Der Bundesverband Musikindustrie hat heute die Kulturkonferenz 2015 ausgerichtet. Stefan Krempl war für heise.de vor Ort und anscheinend haben wir was verpasst. Dass der Vorsitzende des Bundesverband Musikindustrie heute von Sigmar Gabriel zum Beauftragten für Kreative und Digitale Ökonomie ernannt wurde, hatten wir gesondert schon berichtet.
Aber im Bericht von Stefan Krempl finden sich viele weitere Stilblüten. Die Kurzform ist: Die Netzpolitik der Bundesregierung wird jetzt von der Musikindustrie gemacht!
Gorny selbst unterstrich, die hiesige Antwort auf das Silicon Valley müsse sich aus europäischen Werten „wie geistigem Eigentum und Urheberrecht“ speisen. Das Wohl und Wehe der Musikbranche dürfe nicht ein paar Nerds überlassen werden.
Gabriels Staatssekretär Rainer Sontowski erklärte dort als Vertretung:
Die Bundesregierung habe „die großen Auswirkungen“ des Internets auf Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur lange nicht gesehen, räumte der Sozialdemokrat ein und bedauerte, „die Digitalisierung zunächst den Netzpolitikern überlassen zu haben“.
Etwas missverständlich finde ich dieses Zitat von Sontowski:
Nun gehe es darum, „mit den Gegenkräften einen sachlichen Dialog zu führen“. Wo „die Kacke liegt“, wisse man aber erst, „wenn der Schnee geschmolzen ist“.
Ich frag mich ja, ob er mit dem Schnee die Umsätze der Musikindustrie gemeint haben könnte?
Und dann sprach wohl auch noch Siegmund Ehrmann (SPD).
Der Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Kultur und Medien, freute sich, dass die „Utopie“ überwunden sei, sich im Netz „auf eine Allmende zuzubewegen“.
Schönen Dank an die SPD für die Übergabe der Netzpolitik an diejenigen, die sich damit noch am Besten auskennen: Die Musikindustrie!
