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„Zukunftsfähiges Kontrollmittel“: Mehr Ganzkörperscanner für die Kontrolle an Flughäfen geplant

Der Abgeordnete Jan Korte hatte im Juni Neues zu den NacktKörperscannern an bundesdeutschen Flughäfen abgefragt. 2010 gab es einigen Aufruhr, als bekannt wurde dass bei Tests in Hamburg kontrollierte Personen auf den Bildern gut erkennbar sind, inklusive Intimpiercings, künstlichen Darmausgängen oder anderen kleinen und großen Dingen, die man lieber für sich behält. Die neuen Scanner zeigen die Kontrollierten nur noch als lustige Zeichnung an, daraufhin gab’s für das milde „Kontrollmittel“ auch vom Bundesdatenschutzbeauftragten einen Freibrief.

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Insgesamt stehen nun laut der Antwort des Bundesinnenministeriums 14 Geräte an den Flughäfen Frankfurt/Main, Düsseldorf, Stuttgart, Hamburg, Berlin-Schönefeld und München. Pro Stück fallen ca. 200.000,- Euro an, zuzüglich Ausbildung und Wartung. 125.527 Fluggäste wurden bisher kontrolliert.

Hergestellt werden die Geräte von L3 Communications. Mittlerweile haben sich angeblich auch die 5% Fehlalarme reduziert, als Grund gilt eine „verbesserte Detektionssoftware“ und die „verbesserte Anzeige des Kontrollergebnisses“. Korte verweist aber darauf, dass die Scanner vor vier Jahren zwar in 69 Prozent der Fälle Alarm geschlagen hätten, lediglich 15 Prozent davon seien „berechtigt“ gewesen. Die Alarmquote ist jedoch aktuell lediglich auf 59 Prozent gesunken.

Immer noch werden aber bestimmte Auffälligkeiten erkannt, etwa medizinische Hilfsmittel, Prothesen und Piercings. Das Bundesinnenministerium umschreibt das so:

Körperscanner detektieren Unregelmäßigkeiten an der Körperoberfläche. Darunter fallen auch Schmuckgegenstände und medizinisch-technische Hilfsmittel ab einer bestimmen Größe und Form. Eine Entscheidung, ob diese sicherheitsrelevant sind, trifft der Körperscanner nicht. Der entsprechende Bereich wird im Kontrollergebnis angezeigt und durch die Kontrollkraft überprüft.

Noch ist der Gebrauch eines Ganzkörperscanners freiwillig, entsprechend ist es laut der Bundesregierung im „EU-Recht“ geregelt. Womöglich gibt es aber bald immer weniger Alternativen: Denn noch mehr Geräte sollen nun beschafft werden. Es werde „geprüft, wie viele Körperscanner an welchen Standorten zusätzlich eingesetzt werden sollen“. Sie seien „nach Bewertung der Bundesregierung das zukunftsfähige Kontrollmittel für die Luftsicherheitskontrolle“.

Einige Personen kommen aber um eine automatisierte Kontrolle in jedem Fall herum: Personen „mit einer Körpergröße von unter einem Meter und über zwei Meter“ können nämlich „baulich bedingt“ nicht mit den NacktKörperscannern kontrolliert werden.

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13 Kommentare
  1. Finde es eigentlich oke, wenn Begrabschungen auf so etwas aufbauen. Erspart einem ein nerviges „jeder wird betastet“ und ein rassistisches „südlän–, ich meine verdächtig aussehende werden betastet“

    Alles unter der Prämisse, dass nichts gespeichert wird, die Bilder wirklich nur so aussehen wie im Artikel und modulo alle Kritikpunkte vom originalen Nacktscanner. Es sollte insbesondere die Gesundheit nicht belasten (wie das bei Röntgenstrahlung der Fall ist) und sinnvoll sein, heißt: Kosten und Zeit einsparen.

    1. nichts wird gespeichert
      salamischeibe
      es wird nur auf hinweis gespeichert
      salamischeibe
      es werden hingewiesene mit ELGA Daten abgeglichen
      salamischeibe
      da eh schon immer gespeichert wurde und sich keiner aufgeregt hat, legalisieren wirs jetzt per gesetz und machens zur pflicht inkl vorrauseilender Datenabgleich nach US und A

  2. Als wenn sich die NSA diese Daten entgehen läßt. Die eignen sich doch viel zu gut zum mobben. Ausserdem muss man ja zumindest die false positives abspeichern sonst kann man die Software ja gar nicht verbessern.

  3. Also wenn 15% von 69% aller Alarmmeldungen „berechtigt“ waren, dann versuchen ca. 10% aller Fluggäste Sprengstoffe oder Waffen mit an Board zu bringen? Ich weiß ja nicht wie viele Flugzeuge pro Tag in die Luft gesprengt werden, aber nicht nur mir dürfte diese Rechnung seltsam vorkommen. Intimpiercings dürften wohl kaum als „berechtigt“ durch gehen.

    Ausserdem haben wir gesehen, was für Bilder die Geräte machen. Ob die das dann zur Anzeige auf lustige Strichmänchen umrechnen macht in meinen Augen nicht viel Unterschied. Dass das Rohmaterial nicht einfach mit gespeichert wird zur „Qualitätssicherung“ wird sich spätestens dann zeigen, sobald die erste Bilderdatenbank bei einem Angestellten zu Hause gefunden wird oder auf unerklärliche Weise seinen Weg in dieses Neuland findet.

  4. — schnipp —
    Einige Personen kommen aber um eine automatisierte Kontrolle in jedem Fall herum: Personen “mit einer Körpergröße von unter einem Meter und über zwei Meter” können nämlich “baulich bedingt” nicht mit den NacktKörperscannern kontrolliert werden.
    — schnapp —

    Das halte ich für ein Gerücht.
    Mir wurde in Washington schon mehrmals gesagt ich solle einfach den Kopf einziehen und die Hände nicht über selbigen nehmen. Das sind dann etwas seltsame Verrenkungen weil im 90° Winkel die Arme seitlich nicht mehr rein passen.
    Gestört hats aber keinen von der TSA.

  5. dann brauch man die perversen nicht mehr einbuchten in knast, sondern in arbeit bei polizei/bnd/bka/zoll ….
    mal sehen wenn die erste frau dem tampon ziehen muss, könnte ja eine zündschnur/dynamite sein …..

    dumm, dümmer, überwachungsstaat deutschland!1!

  6. @Oliver

    Es steht nur drin daß 15% von 69% aller Alarmmeldungen berechtigt waren, nicht von wen die aufgelöst wurden. Mit Sicherheit werden die Geräte nicht nur von Passagieren getestet, sondern auch Mitarbeiter vom Flughafen Personal. Passagiere die Waffen bei sich haben werden wohl kaum freiwillig durch einen Nacktscanner laufen. Daher kann ich mir sehr gut vorstellen, daß diese Zahlen stimmen.

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