Kultur

Wikileaks startet Produktwelt für eine politisch interessierte, internet-affine und modebewusste Zielgruppe

Wikileaks-logoWas wie ein verspäteter Aprilscherz klingt, scheint Realität zu sein: Wikileaks hat sich eine professionelle Vermarktungsagentur geholt, um jetzt Revolution zu vertreiben. Und die geht mit Hilfe des Markenrechts gegen Unternehmen wie GetDigital vor, die T-Shirts mit Wikileaks-Logo vertreiben (Und die Erlöse in Richtung Wikileaks spenden). Kann man machen. Aber dann sollte man sich nicht wundern, wenn die Unterstützung weiter sinkt.

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Dafür bekommen wir demnächst die „Produktwelt einer politisch interessierten, internet-affinen und modebewussten Zielgruppe“ mit den passenden Schreibwaren:

Der Auftritt soll durch Bavaria Sonor deutlich professionalisiert werden, die Erlöse sollen in die Organisation zurückfließen. In der ersten Phase des Programms zielt die Agentur auf die Produktwelt einer politisch interessierten, internet-affinen und modebewussten Zielgruppe: Handyschalen, Hoodies, T-Shirts, Jacken, Sonnenbrillen, Uhren, Schreibwaren, Messenger Bags etc. Hier wird Bavaria Sonor sowohl etablierte Unternehmen ansprechen als auch kleinere Szene-Labels. Gegenstand der Lizenz sind Logo und Wortmarke von WikiLeaks sowie eine Reihe realer und künstlerisch verfremdeter Bilder von Julian Assange. Hinzu kommen ausgewählte Slogans als Gestaltungselemente („We leak secrets“ Transparency!).

30 Kommentare
  1. Tja, wenns ums Geld geht hört bekanntlich der Anarchismus auf ! Warum sollte das bei Julien Assange anderst sein ?

    Der Kapitalismus gewinnt eben am Ende doch immer weil es das System ist das der jedem Menschen natürlich innewohnenden Gier am besten entspricht. Wenn er die Chance hat wird jeder Revoluzzer zum Geschäftsmann um seiner eigenen Bereicherung willen, so ist das immer gelaufen in der Menschheitsgeschichte und so wird es immer sein. Das ist Alternativlos, amen.

    1. … es ist traurig wenns bei Dir so gelaufen ist. Wäre ein Hinweis darauf, dass vielleicht doch eher Lifestyle als Überzeugung ausschlaggebend waren. Ist aber zum Glück nicht bei allen so der Fall. Vielleicht versuchstes nochmal mit inhaltlicher Auseinandersetzung als mit dem Pflegen Deiner Vorurteile? Nix für Ungut…

    2. Blanker Zynismus/Pessimismus. Wenn es bei dir so traurig aussieht, mag dir vieles alternativlos erscheinen. Projizieren nennt man das, soweit ich weiß. Was soll den dieses „Ende“ sein, von dem du sprichst? Ich fordere dich dazu auf, konstruktiv zu sein. Amen.

  2. Das kann dich nicht deren Ernst sein? Wirklich. Nicht nur ein Projekt so unter eine Komerzfuchtel zu stecken und dann auch noch zu hoffen, dass die „Zielgruppe“ das befürwortet und dazu noch einen Shirt Anbieter den Verkauf zu untersagen. Sorry. Dafür kann ich nur noch ein Kpofschütteln, aber kein Verständnis aufbringen. No Go.

  3. Wie viele von den ersten Meckerern haben denn in letzter Zeit an Wikileaks gespendet? Wenn man leere Kassen hat muss man halt alle Möglichkeiten ausnutzen.

      1. Das ist klar. Ich sage nicht, dass es optimal ist. Es ist wohl eher der verzweifelte Versuch, „sich“ zu retten. Ich finde eher schade, dass es Wikileaks nicht mehr so gibt wie früher, aber eine Alternative nach wie vor nicht vorhanden ist. Oder täusche ich mich? Wie stehts denn um openleaks?

