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NacktKörperscanner in Hamburg.

Nacktscanner heißen jetzt nicht mehr Nacktscanner. Sie heißen jetzt Körperscanner, weil sie mit einer Software ausgeliefert werden, die das technisch generierte Nacktbild auf Strichmännchen-Niveau verfremden, Sprengstoff und Waffen automatisch erkennen und dann rot markieren soll, so dass das freundliche Bodenpersonal sie entgegennehmen kann. Wichtig ist , dass dies eine Software macht, weil diese das bestimmt sehr viel besser kann, als ein Mensch. Das zeigen uns nicht zuletzt CAPTCHAs, eine der letzten (noch!) verbliebenen Bastionen der Menschen gegen die Maschinen.


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Obwohl nun also gar keine Nacktbilder generiert werden, ist Innenminister de Mazière auch der zweiten zentralen Forderung der Datenschützer entgegengekommen und weiß zu berichten dass die Bilder auch nicht gespeichert würden. So lassen sich Verhältnisse wie in den USA verhindern, wo 2.000 Bilder die mit „speicherunfähigen“ Geräten aufgenommen wurden auf mysteriöse Weise auftauchten. Eine technische Garantie für die Speicherunfähigkeit übernimmt de Mazière nicht, und das wäre auch dumm von ihm:

In Hamburg sollen diese Geräte nun getestet werden, weil die Software zur automatischen Erkennung der Waffen und Sprengstoffe noch nicht so richtig funktioniert. Eine anschließende Verbesserung der Erkennung sollte sich sehr schwierig gestalten, wenn man auf eine Speicherung der (na sicher!) Rohdaten zur anschließenden Optimierung der Software verzichtet.

Das gleiche gilt dann nach erfolgreicher Einführung dieser Geräte übrigens auch für fortlaufende Optimierung, gerichtlich verwertbare Beweise und die Rekonstruktion von Katastrophen: Das Bodenpersonal wird sich im äußerst unwahrscheinlichen Fall, dass jemand eine Waffe in ein Flugzeug schmuggelt, nicht vorhalten lassen wollen, es habe nicht richtig hingeschaut. Rechtssicherheit wird man das nennen.

Update: Wer sich verdächtig machen will, darf auf die Freiwilligkeit in der Testphase pochen.

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20 Kommentare
  1. Nebenbei, die Angestellten beim Check-In des HHer Flughafens müssen für Hungerlöhne arbeiten. Die Leute, die vorgeblich Terroristen am Betreten eines Flugzeugs hindern, sind Niedriglohnarbeiter:

    http://www.freitag.de/community/blogs/kuempser/sicherheit-um-jeden-preis

    http://www.abendblatt.de/hamburg/article1409266/Der-Kontrolleur-am-Flughafen-Fuhlsbuettel.html

    http://hamburg.verdi.de/presse_hh/pressemitteilungen/showNews?id=3ead200a-1611-11df-5b42-0019b9e321cd

    Während man also einerseits „alles“ für die Sicherheit tut, darf das alles nichts kosten.

    Sicherheitstheater.

    [2. Posting-Versuch, der 1. landete wohl im WordPress-Filter.]

  2. Wenn ich es richtig gelesen habe, soll erstmal freiwillig der Scanner genutzt werden.

    Wer also nicht da durch „schwebt“ und seine verbliebenen Organe unsachgemäßer Bestrahlung unterziehen will, macht sich aber verdächtig.

    Getreu dem Motto: DU BIST TERRORIST.

    Ich nehme für den nächsten Urlaub lieber ein Container Schiff, da werden nur die Container auf dubiose Inhalte gefilzt. Ausserdem wird mir beim Fliegen schlecht.

  3. Also ich wäre mit folgender Situation glücklich:
    Die \Nacktbilder\ aller Scanner am Flughafen werden (anonym, d.h. nur mit Nummer des Scanners) in einen Raum geleitet, in dem eine oder mehrere Personen einen Blick auf die Monitore werfen und die jeweiligen Scannerbilder als harmlos oder eben nicht harmlos einstufen. Je nach Einstufung leuchtet dann am Scanner eine grüne oder eine rote Lampe. Bei roter Lampe wird in einem seperaten Raum eine Körpervisitation vorgenommen.
    Nur rot eingestufte Bilder werden gespeichert, die anderen werden spätestens beim nächsten Scan gelöscht.

    Das mit der PC-Erkennung ist doch eher… Mist oder nicht? Ist eigentlich die ganze Welt so dumm, oder scheint mir das nur so?

  4. CAPTCHAs, eine der letzten (noch!) verbliebenen Bastionen der Menschen gegen die Maschinen.

    Ach, da fällt mir ein, dass ich mir WebVisum nochmal ansehen wollte.

    Klingt nach einer netten Idee, um Blinden und Sehbehinderten das Web ein wenig zu erleichtern:

    „Automated and instant CAPTCHA image solving, sign up to web sites and make forum posts and blog comments without asking for help!“

  5. Ich habe noch viele Probleme mit den Scannern: die sehen nicht „Waffen“ die sehen „Verdaechtiges“, was dann weiter untersucht wird. Da die Scanner bis auf die Haut sehen, sehen diese Scanner Prothesen, wie sie z.B. Brustkrebspatienten haben. Nun ist an so einer Prothese nichts gefaehrliches dran. Dreimal duerft ihr raten, wie oft Frauen in den USA diese Dinger fuer „weitere Untersuchungen“ abnehmen duerfen und was das fuer diese Frauen heisst.

