrad in ein Plastikzahnrad greift und das Gerät deshalb schnell kaputtgeht, ist kein gutes Verkaufsargument. Dieser ingenieurtechnisch geplante Verschleiß wird lieber verschwiegen, stattdessen wird auf die Qualitäten und den günstigen Preis des Neugeräts verwiesen.

Wer als mündiger Konsument über solche Strategien informiert ist, wird sein Wissen in die Kaufentscheidung einfließen lassen. Angesichts der vielfältigen Methoden, die dazu führen, dass Produkte oder Waren ausgemustert und ersetzt werden, ist es jedoch nicht leicht, den Überblick zu behalten, zumal es keine Kennzeichnungspflicht für Maßnahmen gibt, die die Nutzungsdauer senken. Von den drei wichtigsten Strategien, mit denen die Hersteller die Obsoleszenz steuern, setzen zwei am Produkt an – Innovation und Sabotage – und eine beim Konsumenten – das Marketing.

Die geplante Obsoleszenz durch Innovation erscheint zunächst wie ein Widerspruch in sich. Nehmen wir das Beispiel Kraftfahrzeugindustrie: Die Erfindung des Autos ließ mit der Zeit Pferd und Kutsche als Transportmittel obsolet werden, und nach der Einführung des elektrischen Anlassers waren Autos, die noch mit Kurbel gestartet werden mussten, schnell veraltet. Auf solchen Erfahrungen fußt die vertrauensvolle Annahme, dass das Neue irgendwie besser sein wird als das Alte.

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6 Kommentare
  1. Die Entwicklung begann in Europa nach dem zweiten Weltkrieg. Die Fotoindustrie unterschied damals schon deutlich zwischen Amateur- und Profimaterial, beim Material und noch deutlicher bei Kameras und Prokehtoren. Auch in Küchengeräten und Nähmaschinen drehten sich Zahnräder aus Kunststoff, die nach einer gewissen Zeit versprödeten und brachen. In den 70er Jahren begann die elektronische Unterhaltungsindustrie Geräte aller neuen Formate zunächst als Player, ein oder zwei Jahre später auch mit Recorderfunktion auf den Markt zu bringen. Nachhaltigkeit war unerwünscht. Erst recht bei Leuchtmitteln. In meinem Haushalt leuchten seit 25 Jahren noch Energiesparlampen von Narva, während neue Lampen westlicher Hersteller unter denselben Bedingungen bereits nach 10 Monaten kaputt sind.

  2. Diese neue Art der Vertragsbindung ist wirklich erschaudernd. Vielleicht ist die (vermutlich eher jüngere?!) Zielgruppe sowieso schon durch Primark etc. zu einer solchen Mentalität erzogen wurden. Beziehungen werden ja auch weggeworfen wie IKEA-Möbel mit Kratzern. Bevor etwas repariert wird, wird an einen Neukauf gedacht. Aber hat man bei einem Handy eigentlich Lust sich jedes Jahr auf etwas neues einzustellen? Neue Hardware und UI? …
    Zu der hier angesprochenen geplanten Obsoleszenz möchte ich hinzufügen, dass man eigentlich nicht von „Sabotage“, „Marketing“ und „Innovation“ spricht, sondern qualitativer, psychologischer oder funktionaler Obsoleszenz (das ist deshalb die bessere Bezeichnung, weil es die Kategorien nicht so sehr eingrenzt. Z. B. muss ein Neukauf nicht aufgrund von Innovationen stattfinden, wenn man den alten Filzstift entsorgt – obwohl er noch funktioniert – und mit einem neuen weiter schreibt.
    Als Klicktipps hierzu:
    Bei Google: „Peter Praschl Macht kaputt was euch kaputt macht“
    Bei YouTube: „Kaufen für die Müllhalde“
    Eine Initiative in Deutschland gegen dieses Vorgehen ist „Murks? nein Danke!“ von Stefan Schridde.

    1. „Aber hat man bei einem Handy eigentlich Lust sich jedes Jahr auf etwas neues einzustellen? Neue Hardware und UI? …“

      Die UI bei Apple und Android bleibt ja immer die gleiche, also muss man sich nicht auf was neues einstellen sondern hat immer ein neues Gerät das genau so ist wie das alte. Das macht die Sache doch im Grunde nur noch absurder da es noch nichtsmal wirklich was neues bringt.

  3. Smartphoneleasing, jetzt!

    In der gutenaltenzeit der vollsubventionierten Handies, war das aber auch schon so, d.h. das ist jetzt nicht direkt eine neue Idee.

    Wir werden auf Dauer eine sehr strenge Regulierung brauchen, die die Geräte zerlegbar und recyclingfähig macht.

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