Überwachung

Hacking-Team-Hack: Geheimdienst-Chef Zyperns zurückgetreten

Eine andere Form von Android-Hacking betreibt das italienische Hacking Team und lässt sich diese Dienstleistung gut bezahlen. CC BY-NC-ND 2.0, via flickr/Patrick Lauke

Als eine der ersten handfesten Konsequenzen des Hacking-Team-Hacks ist der Chef des zypriotischen Geheimdienstes KYP, Andreas Pentaras, zurückgetreten. Die Behörde hatte mehrere Angriffsvektoren beim italienischen Hersteller von Überwachungssoftware erworben, die unter anderem Sicherheitslücken in Android-Mobiltelefonen ausgenutzt haben. Eine Ende Dezember 2014 ausgestellte 35.000 Euro schwere Rechnung listet die Anschaffung von „Physical Infection Vectors“ und „Remote Mobile Infections“ auf. Vorläufig unklar bleibt, welche Sicherheitslücken in welchen Android-Versionen betroffen sind.

Wir finanzieren uns zu fast 100 % aus Spenden von Leserinnen und Lesern. Unterstütze unsere Arbeit mit einer Spende oder einem Dauerauftrag.

Darüber hinaus finden sich zumindest drei weitere Abrechnungen [1, 2, 3] in den geleakten Dokumenten, die an den KYP gingen. Daraus geht hervor, dass der Geheimdienst eine Lizenz für das „Remote Control System“ Galileo erworben und in Summe 255.000 Euro dafür bezahlt hat. Bestandteil des Pakets war auch ein nicht näher spezifizierter „Remote Attack Vector“. In der Werbebroschüre für Galileo brüstet sich das Hacking Team damit, dass es ein Leichtes sei, Kontrolle über die gewünschten Ziele zu erlangen, um sie unabhängig von Verschlüsselung und Mobilität zu überwachen. Dabei spiele es keine Rolle, ob es sich um Android-Telefone oder um Windows-Rechner handle.

Die Enthüllung des Erwerbs von Sicherheitslücken ist deshalb brisant, weil die Überwachung von Telekommunikation in Zypern derzeit illegal ist. In einer Stellungnahme suchte sich Pentaras zu verteidigen, indem er auf die instabile politische Großwetterlage verwies: „Diese Technologie wird ausschließlich im Rahmen des nationalen Sicherheitsauftrags von KYP eingesetzt. Sie ist notwendig und wichtig, um angesichts der türkischen Okkupation [des nördlichen Teils der Insel] und der heutigen asymmetrischen Bedrohungsszenarien, bedingt durch die Instabilität unserer Region, zuverlässige Geheimdienstarbeit zu gewährleisten.“ Ein Regierungssprecher bestätigte den Rücktritt von Pentaras und betonte, dass dieser erfolgt sei, um die „Integrität der Behörde“ zu bewahren.

Weitersagen und Unterstützen. Danke!
Ein Kommentar
  1. Erstaunlich das in der heutigen nsa-welt soetwas noch konsequenzen hat.
    Finde ich sehr gut und es überrascht mich das Telekommunikationsüberwachung in Zypern verboten is o. O

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.