      2. Kann man machen … natürlich, jedenfalls aus juristischer Perspektive gesehen. Aber wenn man das unsägliche Marketinggewäsch liest, das die Bavaria in ihrer Pressemeldung absondert, fragt man sich, mit wem sich Wikileaks da ins Bett legt. Und diese Paarung ist zumindest widerlich.

    1. Es gibt noch cryptome.org. Das gibt es sogar schon seit mitte der 90er.
      Ich glaube mich zu erinnern das die WAZ-Gruppe und Die Zeit auch so etwas aufgebaut haben.

      1. bei der Zeitungsgruppe Thüringen (die zur WAZ Gruppe gehört) gibt es auch eine Funktion, wo man Dokumente hochladen kann. Nur leider steht es um deren Verschlüsselung nicht optimal, wenn man die Seite via ssllabs testet…

  4. Ausweisslich der Transparenzberichte der Wau Holland Stiftung WHS hat Wikileaks noch Geld, auch wenn die Sümmchen weitab der Millioneneinnahmen aus der Zeit liegen, als alle nach Collateral Murder etc. spendeten. Nichts Genaueres ist über die Courage Foundation bekannt, die auch für Wikileaks sammelt, aber keine Spendenquittungen für unsere Fuchsteufelswildämter ausstellen kann. Was so ein St. Julian-Label an Einnahmen generieren kann, aber wenn die gelegentlich verkauften T-Shirts bei gd 7500 Euro gebracht haben, werden das wohl 10-50.000 Euro sein. Dass ausgerechnet die Bavaria und damit die Öffis dran mitverdienen ist lustig.

      1. Du darfst es auch nicht mehr irgendwo draufdrucken und das dann verschenken. Oder ohne kommerziellen Hintergrund auf einer Website verwenden – es sei denn als grafisches Zitat, z.B. in einem Beitrag über Wikileaks.

    1. Interessante Frage. Meines Wissens lassen sich CC-Lizenzen nicht widerrufen. Und bei CC-BY-SA gilt nur die Bedingung, dass der Urheber und die Lizenz genannt wird. Die Lizenz ist klar, aber wer ist der Urheber? Doch wohl nicht Assange höchstselbst?

      1. Markenrecht ungleich Urheberrecht, schon klar. Aber heißt das: Markenrecht sticht Urheberrecht aus? Und würde das nicht das CC-Konzept teilweise aushebeln? Wenn ich per CC etwas zu den in der jeweiligen Lizenz definierten Bedingungen zur Nutzung freigebe, wäre es ja schlicht widersinnig, es parallel unter Berufung auf das Markenrecht zu blockieren.

        1. Markenrecht sticht nicht Urheberrecht. Du meldest eine Marke an, suchst Dir bestimmte Produktkategorien aus(Müsste man mal genauer eim Marken und Patentamt recherchieren, sieht aber nach Schreibwaren und Kleidung aus) und dann darf halt kein anderer gewerblich in diesen Kategorien Deine Wort und Bildmarke verwenden. Natürlich kann man weiter das Logo zur Berichterstattung nutzen. Aber halt wie in diesem Fall keine T-Shirts drucken und verkaufen.

  5. Nur mal eine Frage:

    Hat ‚GetDigital‘ eigentlich bisher versucht, Julian direkt zu kontaktieren – oder ihm zumindest eine Mail zu dem Vorfall zu senden?

    Was ich an der ganzen Diskussion hier vermisse (und nicht nur in diesem Blog) ist, dass Julian in einer ziemlich beschissenen Situation ist. Das rechtfertigt sicherlich nicht rücksichtsloses Verhalten – trotzdem wird scheinbar bei jeder Gelegenheit auf ihn rumgehackt. Hauptsache immer feste druff!

    Schon mal überlegt, dass Wikileaks – unabhängig von Julian Assange – _nicht_ zur Dunklen Seite gehört, oder wie man sich selbst fühlen oder verhalten würde, wenn man an seiner Stelle wäre???

  6. Also … mal langsam und auf den Punkt gebracht: Wenn du alle Tassen im Schrank hast, dann sind die wahrscheinlich noch etwas … „durcheinander“ ?

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