    Umgekehrt, sehen die Scanner nur bis zur Haut. D.h. man kann bequem unter einer kuenstlichen (z.B. Leder) Haut alles moegliche Transportieren.

    Und das werfe ich den Scannern vor: Sie sind viel langsamer als Metalldetektoren, sehen, was sie nicht sehen sollen (medizinische Prothese), sehen NICHT was sie sehen sollten (Metallwaffen unter Kunsthaut), kosten das 10-Fache von Metalldetektoren und brauchen mehr Personal.

    Wer schmiert da wen und warum haben wir diese Dinger?

  6. Ganz nebenbei frage ich mich, wo eigentlich die vom Innenministerium öffentlich in Auftrag gegebene Studie \Körperscanner und Menschen mit Behinderungen\ geblieben ist, die vor dem HH-Versuch veröffentlicht werden sollte. Ich muss auf Langstreckenflügen Stützstrümpfe tragen, die sind metallbedampft und sorgen regelmäßig für Ärger – sowohl bei den Handgeräten wie bei den Vollscannern.

  7. ich fahr jeden tag mit einem fernzug in dem doppelt so viele menschen sitzen als in einem A320. also doppelt so viele opfer und doppelt so viele terroristen. wer scannt die jetzt bitte damit ich sicher reisen kann?

    und wer kontrolliert eigentlich ob die flüssigkeiten in meinen transparenten 100ml-fläschchen kein flüssigsprengstoff ist?

    ohgottohgottohgottohgott!!!

  8. Um ein digitales Bild verarbeiten zu können muss es selbstverständlich irgendwo gespeichert werden, die Frage stellt sich also gar nicht. Natürlich wird das Bild, auch vor einer eventuellen Verfälschung, gespeichert, das ist technisch gar nicht anders möglich. Mir als Mann wäre es egal wenn mich ein anderer Mann nackt sieht, aber schon bei älteren Menschen mit Gebrechen, Behinderten und erst Recht bei Kindern wird mir schummrig. Da eröffnen sich Möglichkeiten an die will man gar nicht denken, denn auch das Sicherheitspersonal besteht nur aus Menschen, samt ihren Perversionen und Abnormitäten. Doch auch gewisse Industrien und Geheimdienste könnten großes Interesse an den Scannerdaten entwickeln, oder haben es bereits getan, was uns persönlich nur schaden kann. Ich empfinde es ja schon als unangenehm wenn vor mir ein Kind abgetastet und wie ein Verbrecher behandelt wird, aber Nacktscanner gehen mal gar nicht.

  9. @Fred – diese Bedenken sind wohl angebracht: Mir hat ein Screener in Hamburg (kein Witz!) erklaert, dass er es geniesse, mich abzutasten.

    Ich habe das an den Flughafen gemeldet, die das and die Bundespolizei gemeldet haben, die nach reichlich viel Zeit meinten, dass das eigentlich nicht ok sei (aber sonst ist natuerlich nichts passiert)…

    Und sag mir einer, dass seien Profis, die sich immer neutral verhalten.

  10. @Fred

    Um ein digitales Bild verarbeiten zu können muss es selbstverständlich irgendwo gespeichert werden, die Frage stellt sich also gar nicht.

    Das ist technisch falsch. Du argumentiert hier wie die (unwissenden) Gericht. Die Frage stellt sich durchaus.

    Es gibt Hardwareunterschied zwischen flüchtigem Speicher und Festspeicher. Zusätzlich kann man dadurch, dass keine Export-Schnittstellen existieren quasi sicher gewährleisten, dass die Daten nicht gespeichert werden können. Vorausgesetzt niemand manipuliert das Gerät.

  11. @Jörg-Olaf (5): Brauchst du eine Einladung? Bin aktiver Nutzer dort. Der Service selbst ist wirklich eine gute Idee. Die Tatsache, dass er auch mit recaptcha funktioniert, lässt mich allerdings vermuten, dass die Captchas an Menschen weitergereicht werden. Außerdem ist es ja gleichzeitig eine Art Austauschplattformen für Beschriftungen von Website-Elementen, was natürlich heißt, dass ich den Betreibern eine komplette History meiner Webseitenaufrufe liefere – die Frage nach dem Datenschutz stellt sich da schon. Der Zustand der Webseite erhöht mein Vertrauen diesbezgl. auch nicht gerade.

    PS: Meine Mailadresse funktioniert ;-)

    1. @ Lauscher (17), @Jörg-Olaf (6): Im Buch „Free – the Future of a Radical Price“ beschreibt Chris Anderson Seiten „für Erwachsene“, die gratis-Angebote haben, wenn man einfach immer mal wieder zwischendurch ein CAPTCHA löst. WebVisum scheint natürlich nicht so ein Anbieter zu sein.

  12. ach wie schön. also doch endlich free-hausfrauen-pr0n für unter Mindestlohn beschäftigte Flughafen-Security-Sklaven.

    Ok, ich werde niemals Amerika (aber wer will schon in ein Land, wo Touristen wie Schwerverbrecher begrüßt werden), Neuseeland oder Australien sehen. Aber: Was bin ich froh, ein Auto zu haben. Das mich nicht scannt…

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